merken
PLUS

Naundorf ist schockiert

Nachbarn sind betroffen nach dem schweren Unfall. Eine Diskussion um mehr Sicherheit entbrennt.

Von Franz Herz

Naundorf trauert nach dem tragischen Unfall am Sonntag, bei dem ein Ehepaar ums Leben kam. „Das hat uns alle sehr betroffen gemacht“, sagt Tilo Marx. Er wohnt oberhalb von der Unfallstelle und hat womöglich den Unfallwagen kurz vor dem Crash noch gesehen. „Es war ein schwarzes Auto, das da ankam. Ich habe noch gedacht; Mensch, der pfeift aber um die Ecke“, erinnert er sich. Minuten später fiel ihm auf, dass etwas passiert sein musste, weil die Autos auf der B 170 stoppten.

Anzeige
Wandern mit Kindern: Das muss mit
Wandern mit Kindern: Das muss mit

Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Ob es das Unglücksauto war, das er gesehen hat, ist nicht zu beweisen. Aber feststeht, dass ein schwarzer Mercedes etwas weiter in Richtung Dipps zwei Menschen totgefahren hat. Sie wollten die Straße zu ihrem Wohnhaus überqueren und sind von dem Auto frontal erfasst worden.

Die Ermittlungen der Polizei gehen nun in die Richtung, die exakte Geschwindigkeit des Unfallautos zu erforschen und das Verhalten der Unfallopfer beim Überqueren der Straße. Die Unfallspuren müssen jetzt gründlich ausgewertet werden. Das zieht sich längere Zeit hin.

Die Nachbarn der beiden Verstorbenen, Eva und Werner L., sind immer noch betroffen. Sie wohnten dort in einem Haus der Wohnungsgenossenschaft Schmiedeberg. Vor 45 Jahren, als das gebaut wurde, haben sie selbst mit angepackt und ihre Stunden geleistet. Als das Haus dann fertig war, sind sie 1970 eingezogen, so wie viele andere auch, die dort noch wohnen, sagt Heiko Franz, der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft.

„Wir haben bei uns gute Hausgemeinschaften. Da feiern die Nachbarn zusammen und helfen sich gegenseitig“, sagt Franz. Das gilt auch für die Verunglückten. Der Vorstand hat Werner L. auch sehr geschätzt, weil der Vertrauensmann der Genossenschaft in seinem Aufgang war. „Da hat er gerade letztes Jahr, als sein Haus auch vom Hochwasser überschwemmt wurde, kräftig geholfen und mit angepackt. Er hinterlässt jetzt eine Lücke. Es ist schwer jemand zu finden, der sich so engagiert“, erinnert sich der Vorsitzende der Wohnungsgenossenschaft.

Werner L. hat früher als Qualitätskontrolleur im Maschinenbau des Ferdinand-Kunert-Werks in Schmiedeberg gearbeitet, seine Frau Eva war in der Küche tätig. Sie hinterlassen eine Tochter und einen Sohn sowie mehrere Enkel. Auch Tilo Marx kennt die Familie, obwohl er erst 2001 zugezogen ist. „Sie waren alteingesessene Naundorfer“, sagt er.

Unter den Nachbarn in Naundorf begannen schon am Unfalltag Diskussionen, wie sich die Verkehrssicherheit in dem Ort verbessern lässt. In Naundorf gab es in den letzten Jahren immer wieder Verkehrsunfälle, teilweise mit Personenschaden, teilweise dank großen Glücks ohne Verletzte. Der Schwerpunkt dabei liegt aber weniger auf dem Straßenabschnitt, wo am Sonntag der tödliche Unfall geschehen ist. Hier ist die Straße verhältnismäßig gerade. Immer wieder passieren Unfälle an der Bushaltestelle und der Einmündung der Straße aus Obernaundorf.

Tilo Marx erinnert sich an einem tödlichen Unfall 2006: „Ein Auto prallte seitlich gegen einen Baum. Ich war der Erste am Unfallort, aber der Mann war bereits tot.“ Wenig später kam ein Auto auf der B 170 ins Schleudern und hat einen jungen Mann in der Bushaltestelle erfasst. Er überlebte den Unfall schwer verletzt.

Viele Naundorfer sind sich einig, dass etwas geschehen muss, um die Sicherheit an der B 170 zu verbessern. Das fordert auch der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft. „Wir müssen abwarten, was die Untersuchungen zu dem aktuellen Unfall bringen, aber dann muss etwas geschehen“, sagt der Vorsitzende.