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Neu-Mühlrose kann bebaut werden

Der Umsiedlungsstandort am Nordrand von Schleife ist fertig erschlossen. Die Übergabe soll gefeiert werden.

Ab sofort kann der Ansiedlungsstandort Neu-Mühlrose von Umsiedlern aus dem Trebendorfer Ortsteil auf 41 Bauplätzen bebaut werden.
Ab sofort kann der Ansiedlungsstandort Neu-Mühlrose von Umsiedlern aus dem Trebendorfer Ortsteil auf 41 Bauplätzen bebaut werden. © Joachim Rehle

Schleife. Am Umsiedlungsstandort Neu-Mühlrose fehlen noch die zweisprachigen Straßenschilder. Auch sind die Markierungen auf der Fahrbahn noch nicht vollständig. Darüber informierte Bauamtsleiter Steffen Seidlich am Dienstagabend im Gemeinderat Schleife. Bis auf kleine Restarbeiten sei damit die Erschließung des Standorts am Nordrand von Schleife beendet. Die Übergabe von Neu-Mühlrose will die Lausitz-Energie Bergbau AG (Leag) in der nächsten Woche feiern – zusammen mit Umsiedlern, der Nachbarschaft sowie Bürgermeistern und Gemeinderäten aus Schleife, Trebendorf und Groß Düben.

Die Mehrzahl der Mühlroser Bürger hat sich wegen der bergbaulichen Inanspruchnahme ihrer Ortschaft entschieden, bis 2024 an den Nordrand von Schleife zu ziehen. Nachdem der Gemeinderat im Mai 2019 den Bebauungsplan „Ansiedlungsstandort Mühlrose“ beschloss, wurden im Juli der erste symbolische Spatenstich vollzogen und eine Rotbuche gepflanzt. Im September begannen die Tiefbauarbeiten zur Erschließung des neuen Ortsteils. Neu-Mühlrose bietet Umsiedlern 41 Bauplätze. Zudem sollen ein Dorfgemeinschaftshaus und weitere kommunale Infrastruktur entstehen. Am Dienstag fasste der Gemeinderat Schleife weitere Beschlüsse, um seinen Neu-Bürgern den Umzug zu erleichtern.

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Damit sie überhaupt an den neuen Standort gelangen, müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür bestehen. „Wir haben uns im Mühlrose-Vertrag dazu verpflichtet, die Straßen nach ihrem Endausbau umgehend öffentlich zu widmen, dass sie von jedem befahren werden können“, erklärte Steffen Seidlich. Einstimmig wurden die drei Beschlüsse zur Widmung gefasst. Um dabei keinen Fehler zu machen, habe man sich vorab mit dem Landkreis abgestimmt, hieß es vonseiten der Gemeinde. Demnach sind von nun an die bisherige Planstraße 1 mit einer Länge von 337,75 Meter als Straße Am Damm, die 512,34 Meter lange Planstraße 2 als Jagdschlossweg sowie die Planstraße 3 mit einer Länge von 377,01 Meter als Straße Am Dorfanger für Jedermann nutzbar.

Eigenständiger Friedhof fertig

Fertig, aber noch nicht komplett beschildert ist der neue Friedhof Mühlrose. Um diesen als solchen zu benennen, sei ebenfalls eine Widmung nötig, so Hauptamtsleiterin Marion Mudra. Sie erinnerte noch einmal daran, dass in der Vorbereitung auf die Umsiedlung bei den Mühlrosern der Wunsch aufkam, „unter Nutzung der vorhandenen Strukturen der Gemeinde Schleife einen Friedhof mit eigenständigem Charakter zu erhalten“. Der Bebauungsplan „Ansiedlungsstandort Mühlrose“ sieht östlich des Schleifer Friedhofs einen Bereich vor, um dem Wunsch der Mühlroser zu entsprechen. Im September vorigen Jahres erteilte der Landkreis die Genehmigung, diesen neuen Friedhof anzulegen. Seit Juli ist er fertiggestellt. Einstimmig beschlossen die Schleifer Räte nun die Widmung als Gemeindefriedhof mit der Bezeichnung „Mühlrose“. Zum Totensonntag am 22. November tritt diese Widmung in Kraft. Von da an sind dort Beerdigungen und Bestattungen möglich.

Beendet ist ein Ideenwettbewerb zum Ersatzbau eines neuen Dorfgemeinschaftshauses am Ansiedlungsstandort. An dem Gutachterverfahren wollten vier Planungsbüros teilnehmen, eins hatte jedoch abgesagt. Der Zuschlag erging an die Architektenpartnergesellschaft Schubert und Horst in Dresden. Das Büro hat sich bereits dem Beirat Umsiedlung Mühlrose vorgestellt. Als Auftraggeber hat die Leag die weiteren Planungen veranlasst. Dabei sind auch Wünsche der Mühlroser einzubeziehen.
Zur Sprache kam in der Gemeinderatssitzung auch die bekanntgewordene Absicht von Umweltverbänden, gegen den am Montag begonnenen Abriss der ersten Häuser in Mühlrose durch die Leag klagen zu wollen (Tageblatt berichtete). Ein Bürger sieht darin nach eigener Aussage „die Gefahr, dass einige Uneinsichtige den Wünschen der demokratischen Mehrheit zuwiderhandeln und das Ganze noch stoppen“. Die Rohnerin Edith Penk erklärte in der Bürgerfragestunde, dass der schnelle Abriss der Häuser in Mühlrose eine Belastung für jeden sei, egal ob er umsiedelt oder nicht. „Das ist den Menschen nicht zuzumuten“, sagte sie mit Nachdruck.

Sensibler Umgang gefordert

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Daraufhin entgegnete Sabine Ladusch, die in der Gemeindeverwaltung mit der Bearbeitung von Bergbauthemen befasst ist: „Die Eigentümer einigen sich mit der Leag, wann und wie der Abriss passiert.“ Das seien privatrechtliche Verträge, da hätten sich Außenstehende nicht einzumischen. Sie verwies auf vollkommen Fremde, die am Wochenende in Mühlrose Bilder von Grundstücken gemacht und ins Internet gestellt hätten. „Das ist für die Betroffenen eine noch viel größere Belastung“, so Sabine Ladusch. In ihren Sprechstunden müsse sie mittlerweile „fast seelsorgerisch zu Werke gehen“. Dabei ist sie selber eine Betroffene. Sabine Ladusch mahnte einen verantwortungsvollen Umgang mit dem überaus sensiblen Thema an. „Wir sollten die Menschen in Mühlrose einfach in Ruhe lassen“, forderte sie und erhielt dafür die breite Zustimmung der Gemeinderäte.
Der Ortschaftsrat Schleife hätte die künftigen Neu-Bürger aus Mühlrose am Sonntagnachmittag gern zu seinem bereits vierten Familienfest begrüßt. Dieses hatte man jedoch wegen schlechten Wetters schweren Herzens absagen müssen.

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