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Meißen

Naustadt und keine Ende

Der Streit um den Bau von zwei Wohnhäusern flammte jüngst im Technischen Ausschuss der Gemeinde wieder auf.

Gegenüber den beiden Gebäuden am linken Bildrand sollen zwei Wohnhäuser auf dem Acker gebaut werden. Gegner des Vorhabens sehen das Dorfbild dadurch gefährdet.
Gegenüber den beiden Gebäuden am linken Bildrand sollen zwei Wohnhäuser auf dem Acker gebaut werden. Gegner des Vorhabens sehen das Dorfbild dadurch gefährdet. ©  Claudia Hübschmann

Klipphausen. Dass jemals länger und intensiver über den möglichen Bau von zwei Wohnhäusern diskutiert worden ist – daran kann sich niemand in der Gemeinde Klipphausen mit ihren gut 10.000 Einwohnern und 43 Ortsteilen erinnern. In einem von ihnen, am südöstlichen Ausgang des Ortsteils Naustadt, an der Pegenauer Straße, sollen möglicherweise die beiden Wohnhäuser gebaut werden.

Dagegen hatte sich in der Vergangenheit massiver Widerstand geregt. So wandten sich 186 Naustädter Bürger in einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung gegen das Vorhaben. Ihre Befürchtung: Es werde ein Präzedenzfall für die Zersiedlung ihres Ortes, der als eines der schönsten Dörfer Sachsen gekürt worden ist, geschaffen.

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Kosten für Regenwasserableitung

Nachdem das Thema in diversen Gemeinderats- und Ausschusssitzungen behandelt worden war, stand es jüngst im Technischen Ausschuss des Gemeinderates wiederum auf der Tagesordnung. Die Gemeindeverwaltung informierte darüber, dass es am 14. August ein Gespräch beim Landratsamt zum Thema gegeben habe. 

Danach solle ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. In diesem Zuge wäre auch die Erschließung des Geländes zu klären, wofür mit dem Eigentümer des Areals, Thomas Siegl aus Ullendorf, ein Erschließungsvertrag abgeschlossen werden müsste. Konkret heißt das, dass er als Eigentümer die Erschließungskosten übernehmen müsste.

Und hier liegt eine Unwägbarkeit. Weil das strittige Flurstück 278 nicht bei der im Jahr 2004 erfolgten Berechnung der Regenwassersituation für Naustadt einbezogen worden war, bedeutet das, dass „jede weitere Versieglung die Situation der Niederschlagsentwässerung in Naustadt verschärft und gegebenenfalls eine Neuberechnung nötig macht“. Grundsätzlich wäre es möglich, eine Regenwasserrückhaltung für das zu bebauende Grundstück zu bauen. „Zur Klärung wäre ein hydrologisches Gutachten nötig.“

Das alles zusammen würde beträchtliche Kosten bedeuten. Deshalb formulierte die Gemeindeverwaltung: „Der Technische Ausschuss schlägt dem Gemeinderat vor, die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nur dann zu beschließen, wenn die Kostenübernahme für die Erschließung und Planerstellung durch einen Investor oder Erschließungsträger gesichert ist.“

Auf Nachfrage bei Thomas Siegl erklärte dieser: „Zur objektiven Begründung Denkmalschutz und Niederschlag wäre ich nach den unsachlichen Vorwürfen bereit, Gutachten für den Satzungsbereich in Auftrag zu geben.“ Ihm sei daran gelegen, dass es in Naustadt nicht zu stärkeren Überformungen durch sein Vorhaben komme, als dies mit den in den vergangenen zwei Jahren genehmigten Bauten im Ort geschehen sei. Diese seien ohne Bedenken der Bürger und Behörden genehmigt worden.

Wie aufgeladen die Stimmung zum Thema Wohnbebauung in Naustadt ist, zeigte sich daran, dass Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) dem neu für die Grünen in den Gemeinderat gewählten Manfried Eisbein, der auch Mitglied im Technischen Ausschuss ist, vorwarf, zu lügen. Der Bürgermeister bezog sich darauf, dass alle Unterlagen zum geplanten Bau der beiden Wohnhäuser in Naustadt mehrfach öffentlich ausgelegen hätten und jeder Bürger deshalb auch das Recht gehabt hätte, sich dazu zu äußern und Widerspruch anzumelden. Das sei allerdings nicht geschehen.