merken
PLUS Dippoldiswalde

Neue Chance für Brunnendörfer

Die Förderung hat sich verbessert. Damit wird ein Wasseranschluss billiger. Etliche Dörfer stehen nun vor der Entscheidung, ob sie das wollen.

Jörg Bier steht hier in Röthenbach an seinem fast ausgetrockneten Brunnen. Ihm liegt viel an einer zentralen Wasserversorgung.
Jörg Bier steht hier in Röthenbach an seinem fast ausgetrockneten Brunnen. Ihm liegt viel an einer zentralen Wasserversorgung. © Egbert Kamprath

Mehrere Brunnendörfer stehen jetzt vor der Entscheidung, ob sie eine zentrale Wasserversorgung bekommen oder nicht. Die Landesregierung hat die Förderbedingungen noch einmal nachgebessert. Erstens soll von der Förderung keine Mehrwertsteuer kassiert werden, wenn sie der Zweckverband Weißeritzgruppe an seine Tochtergesellschaft Wasserversorgung Weißeritzgruppe weitergibt. Zweitens soll die Grenze, bei der die Förderung für ein Grundstück endet von 20.000 Euro auf 40.000 Euro angehoben werden. Hier hat die Wahlkreisabgeordnete Andrea Dombois (CDU) in Gesprächen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eine Verbesserung erreicht, informierte Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe, die Bürger in einem Schreiben.

80 Prozent der Eigentümer müssen mitmachen

Damit sieht für die Wasserversorgung Weißeritzgruppe die Situation so aus, dass sie auch die Klingenberger Ortsteile Friedersdorf, Pretzschendorf und Röthenbach sowie den Wilsdruffer Ortsteil Herzogswalde und ein Dutzend Grundstücke im Dippoldiswalder Ortsteil Schmiedeberg zu vertretbaren Kosten an die öffentliche Wasserversorgung anschließen kann. Das gilt aber nur unter einer Bedingung: In den betroffenen Ortsteilen müssen die Grundstückseigentümer das mit deutlicher Mehrheit auch wollen. Mindestens 80 Prozent von ihnen müssen einen Vertrag über die Wasserlieferung schließen.

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

Derzeit liegen Schreiben bei den betroffenen Eigentümern, dass sie einen Antrag auf die Herstellung eines Hausanschlusses stellen müssten. Wenn 80 Prozent der Eigentümer diesen Antrag stellen, dann wird die Wasserversorgung im Herbst die Fördergelder beantragen. Für die betroffenen Orte ist es jetzt eine Chance, noch an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen zu werden. Die Nachfrage dafür war viele Jahre nicht besonders groß. Als genug Niederschläge gefallen sind, haben auch die Hausbrunnen immer genug Wasser geführt. Im Dürrejahr 2018 sind viele davon trocken gefallen. Seitdem hat sich die Situation nicht grundlegend gebessert.

Kostenanteile sind auf 6.500 Euro gesunken

Röthenbach ist ein Beispiel, wo bisher der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung eher unwahrscheinlich war. Denn hier muss erst von Pretzschendorf aus eine, über zwei Kilometer lange Leitung gelegt werden, was das Vorhaben deutlich verteuert. Im Ort ist die Situation sehr unterschiedlich, schildert der Einwohner Jörg Bier. Gut die Hälfte der Grundstücke hat Hausbrunnen, die aber nicht alle in den letzten trockenen Jahren durchgehalten haben. In verschiedenen Fällen hat das Wasser auch nicht geforderte Qualität. Ein Teil des Ortes hängt an einer zentralen Versorgung, die von der Pretzschendorfer Landwirtschafts- und Dienstleistungsgesellschaft betrieben wird. In Trockenzeiten wie 2018 muss das Wasser dafür aus Pretzschendorf mit Tankwagen herangefahren werden. „Wenn sich unser Dorf weiter entwickeln will, benötigen wir eine sichere Wasserversorgung“, sagt Bier. Andernfalls fürchtet er, dass es beispielsweise keine Baugenehmigungen mehr gibt. Selbst ein Kamerateam des ZDF war in den letzten Tagen im Dorf unterwegs, um die Situation des Brunnendorfs fürs Fernsehen zu dokumentieren. 

Am Wochenende fand zu dem Thema in Röthenbach eine Einwohnerversammlung statt, wo die neue Situation diskutiert wurde. Der Eigenanteil an den Baukosten, den jeder Eigentümer bezahlen muss, ist durch die geänderten Regelungen von 8.500 Euro auf 6.500 Euro gesunken. Von den 74 Grundeigentümern im Dorf müssten sich 59 für einen Anschluss an die zentrale Versorgung entscheiden, dann geht Frank Kukuczka, der Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe, in die Spur und beantragt Fördergelder. Nur wenn in einem Ort eine klare Mehrheit hinter dem Vorhaben steht, hat es Chancen.

Weiterführende Artikel

Zwei Brunnendörfer vor dem Baubeginn

Zwei Brunnendörfer vor dem Baubeginn

In Johnsbach und Dittersdorf geht es los. In Klingenberger Ortsteilen stehen die Chancen ebenfalls gut. In Herzogswalde ist die Lage durchwachsen.

Mehr Geld für Brunnendörfer

Mehr Geld für Brunnendörfer

Die Bürger sollen beim Bau eines Trinkwasseranschlusses finanziell entlastet werden. Ist das die Wende bei einem langjährigen Disput?

Einen Schritt weiter sind schon die Glashütter Ortsteile Dittersdorf und Johnsbach, bisher auch Brunnendörfer. Dort ist die Entscheidung für den Bau einer zentralen Versorgung gefallen. Zwar gab es dort Verzögerungen wegen der Corona-Einschränkungen. Aber in 14 Tagen sollen die ersten Bauarbeiten ausgeschrieben werden und im September beginnen. Bis Ende des Jahres 2021 sollen sie dann abgeschlossen sein. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde