merken
PLUS Döbeln

Naunhofer haben von Gestank die Nase voll

Seit Inbetriebnahme der Kläranlage 2016 stinkt es im Umfeld. Jetzt fühlen sich aber nicht nur die unmittelbaren Nachbarn belästigt.

Rocco Tepasse aus Naunhof hat die Nase voll. Seit die neue Kläranlage 2016 direkt vor seinem Haus in Betrieb ist, stinkt es.
Rocco Tepasse aus Naunhof hat die Nase voll. Seit die neue Kläranlage 2016 direkt vor seinem Haus in Betrieb ist, stinkt es. © Dietmar Thomas

Leisnig. Bei der derzeitigen Hitze in den Abendstunden mal richtig durchzulüften oder nachts das Fenster offenzulassen – daran ist bei Familie Tepasse im Leisniger Ortsteil Naunhof nicht zu denken.

Sie wohnt nur wenige Meter von der im Sommer 2016 neu gebauten Ortskläranlage entfernt. Seit der Inbetriebnahme muss sie – je nach Windrichtung – mit unterschiedlich starken Geruchsbelästigungen leben. „Das ganze Jahr über, auch im Winter“, sagt Rocco Tepasse. 

Anzeige
Kompakt, regional und sicher
Kompakt, regional und sicher

Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

Davon haben er und mittlerweile auch etwas weiter weg wohnende Nachbarn die Nase voll. Denn: „Jeder weiß, dass das nicht in Ordnung ist, aber nichts passiert, um das zu ändern“, schimpft der 45-Jährige.

Überall beschwert

Er ist in den vergangenen Jahren mehrfach bei Vertretern des früheren Abwasserzweckverbandes Leisnig gewesen, steht mit dem heutigen Betriebsführer in Kontakt und mit Mitarbeitern des Landratsamtes. Das bestätigt Behördensprecherin Cornelia Kluge. Zuletzt seien Vertreter der Wasserbehörde und des Bereiches Immissionsschutz 2019 vor Ort gewesen.

„Nach der behördlichen Prüfung sind wahrscheinlich die Verweilzeit des Abwassers und die damit verbundene Fäulnis die Ursache für die Gerüche“, so Cornelia Kluge. „Insoweit wurde behördlicher Handlungsbedarf festgestellt.“

Zusätzlicher Filter hat nichts gebracht

Daraufhin sei auch etwas passiert und ein Aktivkohlefilter nachgerüstet worden. Weitere Umbauten sollten die Durchlaufzeiten verkürzen und damit die Geruchsbildung durch den Klärschlamm reduzieren. 

„Leider konnte dadurch keine wesentliche Verbesserung erreicht werden“, so die Sprecherin des Landratsamtes. Weitere technische Möglichkeiten würden gegenwärtig mit dem Betreiber erörtert.

Thomas Schröder ist dieses Problem seit Januar 2020 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurde er als Leiter des seit 2019 bestehenden Eigenbetriebes Abwasserentsorgung der Stadt Leisnig eingesetzt. „Im März bin ich vor Ort gewesen“, sagte er auf Anfrage von Sächsische.de.

 Aktueller Stand sei, dass in der kommenden Woche ein Belüftungsteller eingebaut werden soll. Dessen Aufgabe sei, den Gärungsprozess zu effektivieren. „Wir hoffen, dass es dann weniger stinkt“, so Schröder. Zu 100 Prozent sei eine Geruchsbelästigung aber nicht auszuschließen.

Wie der Betriebsleiter sagt, seien die Probleme nicht unbedingt orts-, sondern eher anlagentypisch. Der Hersteller habe sich deshalb in die Überlegungen eingebracht. 

Dasselbe Problem in Schönerstädt

Auch im Harthaer Ortsteil Schönerstädt gab es mit der neuen Ortskläranlage Ärger. Dort beschwerten sich die Nachbarn ebenfalls über Gestank, wie die Geschäftsführerin des AZV „Untere Zschopau“ Ina Wagner auf Anfrage bestätigte.

 Daraufhin sei im Vorjahr ein Bauteil gewechselt worden. Seitdem funktioniere die Anlage zwar nichts geruchsfrei, „aber es riecht weniger“, so Ina Wagner.

Dieses Ergebnis würde auch die Naunhofer freuen. Möglicherweise laden sie dann zu Feiern wieder auf ihr Grundstück ein. Für die Schulanfangsfeier „wandern“ Tepasses noch aus. Den derzeitigen Gestank muten sie ihren Gästen nicht zu.

Mehr aktuelle Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln