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Hoyerswerda

Neue Chance für den Bahnhof

Sachsen stellt Fördergelder und weitere 500.000 Euro zur Sanierung in Aussicht. In trockenen Tüchern ist aber nichts.

Bahnhof Weißwasser. Seine Revitalisierung könnte der Stadt einen Schub geben.
Bahnhof Weißwasser. Seine Revitalisierung könnte der Stadt einen Schub geben. © Archivfoto: Gernot Menzel

Von Sabine Larbig

Weißwasser. Eine schnelle Eisenbahn-Verbindung über Weißwasser soll in nicht all zu ferner Zukunft Berlin mit Cotttbus, Weißwasser, Görlitz und Polen verbinden. So sieht es ein Projekt vor, das die Bundesregierung im Rahmen der Strukturentwicklung des Lausitzer Kohlereviers umsetzen und finanzieren will.

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Doch was nutzt Weißwasser und den Bürgern im Umland die beste Bahnanbindung, wenn es keinen intakten Bahnhof gibt? Zwar bemüht sich die Stadt seit Jahren um die Sanierung des Gebäudes. Bislang scheiterte sie jedoch an den Kosten. Die liegen, laut Planungen, inzwischen bei drei Millionen Euro. Für Bahnhofssanierungen gibt es zwar ein Förderprogramm. Bei einem Eigenanteil von rund 1,8 Millionen Euro entfiel für das hoch verschuldete Weißwasser bislang die Nutzung des Programms. Nun aber kommt Bewegung in das sanierungsvorhaben.

„Der Stadt wurde vom Freistaat ein konkretes Angebot gemacht: Zusätzlich zu den Fördermitteln sollen 500.000 Euro aus den Strukturstärkungsgeldern zur Verfügung gestellt werden, um so den städtischen Eigenanteil zu minimieren“, erklärt Dr. Stephan Rohde, Lausitzer Revierbeauftragter des Freistaates, auf Tageblatt-Anfrage. Dies sei das Ergebnis einer Beratung mit dem Sächsischen Staatsministerium des Inneren (zu dessen Aufgaben auch die Landes- und Stadtentwicklung gehören), der Sächsischen Aufbaubank (SAB), der Staatskanzlei und der Abteilung Strukturentwicklung in den sächsischen Braunkohlerevieren. Parallel, so Rohde weiter, liefen weitere Verhandlungen zwischen Stadt und SAB.

Dies bestätigt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, der erst Ende voriger Woche erneut zu Gesprächen in Dresden weilte. „Unser Ziel ist es, die Höhe des Eigenanteils weiter zu reduzieren“, begründet er. Abgesehen davon habe es einigen Erläuterungsbedarf gegeben. So sei, nach Prüfung des Fördermittelantrags, die Stadt über beabsichtigte Kürzungen bei der Fördermittelhöhe informiert worden. „Begründet wurden die geplanten Streichungen damit, dass Weißwasser beim Bahnhof bereits die Gestaltung von Außenanlagen, Fußweg und Busbahnhofs-Platz gefördert bekommen habe. Nun sei wieder Wegebau im Antrag, weshalb die Kosten dafür gestrichen würden. Doch wir wollen einen barrierefreien Zugang zum Bahnhof“, erläutert Pötzsch. Er geht davon aus, dass die Begründung anerkannt wird und sich somit positiv auf die Höhe des Eigenanteils auswirken wird.

Aus Sicht des Stadtchefs müsse der, um finanzierbar zu sein, weit unter einer Million Euro liegen. Um dies zu erreichen, wolle man mit den Geldgebern auch über andere Finanzierungsquellen und -modelle reden. Zudem seien in der Stadt ebenfalls neue Wege und Ideen angedacht, um Partner, wie die Wohnungsbaugesellschaft mbH, mit ins Boot zu holen. Dass bereits „konstruktive Gespräche“ laufen, bejaht Wohnungsbaugesellschafts-Geschäftsführerin Petra Sczesny. „Wir stehen hinter dem Engagement und den Bemühungen von Stadt und Oberbürgermeisters. Wohl wissend, dass die Bahnhofsanierung eine große Herausforderung ist.“

Mieteinnahmen pro Jahr 30.000 Euro

Dies gilt nicht nur für die finanzielle Absicherung der Sanierung, sondern auch für Erhalt und Betreibung des Bahnhofs. Dies gelingt nur durch Vermietung. Enthalten im Bahnhofskonzept sind daher neben Räumen für das Stellwerk der Bahn auch Räume für Praxis oder Gewerbe, ein Reise- und Servicecenter, eine Tourist-Information, ein Unesco-Geopark-Info-Zentrum sowie öffentliche Toiletten. Lediglich Gastronomie ist bislang nicht vorgesehen.

Bei Vollvermietung, so OB Pötzsch, könne mit etwa 30.000 Euro Mieteinnahmen pro Jahr gerechnet werden. „Wenn der Eigenanteil bei der Sanierung aber weit über einer Million Euro bleibt, brauchen wir zwischen 40 und 50 Jahre zur Refinanzierung. Das würde sich nicht rechnen, weil zwischenzeitlich Reparaturen und Modernisierungsmaßnahmen anfallen.“ Er hofft daher auf weiteres Entgegenkommen bei der Finanzierung. „In Dresden will man ja auch, dass unser Bahnhof mit Hinblick auf den Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Cottbus–Görlitz, saniert wird. Und diese Bahnstrecke kommt in jedem Fall.“

Fahren könnten dort in Zukunft Züge mit Wasserstoffantrieb statt E- oder Dieselloks. Laut Stadtchef würden in diese Richtung bereits Gespräche geführt. „Unser kürzlicher Besuch aus Südafrika und von der Brandenburger Firma Enertrag wären bereit, da einzusteigen“, blickt er voraus.

Doch selbst neueste Zugtechnologie braucht attraktive Bahnhöfe für Reisende.