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Neue Barrieren an Hoyerswerdas Bahnhof

Eine Rollstuhlfahrerin ärgert sich über zusätzliche Hindernisse.

Das neue Absperrgitter zwischen den Bahnsteigen 1 und 2 steht genau am Ende einer schiefen Ebene.
Das neue Absperrgitter zwischen den Bahnsteigen 1 und 2 steht genau am Ende einer schiefen Ebene. © Mirko Kolodziej

Dass die Bahnsteige am Hoyerswerdaer Bahnhof für Menschen mit Mobilitätsbeschränkungen nur schwer erreichbar sind. Kati Heidrich aus dem WK VII, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, macht nun darauf aufmerksam, dass zuletzt sogar noch zusätzliche Barrieren entstanden.

Das neue, große Schild zum Beispiel, das am Stellwerk darauf hinweist, für wen das dortige Tor zur ebenerdigen Querung der Gleise geöffnet wird, erschwert aus ihrer Perspektive den Sichtkontakt zum Stellwerker, wenn sie an der vor dem Tor stehenden Säule klingelt. Die Bahn sagt jedoch, nach ihrer Auffassung sei der Standort des Schildes optimal: „Da es sich um eine einfache Wechselsprechstelle handelt, ist ein Blickkontakt nicht vorgesehen.“ Kati Heidrich wendet ein, dass es durchaus vorkommt, dass das Klingelsignal im Stellwerk überhört wird. Zudem hängt das Mikrofon der Wechselsprechanlage so hoch, dass ein Rollstuhlfahrer eigentlich keine Chance hat, direkt hineinzusprechen. Ganz zu schweigen davon, dass die drei Klingelknöpfe nicht beschriftet sind und also nicht auf den ersten Blick klar ist, welchen man eigentlich betätigen muss.

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Schwierigkeiten macht nach Angaben nicht nur von Kati Heidrich auch das neue Absperrgitter am Ende der Plattform zwischen den Gleisen 1 und 2. Es soll verhindern, dass Unberechtigte auf eigene Faust den Weg zum Tor über die Gleise nehmen. Allerdings steht die Barriere, an der zum Passieren eine Kette zu lösen ist, am Ende einer geneigten Ebene. Um ein Zurückrollen während des Öffnens der Kette zu verhindern, sollten Rollstuhlfahrer ihre Feststellbremsen nutzen, empfiehlt die Bahn. Kati Heidrich sagt, schon in dem kurzen Moment, während man die Hände von den Greifreifen nehme, setze sich der Rolli in Bewegung. Von der Bahn AG heißt es denn auch, im Fall der Fälle sei eine Begleitperson erforderlich. Immerhin, wird weiter mitgeteilt, wolle man den schwergängigen Karabinerverschluss der Kette überprüfen. Kati Heidrich meint, das sei schön und gut, aber generell habe eben auch nicht jeder zwei gesunde Hände, um einen Karabiner überhaupt öffnen zu können.

Sie sagt, sie fühle sich gedemütigt und man müsse ganz klar von Diskriminierung sprechen. Sicher fehlten einigen Verantwortlichen auch Kenntnisse über mögliche Folgen von Einschränkungen: „Hierzu wäre es dringend angeraten, das Gespräch mit körperlich eingeschränkten Reisenden zu suchen.“ Allerdings hat sie die Erfahrung gemacht, dass oft nicht einmal die eigentlich vorgesehenen Hilfen über den sogenannten Mobilitätsservice funktionieren. Nach Voranmeldung sollten die Schaffner Menschen mit Handicap eigentlich zum Beispiel über die Gleise und zum Türchen am Stellwerk begleiten. Kati Heidrich sagt, darauf sei aber oft keinerlei Verlass. Die Bahn antwortet, man wolle „die zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen erneut sensibilisieren“. Daran, dass das helfen wird, hat zumindest Kati Heidrich so ihre Zweifel. Generell heißt es von der Bahn AG, im Fokus der Bemühungen stehe die ganzheitliche Barrierefreiheit des Bahnhofs – so wie ein Vertreter des Unternehmens es im November im Stadtrat erörtert habe. Als frühester Realisierungszeitpunkt angegeben wurde dabei 2023.

Aus Sicht von Kati Heidrich ist der Blickkontakt zum Stellwerker erschwert.
Aus Sicht von Kati Heidrich ist der Blickkontakt zum Stellwerker erschwert. © Mirko Kolodziej

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