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Neißeaue will Zodler Schule zurück

Dazu kündigt die Gemeinde die Vereinbarung mit Görlitz. Der Gemeinderat soll Donnerstag darüber entscheiden. Die Bedenken sind groß.

Die Grundschule "Traugot Gerber" in Zodel soll wieder in die Trägerschaft der Gemeinde. Das sorgt für Diskussionen.
Die Grundschule "Traugot Gerber" in Zodel soll wieder in die Trägerschaft der Gemeinde. Das sorgt für Diskussionen. © André Schulze

Es ist nur ein kurzer Vermerk, der als Tagesordnungspunkt 3.5. auf der Einladung zur Gemeinderatssitzung am Donnerstag steht: "Kündigung der Zweckvereinbarung - Schulträgerschaft mit der Stadt Görlitz zum 31. Juli 2020". Doch seit der Aushang in den Schaukästen hängt, beschäftigt nicht nur die Zodler die Frage: Was wird aus unserer Grundschule, wenn die Gemeinde wieder der Schulträger ist? Die SZ fasst die verschiedenen Positionen zusammen.   

Für die Gemeinde ist der Standort sicher

Für Bürgermeisterin Evelin Bergmann ist das der richtige Schritt, um die Grundschule wieder in die Gemeinde zu holen und zu erhalten. Zwar gehört der Gemeinde das Schulgebäude, aber sie ist nicht die Trägerin der Schule. Das soll sich nach dem Willen der Bürgermeisterin zum 1. August - und praktisch zum neuen Schuljahr - ändern. Für sie ist die Schule wieder in einem sicheren Fahrwasser. Das neue sächsische Schulgesetz sieht Schulen im ländlichen Raum als notwendig an. Die Zeiten von "unter Beobachtung" sind damit vorbei.  

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Laut Frau Bergmann hat sie Gespräche mit der Stadt Görlitz bereits geführt zwecks Rücknahme der Schulträgerschaft. Nach ihren Worten soll die Stadt Görlitz auch dazu bereit sein. Voraussetzung ist, dass die 2011 abgeschlossene Schulzweckvereinbarung gekündigt wird. Von Seiten Neißeaue muss das der Gemeinderat per Beschluss wollen. Die Vorlage dazu liegt am Donnerstag auf dem Tisch.

Stadt Görlitz wartet Ratsentscheidung ab

Die Stadt Görlitz will sich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht öffentlich äußern. "Zunächst muss die Entscheidung des Gemeinderates abgewartet werden", sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Abhängig von diesem Ergebnis will die Stadtverwaltung weitere Gremien einbeziehen. Bis zum Abschluss des Verfahrens, so Frau Otto, gilt weiterhin die geschlossene Kooperationsvereinbarung. Im Technischen Ausschuss der Stadt kam am Mittwoch die Frage zum Verbleib der Grundschule Zodel. Bürgermeister Michael Wieler sagte, dass die Stadt dem Anliegen von Neißeaue offen gegenüber steht. 

Die noch unter Bürgermeister Ewald Ernst vorangetriebene Zweckvereinbarung sollte den Bestand der Zodler Schule schützen. Das hatte zur Folge, dass die Grundschule Zodel in den Schulbezirk Görlitz eingegliedert wurde, faktisch seit neun Jahren eine Görlitzer Schule ist. Das ermöglichte vor allem den Ludwigsdorfer und Ober Neundorfer Kindern, unkompliziert sich in Zodel unterrichten zu lassen. Diese zusätzlichen Schüler sichern bis heute den Fortbestand der früheren Oberschule. Denn mit den Kindern allein aus Neißeaue wird die minimale Klassenstärke von 15 Schülern nicht in jedem Jahrgang erreicht.

Das Kultusministerium plädierte ebenfalls für diese Variante. Als oberste sächsische Schulbehörde hatte das Ministerium 2011 eine Einschulung von Erstklässlern in Zodel abgelehnt, weil die Schülerzahl nur zwölf betrug. Aufgabe des Schulträgers ist es, nicht nur für gute Lernbedingungen zu sorgen, sondern auch, dass die vorgegebenen Klassenstärken erreicht werden.  

Vereinbarung schon einmal auf der Kippe

Diese Pflicht zur Schulauslastung führte 2013 dazu, dass die Stadt Görlitz diese Zweckvereinbarung zum 1. August kippen wollte. Zodel sollte also Weinhübel geopfert werden, um die Grundschule in dem südlichen Stadtteil zu sichern. Bürgermeister Michael Wieler berief sich damals mit der Kündigung des Vertrages darauf, dass eine Geschäftsgrundlage weggebrochen ist: die künftige Eingemeindung von Neißeaue nach Görlitz. Sie ist der Pferdefuß in dem Vertragsabschluss zwei Jahre zuvor gewesen. Aber das sächsische Innenministerium legte sein Veto zur Eingemeindung ein. 

Zudem wurde der Stadt Görlitz die Kündigung verwehrt. Bereits damals sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums: "Die Grundschule Zodel ist erst dann ein gefährdeter Schulstandort, wenn der Landkreis die Auflösung der Zweckvereinbarung genehmigt." Das würde jetzt der Fall sein. Denn mit der Kündigung der Vereinbarung fällt Zodel aus dem Schulbezirk Görlitz heraus. Neißeaue wäre fortan ein eigener Schulbezirk - so wie vor 2011 - oder müsste sich mit anderen Gemeinden zusammen tun.

Bleibt die Frage, ob dann die Ludwigsdorfer und Ober Neundorfer Schüler noch nach Zodel fahren dürfen, so wie sie wollen. Denn sie sind angehalten, in die Grundschulen in ihrem Schulbezirk, also in Görlitz,  zu gehen. Ansonsten müsste die Stadt Görlitz Ausnahmegenehmigungen erteilen. Die Stadtverwaltung geht aber davon aus, so Wieler am Mittwoch, dass Kinder aus Ludwigsdorf und Ober Neundorf weiterhin in Zodel zur Schule gehen können. 

Lehrer sind verunsichert

Die Lehrerschaft in der Grundschule Zodel ist "besorgt und verunsichert", wie ein Pädagoge sich gegenüber der SZ äußert. Schulleiterin Daniela Ritzmann ergänzt, dass  sie nur über den Aushang zur Gemeinderatssitzung erfahren hat, dass die Gemeinde die Schulträgerschaft wieder übernehmen will. Besorgt ist das Kollegium vor allem, weil dieser Wechsel bereits am Donnerstag beschlossen werden soll. "Mit uns hat bisher keiner darüber gesprochen", so die Schulleiterin. 

Als keine gute Entscheidung findet Margret Bohlmann die Übernahme der Schulträgerschaft. Die langjährige und jetzt in Rente befindliche Schulleiterin bezweifelt, ob Neißeaue das Geld dafür hat, selbst wieder eine Schule zu führen. Auch wenn Schulträger staatliche Gelder dafür erhalten. "Zu meiner Zeit habe ich mit der Stadt Görlitz durchweg gute Erfahrungen gemacht. Was für das Lernen in Zodel gebraucht wurde, hat Görlitz besorgt. Ganz gleich ob Schulbücher, Lehrmittel oder Gegenstände und Möbel für die Raumausgestaltung", sagt die Zodlerin.   

Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 18.30 Uhr, im Ortschaftszentrum Zodel.

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