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Nerviger Eisenbahn-Übergang soll verschwinden

Der Stadtrat hat die Bauplanung für die Schiffsmühlen-Brücke beschlossen. Nicht alle wollen die neue Überführung haben.

Von Ines Scholze-Luft

Die Straße mit dem sperrigen Namen Nach der Schiffsmühle ist schon für manchen Autofahrer zur Falle geworden. Im schlechtesten Fall sitzt er hier mehrmals fest zwischen den drei beschrankten Bahnübergängen. Keine gute Voraussetzung für eine zügige Verbindung zwischen der Meißner Straße als Hauptverkehrsader und dem größten Radebeuler Gewerbegebiet in Naundorf mit Planeta, Ellerhold, Thyssen-Krupp. Richtig deutlich wurde das mit der Flut 2002, als elbnahe Strecken blockiert waren. Deshalb wuchs der Wunsch nach einer hochwassersicheren, schrankenlosen Verbindung. Ein Tunnel kam dem Straßenbauamt zufolge nicht infrage. Zu teuer, sagt Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller. Eine Brücke dagegen schien finanziell vertretbar. Damit konnte sich auch der Radebeuler Stadtrat anfreunden. Und fasste 2007 den Beschluss zum Bau.

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Vorhaben kostet die Stadt nochetwa 860 000 Euro

Mit dem derzeitigen Ausbau der Bahnstrecke Dresden-Leipzig rückt die Brücke näher. Denn nur in diesem Zeitfenster lässt sie sich realisieren, hieß es gestern Abend im Radebeuler Stadtrat. Der musste über die planerische Baugrundlage entscheiden. Damit bald das Planfeststellungsverfahren folgen kann. In der Fraktionsrunde gab es fast nur Zustimmung. Einige Stadträte erinnerten sich an ihre eigenen Wartezeiten zwischen den Schranken. Die meisten zeigten sich erfreut, dass der Beschluss zum Ende der Legislaturperiode endlich vorliegt. „Die Kommune muss die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen“, sagte Frank Sparbert (FDP).

Doch wie in den letzten Jahren gab es nicht nur Zustimmung zu dem Vorhaben. Gabriele Schirmer (Bürgerforum/Grüne): „Wir bleiben bei unserer Ablehnung.“ Sie hält die kostenintensive Trasse für nicht notwendig. Und befürchtet unter anderem mehr Verkehr für Zitzschewig und Lindenau. Außerdem fehlt ihr der Nachweis, wie sich der Lärm durch die Brücke auf die umliegenden Wohngebiete auswirkt.

Insgesamt aber fand der Neubau-Plan breite Zustimmung, wurde mit 20 Ja-Stimmen, zweimal Nein und einer Enthaltung angenommen. Und damit auch der Vorschlag, dass das Unternehmen DB Projektbau GmbH die weitere Planung und den Bau übernimmt. Im Auftrag der Stadt.

6,1 Millionen Euro wird das Vorhaben kosten. Getragen zu je einem Drittel von Bund, Deutscher Bahn und Stadt. Wobei der städtische Part bis zu 75 Prozent förderfähig ist. Nach bisherigen Berechnungen kommen auf die Stadt Kosten von etwa 860 000 Euro zu, sagt der Baubürgermeister. Diese Summe findet sich bereits im aktuellen Radebeuler Haushalt. Coswig wird sich auch beteiligen. Das hat der Stadtrat dort 2007 beschlossen. Dabei geht es um maximal 150 000 Euro, die beim Radebeuler Eigenanteil von 860 000 Euro dabei sind.

Radebeul hat die notwendigen Grundstücke erworben

Dem gestrigen Beschluss liegt eine umfangreiche Vorarbeit zugrunde. Seit 2004 sind 150 000 Euro in die Planung gesteckt worden. Der Kauf der für den Bau nötigen Grundstücke, insgesamt 55 000 Quadratmeter, kostete wesentlich mehr. Etwa 915 000 Euro stehen hier zu Buche – bestätigt durch Stadtratsbeschluss.

Baubeginn an der Stadtgrenze sollin zwei Jahren sein

Neben den Finanzen sind weitere Eckpunkte klar. So wird die Einmündung der Straße Nach der Schiffsmühle auf die Meißner Straße in westliche Richtung verschoben. Und mit der Zufahrt zu Megadrome und West-Hotel sowie mit der Einfahrt zur Lößnitzstraße zusammengefasst. Angelegt wird diese Kreuzung als kleiner Kreisverkehr, Durchmesser 35 Meter. An einen Gehweg und zwei Radfahrstreifen auf der 500 Meter langen Straße ist schon gedacht.

Eine Frage aber bleibt vorerst offen. Wird die künftige Staatsstraße S 84n genau dort auf die Friedrich-List-Straße treffen, wo die Schiffsmühlenstraße ankommt? Radebeul wünscht sich den nahtlosen Übergang. Die Bauzeit für die Schiffsmühlenbrücke dagegen steht fest: 2016/17.