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Neue Brücken braucht das Sebnitztal

Der traditionelle Wanderweg ist noch immer nicht begehbar. Das Geld ist da, der Auftrag vergeben. Warum wird nicht gebaut?

Von Anja Weber

Dort, wo sonst Brücken den Bach im Sebnitztal überspannten, hat sich die Natur breitgemacht. An der Buttermilchmühle liegen große Steine im Wasser. Furchtlose können dort darübersteigen, um halbwegs trockenen Fußes an das andere Ufer zu kommen. Doch offiziell ist der Wanderweg gesperrt, seit August 2010. Der Grund: das Hochwasser der Sebnitz hatte sieben Brücken mitgerissen und eine achte halb zerstört. Die wurde inzwischen repariert. Außerdem war noch eine neunte Brücke beschädigt. Die hat die Deutsche Bahn mittlerweile instand gesetzt. Doch die anderen sieben Brücken fehlen nach wie vor.

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Den Auftrag für den Wiederaufbau hatte Hohnstein im Mai 2013 vergeben, in der Hoffnung, den Touristen im Sommer wieder den idyllischen Wanderweg anbieten zu können. Ein Jahr ist inzwischen vergangen, aber im Sebnitztal dreht sich noch immer kein Rad. Vergessen ist der traditionelle Wanderweg aber noch nicht.

Hubschrauberflüge gestrichen

Das Ingenieurbüro von Torsten Quass betreut Bauarbeiten im Sebnitztal schon seit Längerem und hatte auch die Planungen für den Wiederaufbau der Wanderwegsbrücken auf dem Tisch. Und der gestaltet sich offenbar schwieriger als gedacht. Zum einen hatte die Baufirma nach dem Juni-Hochwasser 2013 erst einmal andere Aufgaben zu bewältigen. Zum anderen haben sich auf der Baustelle Unwägbarkeiten ergeben.

Die Baufirma kennt sich zwar bestens aus im Sebnitztal, weil die Mitarbeiter dort schon an den Bahnschienen gebaut haben. Das brachte es auch mit sich, dass sie so manchen Schleichweg kennen. Doch ansonsten ist das Gelände schwer zugänglich, vor allem mit der notwendigen Technik. „Ursprünglich war geplant, einige Teile per Bahn anzufahren. Doch das wäre zu teuer gewesen, weil man überall hätte Streckenposten aufstellen müssen“, sagt Planer Quass. Dazu wären auch die Abstimmungen viel zu umfangreich geworden.

Dann war geplant, einige Brückenteile per Hubschrauber einzufliegen. Eine spektakuläre Aktion. Allerdings wird die nicht stattfinden, denn für die Hubschrauberflüge ist das Gelände im Tal zu eng und der Pilot würde keinen passenden Landeplatz finden, da die Bäume das Tal überwuchern. Um den Piloten mehr Sicht zu verschaffen, hätten viele Bäume gefällt werden müssen.

Aus diesen Gründen haben Planer und Baufirma mehrmals beraten, wie das Sebnitztal nun doch noch zu seinen neuen Brücken kommen kann.

Vier Wochen reichen für Montage

Gleich nach dem Hochwasser 2010 wurden die Kosten für den Wiederaufbau geschätzt. Diese Schätzung ging damals davon aus, dass der Wiederaufbau 340 000 Euro kosten würde. „Im Zuge der gesamten Planung wurden die Kosten dann wieder neu be- und überrechnet“, sagt Torsten Quass. Letztlich lagen sie bei 438 000 Euro.

Die Baufirma hatte ihrerseits ein Angebot über 343 000 Euro abgegeben. Deshalb sei der Zuschlag auch an diese Firma erteilt worden. Und an ihr ist es nun auch, die Aufträge umzusetzen. Im Oktober letzten Jahres sei die Planung fertig gewesen, so der Planer. Die Baufirma hatte für die Brücke zwei Materialvarianten zur Auswahl, Stahl und Kunststoff. Letztlich viel die Wahl auf Kunststoff. Doch mittlerweile hat es sich als Nachteil erwiesen, dass das Material wenig erprobt ist. Deshalb mussten verschiedene Einbauvarianten durchgeplant werden. Denn in Sachsen gibt es bisher nur zwei solcher Brücken aus Kunststoff.

Der Vorteil des Materials ist sein geringes Gewicht. Die Brückenteile können einzeln transportiert und vor Ort montiert werden, erläutert der Planer. Das sei wichtig, denn ein Teil des Materials müsse sogar zu Fuß herangeschlappt werden. Auch für die Widerlager gibt es eine Extra-Methode: Sie werden auf Pfähle gestellt. Bei dieser Methode kann auch mit kleiner Technik gearbeitet werden.

Die Vorarbeiten sind laut Planer Quass so weit gediehen, dass ein Ende absehbar ist. Mündliche Zusagen für Statikprüfungen und die Baupläne lägen auch vor. Die Baupläne übrigens gebe es mittlerweile in der sechsten Fassung. Liegen die Genehmigungen schriftlich vor, könnten in spätestens drei Wochen die Widerlager montiert werden. Die einzelnen Kunststoffteile werden parallel dazu hergestellt. Im August und September könnten die Brücken innerhalb von vier Wochen montiert werden. Schnell gehen muss es jetzt, denn die Fördermittel sind nur bis zum 31. Dezember 2014 genehmigt.