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Neißstraße erhält niedrige Bordsteine

Die Anwohner setzen sich gegen die alte Idee der Verwaltung durch. Allerdings verschiebt sich der Baubeginn.

Von Ingo Kramer

Zwei Stufen muss Eberhard Koch momentan meistern, wenn er von der Neißstraße ins anliegende Restaurant Jacobi’s Färbe gelangen will. Aus eigener Kraft schafft der 70-jährige Rollstuhlfahrer das nicht. „Künftig aber wird der Bordstein als erste Hürde voraussichtlich wegfallen“, erklärt Baubürgermeister Michael Wieler. Dann bliebe nur noch die Stufe zwischen Fußweg und Haus zu überbrücken – vielleicht mit einer kleinen Rampe, die das Restaurant für den Bedarfsfall vorrätig hat.

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Michael Wieler Baubürgermeister
Michael Wieler Baubürgermeister

Nach Aussage von Wieler haben sich die Anwohner bei den Plänen für den Ausbau der Neißstraße gegen den zehn Jahre alten Vorschlag der Verwaltung durchgesetzt. Das Rathaus hatte eine Beibehaltung der jetzigen Bordsteinhöhe geplant. „Dann wäre die Verkehrsführung klarer gewesen, denn einen Zehn-Zentimeter-Bordstein merkt man, wenn man drüberfährt“, so Wieler. Bei einer Anwohnerversammlung im Januar aber sprach sich die große Mehrheit für die barrierefreie Variante mit nur drei Zentimeter hohen Borden aus. Das entspricht exakt der Platzgestaltung am Untermarkt und ist auch für Rollstuhlfahrer kein Problem. Nach Aussage von Wieler haben sich beispielsweise auch Stadtführer für diese Variante ausgesprochen, weil sie bei Führungen praktikabler ist.

Jens Bliemel, Besitzer des Eckhauses, in dem Jacobi’s Färbe untergebracht ist, hätte sich sogar eine Variante völlig ohne Bordsteine gewünscht – analog zur Brüderstraße. „Mir wurde aber in der Versammlung erklärt, dass das baulich schwierig wäre, weil sich die Mittelrinne mit der Zeit rausschieben würde, wenn die Gefällestraße von Lkw genutzt wird.“ Bliemel hat sich im Nachhinein bei zwei unterschiedlichen Fachleuten erkundigt. „Beide haben mir bestätigt, dass das stimmt“, sagt er.

Deshalb hat auch er sich von der Variante ganz ohne Bord verabschiedet und stimmt nun wie die meisten Anwohner für die Drei-Zentimeter-Variante. „Wir als Verwaltung können da ebenfalls mitgehen“, erklärt Wieler. Erfahrungen aus anderen Städten hätten keine Probleme mit bordlosen Altstadtstraßen zutage gebracht. Inzwischen hätten die Stadträte im Technischen Ausschuss das Thema auch schon vordiskutiert – und ebenfalls vorgeschlagen, der Variante der Anwohner zu folgen und nicht dem Vorschlag der Verwaltung.

Allerdings muss das Ganze noch vom Denkmalschutz bestätigt werden. Doch auch hier ist Wieler zuversichtlich: „Die informelle Zustimmung der sächsischen Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack haben wir kürzlich bekommen.“ Er glaubt, dass damit auch eine schriftliche Zustimmung kein Problem sein dürfte: „Die denkmalschutzrechtliche Genehmigung beantragen wir jetzt.“ Hausbesitzer Bliemel ist bei Denkmalschützern stets skeptisch: „Dass der Drei-Zentimeter-Bord genehmigt wird, glaube ich erst, wenn ich es schriftlich sehe.“ Sollte es am Ende klappen, wäre er zufrieden. Zudem habe die Verwaltung weitere Details genannt, denen er zustimmt: So sollen die sechs Parkplätze in der unteren Neißstraße wegfallen und dafür die Gehwegbreite verdoppelt werden.

Eine Nachbarin von schräg gegenüber hat bei dieser Variante aber die Sorge, dass starker Regen bei niedrigen Borden Schäden an ihrem Haus verursachen könnte. Dazu kann Wieler momentan noch nicht viel sagen: „Diese Frage muss bei der Detailplanung unbedingt betrachtet werden.“

Der ursprüngliche Zeitplan ist nun allerdings hinfällig. Noch im Dezember hatte Amtsleiter Torsten Tschage erklärt, dass er mit dem Bau gern im Mai beginnen würde. „Das ist nicht mehr zu schaffen, aber die Abstimmungen waren gut und wichtig“, sagt Wieler. So sei es gelungen, eine Mehrheit für eine Lösung zu bekommen. Nun soll im April nicht nur der Denkmal-Antrag gestellt, sondern auch der Baubeschluss für den Technischen Ausschuss vorbereitet werden. Im Anschluss daran oder auch parallel dazu wird die Ausführungsplanung fertiggestellt und die Ausschreibung vorbereitet. Wann letztlich gebaut wird, kann die Stadt aber momentan noch nicht abschätzen. „Zum Altstadtfest Ende August wird die Neißstraße jedenfalls noch keine Baustelle sein“, sagt Stadtsprecherin Ina Rueth. Momentan sieht die Stadt zwei Wege: Entweder werden ab September noch die Abwasserrohre gewechselt und alles Weitere passiert im nächsten Jahr – oder die Gesamtbaustelle startet erst 2015. Die Anwohner sollen rechtzeitig informiert werden, wenn der weitere Ablauf klar ist.