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Netto-Markt kann wachsen

Der Weg für ein kleines Einkaufszentrum rund um den Supermarkt an der Dietzestraße ist damit aber nicht frei, entschied der Stadtrat.

© Stadtverwaltung

Von Jens Fritzsche

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Das, was auf dem Eschebach-Areal nicht sein soll, soll natürlich auch nur hundert Meter weiter nicht möglich sein: eine Fläche, auf der sich künftig großflächig Handel ansiedeln könnte, der den Geschäften der nahen Radeberger Innenstadt gefährlich werden könnte.

So könnte jedenfalls kurz zusammengefasst werden, warum die Stadtverwaltung und jetzt auch der Stadtrat einen Wunsch der Handelskette Netto für das Areal an der Dietzestraße ablehnten – nämlich aus der Fläche rund um den Netto-Markt ein sogenanntes Sondergebiet Handel werden zu lassen. Dort wäre es dann auch – zumindest erst mal theoretisch – möglich gewesen, weitere Läden anzusiedeln, ein kleines Einkaufszentrum gleich neben der Innenstadt sozusagen. „Aber das würde unserem Handelskonzept widersprechen“, machte Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) während der jüngsten Stadtratsdebatte klar.

Handelskonzept schränkt ein

Mit besagtem Handelskonzept hatte der Stadtrat bekanntlich vor Jahren festgelegt, wo sich in Radeberg neuer Handel ansiedeln soll – und auch, wo nicht. Um für die Stadtentwicklung schädlichen Wildwuchs zu verhindern, hatte es damals geheißen. Kurz gefasst: Bis auf Supermärkte und Baumärkte ist es seither in Radeberg kaum möglich, größere Geschäfte außerhalb der Innenstadt und des Einkaufszentrums an der Badstraße anzusiedeln. Jedenfalls dann, wenn es sich um sogenannte innenstadtrelevante Angebote handelt: Unterhaltungselektronik, Textilien oder Porzellan zum Beispiel.

Das Ganze war damals wohl auch eine Reaktion auf die Ideen des Besitzers des seit Jahren leer stehenden Eschebach-Areals zwischen Bahnhof und Kreuzung Rathenau-/Dietzestraße gewesen, hier großflächigen Handel ansiedeln zu wollen. Das lehnt die Stadt bekanntlich ab, weil sie dadurch ein Ausbluten des Innenstadthandels befürchtet. Die Geschäfte entlang der nahen Hauptstraße – der Haupteinkaufsstraße der Bierstadt – hätten es dann gegen diese mögliche großflächige Konkurrenz noch schwerer als bisher schon, sich im Kampf um Kundenströme zu behaupten, so die Furcht im Radeberger Rathaus. Zudem hat die Stadt das Areal des einstigen Küchenproduzenten Eschebach auch eher als Fläche für neue Gewerbeansiedlungen im Blick.

Droht der Netto-Wegzug?

Zurück zum Netto-Standort an der Dr.-Albert-Dietze-Straße: Der Netto-Supermarkt könnte demnächst die Fläche an der Dietzestraße verlassen, hatten die Vermieter des Areals in ihrem Antrag an die Stadt befürchtet, wenn das beantragte Sondergebiet Handel nicht komme. Der Mietvertrag für das Areal laufe demnächst aus, und Netto wolle eine gut 30 Quadratmeter große Pfandflaschen-Annahme im vorderen Marktbereich anbauen, sonst werde die Handelskette den Vertrag nicht verlängern. Dafür sei aber eben besagtes Sondergebiet Handel notwendig. Die Stadt sieht das anders: Auch eine Veränderung des gültigen Bebauungsplans für den Markt lasse diese Erweiterung zu, war auch OB Lemm in der Stadtratssitzung überzeugt. „Gegen diesen Anbau hat ja niemand etwas, und wenn der für Netto wichtig ist, sollten wir dem auch zustimmen“, machte er deutlich. Und die Stadträte folgten dieser Sicht. Also darf Netto nun erweitern – und die Geschäfte in der Innenstadt brauchen keine Gefahr eines kleinen Einkaufszentrums nur wenige Hundert Meter entfernt zu fürchten.

Wann der Anbau an den Supermarkt aber nun tatsächlich startet, ist derzeit allerdings noch offen. Der Stadtrat hat mit seinem Votum Mitte vergangener Woche nun zunächst den Weg für die gewünschte Erweiterung freigemacht. Über den „Rest“ müssen nun die Eigentümer der Fläche an der Dietzestraße und die Supermarkt-Kette verhandeln, hieß es dazu.

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