merken
PLUS Dippoldiswalde

Neue Bewegung bei Lithium-Projekt

Von dieser Woche an wird wieder gebohrt in Zinnwald, dieses Mal auf tschechischer Seite.

Wer ins Schaubergwerk Zinnwald geht, gelangt tief unter der Erde an die deutsch-tschechische Grenze. Die Erzlagerstätte erstreckt sich auf beide Länder.
Wer ins Schaubergwerk Zinnwald geht, gelangt tief unter der Erde an die deutsch-tschechische Grenze. Die Erzlagerstätte erstreckt sich auf beide Länder. © Egbert Kamprath

Zwei Unternehmen sind in der Spur, um das Lithium, das im Berg unter Zinnwald liegt, zu erkunden und abzubauen. Diese Woche beginnt wieder eine neue Bohrkampagne, und zwar auf tschechischer Seite, wie die European Metals Holdings Limited mitteilte. Das Unternehmen, das australische Wurzeln hat, ist schon lange auf dem Erzgebirgskamm in Böhmisch Zinnwald (Cínovec) aktiv.

Die Lagerstätte, die Zinn und Lithium enthält, erstreckt sich auf beide Seiten des Erzgebirgskamms. Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, die in Sachsen die Erkundungs- und Bergbaulizenzen hält, schätzt seinen Vorrat auf 125.000 Tonnen Lithium. In Böhmisch Zinnwald (Cínovec) gehen Experten davon aus, dass der Vorrat doppelt so groß ist. Die Erkundung ist dort allerdings noch nicht so weit wie auf deutscher Seite.

Anzeige
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken

schaffer-mobil feiert 30. Jubiläum. Es warten Workshops, Top-Neuheiten und jede Menge Angebote. Vor allem Gebrauchte werden zum Schnäppchen.

Der tschechische Staat ist mit im Boot

Die European Metals Holding ist in Tschechien schon seit Jahren aktiv, hat zwischenzeitlich aber politische Schwierigkeiten bekommen. Der tschechische Premier Andrej Babis hat nach seinem Amtsantritt das Vorhaben kritisiert und eine tschechische Lösung für den Lithiumabbau im Erzgebirge gefordert. Diese scheint inzwischen gefunden. European Metals hat zusammen mit dem halbstaatlichen tschechischen Energieversorger CEZ die Tochterfirma Geomet s.r.o. gegründet, an der die CEZ 51 Prozent der Anteile hält. Der Geomet gehören die tschechischen Lizenzen für die Lithium-Erkundung.

Nun treibt auch European Metals Holding sein Projekt voran, geht verstärkt an die Öffentlichkeit und erkundet den Erzvorrat genauer. Das nächste Ziel sei, eine bankfähige Machbarkeitsstudie zu erstellen, teilte Geschäftsführer Keith Coughlan in einer Videobotschaft mit. Dafür dienen dann auch die Erkenntnisse, die von der neuen Bohrkampagne erwartet werden. 19 Bohrlöcher sind geplant, die insgesamt 5,5 Kilometer Bohrkerne liefern, also im Schnitt bis in 300 Meter Tiefe gehen. Vier weitere Bohrlöcher sind auf der Strecke vorgesehen, wo der Stollen zur Einfahrt in das Bergwerk geplant ist.

Die Bohrungen sollen erstens bestätigen, wie viel Erz noch im Berg liegt und zweitens Material liefern, mit dem metallurgische Untersuchungen gemacht werden können. Die neue Studie wird dann so genau, dass das Unternehmen damit auf Investorensuche gehen kann. Die Deutsche Lithium hat seit Juni 2019 eine solche Studie vorliegen, European Metals will die seine bis Ende 2021 fertigstellen.

Weiter beteiligt sich die European Metals an dem europäischen „EIT InnoEnergy“-Projekt. Dieses wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um die Herstellung von Batteriezellen in Europa zu fördern, mit der ganzen Kette von der Gewinnung der Rohstoffe über deren Verarbeitung bis hin zum Einbau der fertigen Akkumulatoren in Autos oder andere Mobilgeräte.

Zentrale Lage zwischen zwei Autoländern

Sowohl die Deutsche Lithium als auch European Metal setzen ihre Hoffnung auf die zentrale Lage von Zinnwald an der Grenze der Autoländer Deutschland und Tschechien. So hat der tschechische Industrie- und Handelsminister zu Beginn dieses Jahres bei einem Besuch in Berlin angekündigt, dass die CEZ in Nordböhmen eine Fabrik für Lithium-Batterien für Autos bauen will. Rohstoffgrundlage dafür soll das Erz aus Cínovec werden. Weitere Hoffnungen ruhen auch auf den Plänen von Tesla, bei Berlin eine Fabrik für Elektroautos zu errichten.

Die Unterstützung der Europäischen Union zielt aber nicht auf den direkten Aufbau eines Bergwerks, sondern auf die Förderung der vorbereitenden Arbeiten und die Bildung eines Netzwerks aus Firmen, die in Richtung Elektromobilität gehen. Deswegen ist das für die Deutsche Lithium keine interessante Finanzquelle. Das Unternehmen hat in seiner Machbarkeitsstudie errechnet, dass für den Aufbau eines Bergwerks in Zinnwald rund 159 Millionen Euro erforderlich wären. Derzeit laufen die Gespräche mit Investoren, um diese Summe zusammenzubringen. „Die GA-Mittel der Europäischen Union gibt es aber nicht für Bergwerke“, stellt Deutsche-Lithium-Chef Armin Müller fest. Er will aber bis Oktober die Finanzierung für sein Vorhaben auf deutscher Seite auf die Beine stellen.

Momentan ist es nur Spekulation, zu der sich auch niemand von den Beteiligten äußert. Aber aus wirtschaftlichen Überlegungen wäre es sinnvoll, den Lithium-Vorrat in Zinnwald und Cínovec in einem europäischen Projekt gemeinsam zu erschließen. Aber das liegt noch weit in der Zukunft. Erst muss dort überhaupt ein Bergwerk mit der Produktion beginnen.

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Altenberg lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde