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Wird hier bald für Netto gebaut? 

Auf dem Gelände des früheren Fortbildungswerkes in Bischofswerda rollen die Abrissbagger. Zur Zukunft des Areals gibt es unterschiedliche Positionen.

Für Netto darf auf diesem Gelände am Drebnitzer Weg gebaut werden. Weitere Märkte sind hier zurzeit nicht erlaubt.
Für Netto darf auf diesem Gelände am Drebnitzer Weg gebaut werden. Weitere Märkte sind hier zurzeit nicht erlaubt. © Steffen Unger

Auf der Brache zwischen der Neustädter Straße und der Süßmilchstraße in Bischofswerda  gibt es Bewegung – vor Ort, aber offenbar auch hinter den Kulissen der Stadtpolitik. Der Grundstückseigentümer, die in Weimar ansässige Saller-Gruppe, ließ Ende Februar Bäume fällen und Wildwuchs beseitigen. In dieser Woche wurde begonnen, weitere Gebäude abzureißen. Ein Indiz, dass hier bald ein neues Einkaufszentrum entstehen kann?

Für einen Lebensmittelmarkt gibt es Baurecht

So weit ist es noch nicht, stellt der Projektverantwortliche Andreas Barth auf Anfrage der SZ klar. Bei den jetzt ausgeführten Arbeiten handelte es sich zum einen um Pflegemaßnahmen auf dem Grundstück. Zum anderen werden Gebäude abgerissen, um das Baufeld für die geplante Investition frei zu machen.  Bis auf ein  Haus an der Neustädter Straße, das bereits zu einer Berufsschule umgebaut worden ist, sollen alle anderen Gebäude des ehemaligen Fortbildungswerkes  abgerissen  werden, damit auf der Fläche etwas Neues entstehen kann.  

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Die auf Handelsimmobilien spezialisierte Weimarer Gesellschaft plant auf dem Areal den Bau eines Netto-Marktes und eines Fachmarktzentrums mit Drogerie, Textil- und Schuh-Discounter sowie Sonderpostenmarkt. Während es für den Netto-Markt, der das Geschäft der selben Kette an der Belmsdorfer Straße ersetzen soll, bereits Baurecht gibt, ist das geplante Fachmarktzentrum bei den Verantwortlichen in der Stadt umstritten. Mit dem Bau des neuen Netto könnte die Saller-Gruppe sofort beginnen. Aber sie stellte das Vorhaben bisher zurück. Nur mit dem Discounter allein würde sich das Projekt wirtschaftlich nicht tragen, sagt Andreas Barth.  

Auf dem einstigen Fobi-Gelände werden weitere Häuser abgerissen. Laut Eigentümer wird das Baufeld freigemacht, um später bauen zu können. 
Auf dem einstigen Fobi-Gelände werden weitere Häuser abgerissen. Laut Eigentümer wird das Baufeld freigemacht, um später bauen zu können.  © Steffen Unger

Vorschlag: Frischemarkt für regionale Produkte

Die SZ  machte im Januar die Pläne, über die hinter verschlossenen Türen schon seit Jahren geredet wurde,  öffentlich. Mitte Februar sprachen Stadträte der gemeinsamen Fraktion von Linke und SPD mit Andreas Barth über das Vorhaben. Fraktionsvorsitzende Simone Keimel: „Wir sind daran interessiert, das Gebiet zu entwickeln. Ergänzend zu Netto stellen wir uns Angebote vor, die es in der Stadt noch nicht gibt, zum Beispiel ein Frischemarkt für Produkte aus der Region.“ Mit diesem Ansatz wolle man vermeiden, dass ein weiteres Einkaufszentrum bestehenden Geschäften, vor allem in der Innenstadt, Konkurrenz macht. Auch für weitere Nutzungsvorschläge sei man offen. Denkbar wären aus Sicht der Fraktion zum Beispiel ein kleinerer Baumarkt mit einem anderen Konzept als Hagebau oder auch altersgerechtes Wohnen.

Simone Keimel betont, man wolle das Vorhaben gemeinsam mit der Stadtverwaltung und nicht gegen sie verwirklichen. „Deshalb werden wir mit dem Oberbürgermeister sprechen, was machbar ist und wie es realisiert werden kann.“ Zugleich  möchten Stadträte von Linke und SPD den Investor auch direkt unterstützen, indem sie in den kommenden Wochen regionale Produzenten – vom Bio-Fleisch bis zu Milchprodukten – ansprechen wollen, ob ein Frischemarkt für sie interessant sein könnte.  

Einzelhandelskonzept steht weiteren Märkten entgegen

Die Stadtverwaltung lehnt das Fachmarktzentrum bisher ab. Sie beruft sich dabei auf das vom Stadtrat beschlossene Einzelhandels- und Zentrenkonzept, welches das Gebiet zwischen Neustädter Straße, Drebnitzer Weg und Süßmilchstraße nicht als zentralen Versorgungsbereich für die Stadt Bischofswerda definiert. Demzufolge ist großflächiger Einzelhandel  an dieser Stelle ausgeschlossen.

Im Stadtrat  sind die Ansichten geteilt. CDU und FDP lehnen das Fachmarktzentrum unter Verweis auf das Einzelhandelskonzept ab. Sie argumentieren vor allem  mit dem Schutz des Handels in der Innenstadt. Die AfD unterstützt die Pläne des Investors. Die Fraktion Linke/SPD spricht sich für Einzelhandel „im Einklang mit den bestehenden bzw. kommenden Strukturen der Stadt Bischofswerda" an dieser Stelle aus und fordert, das Grundstück neu bewerten. Die Wählervereinigung Bürger für Bischofswerda (BfB) ist mehrheitlich, wenngleich nicht einstimmig für das Projekt. 

Kritik an der Veränderungssperre

Neben dem Einzelhandelskonzept spricht auch eine vom Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossene Veränderungssperre dagegen, auf dem Gelände mehr als nur einen Netto-Markt zu errichten. Diese Sperre gilt zunächst für zwei Jahre, und sie kann um ein weiteres Jahr verlängert werden, wurde jetzt seitens der Stadtverwaltung auf die Frage eines Stadtrates bekräftigt. Gestellt wurde sie auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Wirtschaft von Robert Geburek, dem Fraktionsvorsitzenden von BfB. Auch er sagt, das Gebiet müsse entwickelt werden. Die Veränderungssperre blockiere das. Nun wolle er sondieren, ob die Sperre eher aufgehoben werden kann. 

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