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Neuanfang bei Koweg-Handballern?

Der Aderlass nach der vergangenen Saison ist groß. Es gibt Gerüchte über neue Spieler für das Görlitzer Sachsenliga-Team.

Tim Baugstatt wechselt zum LHV Hoyerswerda. Der 24-jährige Rückraumspieler erzielte in der vergangenen Saison 59 Tore, alle aus dem Feld.
Tim Baugstatt wechselt zum LHV Hoyerswerda. Der 24-jährige Rückraumspieler erzielte in der vergangenen Saison 59 Tore, alle aus dem Feld. © Hans-Ernst Friedrich

Das Gefühl beim erzwungenen Corona-bedingten vorzeitigen Saisonende der Koweg-Handballer im März war schon mulmig, obwohl es an der sportlichen Leistung nichts zu kritisieren gab. Die Görlitzer Handballer hatten anders als ein Jahr zuvor zwar keine realistische Meisterchance mehr, waren mit 26:8 Punkten aber klar auf Kurs Vizemeisterschaft hinter dem übermächtigen HC Glauchau/Meerane.

Dass es hinter den Kulissen aber mächtig brodelte, war allerspätestens mit der Bekanntgabe des Endes der Trainertätigkeit von Philipp Domko und vor allem mit der in der Sächsischen Zeitung öffentlich gemachten Begründung offensichtlich. Der von allen Seiten in höchsten Tönen gelobte junge Trainer (31 Jahre) sagte im Dezember: „Die fehlende Möglichkeit des Aufstiegs ist der absolut ausschlaggebende Punkt. Weil es mir ja auch vor meiner Verpflichtung ganz anders verkauft worden ist. Damals war das ganz klare Ziel, binnen zwei, drei Jahren in die Oberliga aufzusteigen. Das hat sich aus meiner persönlichen Sicht als nicht realistisch erwiesen, und ganz klar nicht aus sportlichen Gründen. Der Verein ist aus meiner Sicht strukturell und finanziell nicht auf einen Aufstieg eingestellt – leider.“ Tatsächlich hatte Koweg vor dem entscheidenden Spiel der Vorsaison aber eben auch in der zu Ende gegangenen Saison bekanntgegeben, auch im Fall einer Meisterschaft nicht in die Oberliga aufzusteigen.

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Drei Eckpfeiler gehen nach Hoyerswerda

Wie die ambitionierten Spieler mit dieser Situation und zusätzlich dem Weggang des Trainers zurück nach Rietschen umgehen würden, das verursachte das mulmige Gefühl im März. Und leider scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten. Patrick Michel, Tim Baugstatt und Gary Biele wechseln zum Ligakonkurrenten LHV Hoyerswerda, der früher bereits Oberliga gespielt hatte und mit einer jungen Truppe einen neuen Angriff zu wagen scheint. Diese drei Spieler aus dem eh schon schmalen Kader der Koweg-Männer (zu Saisonbeginn 2019/20 zwei Torhüter und zwölf Feldspieler) sind nicht irgendwelche, sondern sie sind das Gerüst des Teams, zwei (eigentlich) unverzichtbare Rückraumspieler und ein Kreisläufer, zugleich echte „Kante“ in der Abwehr. Alle Mitte 20, echte Görlitzer und damit die Zukunft des Vereins. Die drei allein waren in der vergangenen Saison im Schnitt für 13 Tore pro Spiel gut, von durchschnittlich 29 geworfenen für Koweg.

Der Wechsel dieser drei Spieler wurde auf der Homepage des LHV schon lange bekanntgegeben. Mit welchem Enthusiasmus sie sich dort für ihren neuen Verein äußern, dürfte den Görlitzer Anhängern wehtun. Aber ihre neue sportliche Herausforderung, vielleicht mit diesem Verein den Aufstieg in die Oberliga zu schaffen, erscheint nachvollziehbar.

Damit aber noch nicht genug. Der knapp 22-jährige Karl Bundtke wechselt nach einem Jahr zurück zu seinem Heimatverein OHC Bernstadt. Das gibt der OHC bekannt. Dazu gibt es Gerüchte um den Abwehrrecken Kai Vogt und Klassetorwart Erik Michel, nach denen es fraglich ist, ob sie auch in der neuen Saison für die Sachsenliga-Mannschaft von Koweg Görlitz zur Verfügung stehen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würden nur ein Torwart und sieben Feldspieler im Kader des Vize-Sachsenmeisters verbleiben, bei weitem zu wenig, um in die neue Saison zu starten.

Bislang einziger vom Verein bekannt gegebener Neuzugang ist der Trainer. Jindřich Kulhavý, der gemeinsam mit René Palme das männliche C-Jugend-Team betreute, übernimmt die Mannschaft. Der 45-jährige Tscheche spielte selbst zwar höherklassig, seine Meriten als Trainer im Erwachsenbereich (unter anderem zu Beginn der vergangenen Saison in Neugersdorf) sind bislang aber überschaubar.

Neue Spieler aus Tschechien?

Inzwischen soll der Verein vier tschechische Spieler verpflichtet haben oder unmittelbar vor deren Verpflichtung stehen. Sollte dies stimmen, erscheint das einerseits logisch, um auch in der neuen Saison eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen zu können. Andererseits wirft das gerade bei den nach Hoyerswerda gewechselten, ambitionierten Spielern und auch beim Ex-Trainer Fragen auf. Schließlich war der mögliche sportliche Aufstieg auch wegen der finanziellen Mehrbelastung abgesagt worden. Jetzt aber, so scheint es, gehen Spieler, die wohl zum Nulltarif gespielt hatten, und es sollen welche kommen, die sicher nicht wenig Geld kosten.

Koweg Görlitz wollte sich auf Anfrage zum aktuellen Stand zur Kaderplanung jetzt nicht äußern. Sportmanager und Abteilungsleitung hätten sich abgestimmt, dass man noch zwei bis drei Wochen benötige, um in die Öffentlichkeit zu gehen und alle Neuzugänge zu präsentieren. Bis dahin bleibt das Gefühl wohl noch mulmig.

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