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Löbau

Park-Abzocke: Wer sich wehrt, gewinnt

Weil er beim Einkauf keine Parkscheibe nutzt, soll ein Rentner 30 Euro Strafe zahlen. Der liest dem Unternehmen die Leviten.

Lutz Mey aus Jonsdorf hat sich gegen die "Vertragsstrafe" auf dem Löbauer Supermarktparkplatz gewehrt.
Lutz Mey aus Jonsdorf hat sich gegen die "Vertragsstrafe" auf dem Löbauer Supermarktparkplatz gewehrt. ©  Rafael Sampedro

Es ist ein Quell des Ärgers für manchen Kunden des Netto-Marktes an der Löbauer Breitscheidstraße. Kommen sie nach dem Einkauf zurück an ihr Auto auf dem Parkplatz, finden sie an der Windschutzscheibe einen teuren Gruß der Stuttgarter Firma "Park & Control". Die bewirtschaftet seit Mitte 2019 den Parkplatz und fordert eine "Vertragsstrafe" von 30 Euro - einfach weil der Kunde versäumt hat, eine Parkscheibe hinter die Scheibe zu legen. Abzocke, fand jetzt auch der betroffene Rentner Lutz Mey aus Jonsdorf. Er wehrte sich - mit Erfolg.

Nein, ein erfreulicher Tag war der 3. März für Lutz Mey nicht. An jenem Tag brachten er und seine Frau die erkrankte Schwägerin zu einer Untersuchung ins Krankenhaus nach Bautzen. Auf der Rückfahrt wollten die drei noch einen Einkauf erledigen und steuerten dazu den Parkplatz des Netto-Marktes in der Breitscheidstraße an. Zunächst jedoch gingen sie noch auf einen Kaffee in die gegenüberliegende Schwerdtner-Filiale. Und: Lutz Mey nutzte keine Parkscheibe.

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Schilder nicht gesehen?

"Als wir gut 15 Minuten später zum Auto zurückkehrten, waren da zwei gelbe Zettel an der Windschutzscheibe", erzählt der Rentner. Die "Zahlungsaufforderung" der Firma "Park & Control" war nur Minuten nach dem Abstellen des Fahrzeugs ausgestellt worden. "Der Mitarbeiter der Firma muss uns also schon beim Einfahren beobachtet haben", erzählt er. Die drei erledigten dann ihren Einkauf und auch im Markt befragte Mitarbeiter hätten ihnen nichts zu dem vorgeworfenen Parkverstoß sagen können. "Erst der Verkäufer des Broilerwagens vor dem Markt hat uns aufgeklärt", so Lutz Mey.

Mehrere dieser Schilder weisen auf dem Parkplatz des Netto-Marktes auf die Parkscheiben-Pflicht und die drohende Strafe hin.
Mehrere dieser Schilder weisen auf dem Parkplatz des Netto-Marktes auf die Parkscheiben-Pflicht und die drohende Strafe hin. © Markus van Appeldorn

Tatsächlich weisen mehrere große Schilder an den Zufahrten und auf dem Parkplatz selbst auf die Pflicht zur Nutzung einer Parkscheibe hin. Wer es vergisst oder ignoriert, dem drohen 30 Euro "Vertragsstrafe". Lutz Mey aber protestierte dagegen - aus mehreren Gründen. Zum einen sei das Schild an dem Tag durch jenen Broilerwagen verdeckt und daher für ihn nicht sichtbar gewesen, argumentierte er in einem Schreiben an "Park & Control".

"Abzocke gegen jede Moral"

Aber auch mit der Preispolitik der Firma ist er nicht einverstanden. Er hat im Internet recherchiert, welche Parkräume die bundesweit tätige Firma sonst noch bewirtschaftet. "Ihre Firma bietet deutschlandweit billige Parkplätze (besonders an Flughäfen) für 29 beziehungsweise 43 Euro an", schrieb er der Firma. Und auch ein amtliches Strafmandat über eine innerörtliche Geschwindigkeitsübertretung von 11 km/h koste nur 25 Euro. 

"Ihre geforderten 30 Euro entsprechen wohl eher einer Abzocke", ließ er "Park & Control" wissen und: "Die Vorgehensweise Ihres Mitarbeiters, in Lauerstellung die Kunden zu überfallen, geht eindeutig zu weit und verstößt gegen jede Moral und Anstand." Um zu belegen, dass er an diesem Tag tatsächlich Netto-Kunde war, legte Lutz Mey seinem Protestschreiben auch die Kassenbons bei.

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Lutz Meys Protest-Schreiben an "Park & Control" hatte Erfolg. Am 16. März schrieb ihm das Unternehmen: "Der Vorgang wurde bereits durch uns sorgfältig geprüft und storniert." Die Sache sei somit für ihn erledigt. Und eine Unternehmenssprecherin erklärt auf SZ-Anfrage: "Seit einiger Zeit gibt es eine Kulanzregelung. Bei nachgewiesenem Einkauf wird jeder Beschwerdefall individuell geprüft." Eine Garantie für einen Forderungsverzicht von "Park & Control" bei nicht genutzter Parkscheibe sei diese Kulanzregelung aber nicht. 

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