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Neschwitzer unterstützen Flüchtlinge

Eine kleine Gruppe will für die 25 Asylbewerber in Holscha Angebote schaffen. Sie hofft auf Hilfe von weiteren Mitstreitern.

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© Christian Essler

Von Kerstin Fiedler

Es war ein toller Erfolg, das erste Treffen des Freundeskreises Asyl mit den Bewohnern des Motels in Holscha. Etwa 25 Männer, Frauen und ein Kind leben dort. Es sind Asylbewerber aus Albanien, Syrien und Pakistan. Viele von ihnen folgten der Einladung ins Pfarrhaus zu Kaffee und Kuchen. Das ermutigt die kleine Gruppe von Neschwitzern, die den Asylbewerbern das Leben gern etwas einfacher machen und die Chance auf Integration geben möchten.

Nun traf sich der Freundeskreis, um über erste Erfahrungen und neue Vorhaben zu sprechen. So brachte Katharina Elle selbstgestaltete Werbezettel mit, auf der Angebote zum Tischtennisspielen und zu einer Schlossführung stehen. Wer mitmachen will, kann sich eintragen. „Die drei Khaleds sind bei beiden dabei“, sagt Katharina Elle. Sie weiß, dass es wichtig ist, den Bewohnern aus Holscha die deutsche Sprache beizubringen. Zum Glück kommen auch nach Holscha ehrenamtliche Deutschlehrer.

Ein Heft und ein Stift für jeden

Zum Beispiel Kerstin Brauer, die Lehrerin am Melanchthon-Gymnasium ist. Ihre Tochter war es, die den Anstoß für den Freundeskreis gab. „Ihr hatte man erzählt, sie solle vorsichtig sein, da sind Ausländer in Holscha“, erzählt Kerstin Brauer. Und erinnert sich, wie sie auf ihre Tochter wartete, die mit dem Fahrrad schon vor zwei Stunden bei der Oma weggefahren war. Sie wurde jedoch nicht weggefangen, sondern hat sich mit den neuen Bewohnern in Holscha unterhalten. Da entstand die Idee, etwas zu unternehmen. Zunächst einmal kauften sie für jeden Bewohner ein Heft und einen Stift und fragten, ob sie vor Weihnachten anfangen wollten, deutsch zu lernen. Schnell fanden sich Mitstreiter, so unter anderem auch Pfarrerin Susanne Aechtner. Auch, wenn nur ein Christ unter den Asylbewerbern ist, hilft sie aus Menschlichkeit. Deshalb fand die erste Zusammenkunft auch im Pfarrhaus statt – und niemand hatte Berührungsängste. Familie Sedlmeir und Familie Hobrack sind dabei. Auch Birgit Schmaler ist ganz begeistert von den Menschen, die zwischen knapp 20 und Mitte 50 sind. „Die jungen Männer würden gern einen Jugendtreff besuchen, aber den gibt es leider in Neschwitz nicht“, sagt Katharina Elle. Und so wird momentan nach Möglichkeiten gesucht, wo sich vor allem die jüngeren Asylbewerber sportlich betätigen können. Fußball wäre eine gute Idee, dachten sich die Freundeskreis-Mitglieder, oder eben Tischtennis. Demnächst sollen Gespräche in diese Richtung erfolgen. „Die jungen Männer würden ja auch nach Bautzen oder in andere Orte fahren“, weiß Katharina Elle.

Ein Kita-Platz für Alexia

Einen Erfolg konnte der Freundeskreis jetzt schon verbuchen. Ab Dienstag geht die kleine Alexia aus Albanien in die Kita in Neschwitz zur Eingewöhnung. Der kleine Wirbelwind war ganz traurig, als er nach einem ersten Besuch wieder nach Holscha sollte. Alexia wird im August drei Jahre alt und wickelt alle Bewohner des Motels und auch die Neschwitzer mit ihrer goldigen Art um den Finger. „Es ist ja eine Frage der Zeit, wie lange die Familie bleiben kann. Derzeit läuft die Aufenthaltsgenehmigung bis Mai“, weiß Kerstin Brauer.

Am meisten Mühe beim Deutschlernen gibt sich ein Syrer, der in seiner Heimat Orthopäde im Praktikum war. Er würde gern arbeiten, muss dazu aber die deutsche Sprache beherrschen. Sein Ziel ist es, wieder in die Heimat zu gehen, wenn sich die Verhältnisse normalisiert haben. In Neschwitz hat er jedenfalls jetzt Helfer, die es möglich machen, den doch eher tristen Alltag in Holscha zu verschönern. Demnächst will der Freundeskreis auch mal einen Spieleabend in der Unterkunft anbieten.

Kontakt über Katharina Elle, 035933 31133