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Neue Chance für den Bolzplatz

Um das Freizeitzentrum wird weiter gestritten. Doch nun könnte ein Kompromiss gefunden werden.

© Norbert Millauer

Von Wolf Dieter Liebschner

Was wird aus dem Freizeitzentrum am Altsörnewitzer Schulweg? Muss es dem Bau von Eigenheimen weichen? Oder wird überhaupt nicht gebaut? Oder lässt sich sogar beides miteinander verbinden? Seit die Pläne der Stadt Coswig, dort Platz für 13 Eigenheime zu schaffen, öffentlich sind, machen sich immer mehr Sörnewitzer Einwohner für diesen bei Jung und Alt beliebten Treff stark. Denn die Pläne haben weitere Auswirkungen: Die Ersatzvariante für das 4 000 Quadratmeter große Freizeitzentrum sieht eine mit lediglich 800 Quadratmetern erheblich verkleinerte Lösung an der Elbgaustraße vor.

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Kürzlich hatten Stadträtin Marlies Förster, Axel Schmieder und Rayko Aßmann – die für die Bürgerinitiative auch schon Unterschriftensammlungen organisiert hatten – zu einem erneuten Gespräch eingeladen. Und es wurde eng in der Veranda von Försters Stammlokal. Über 30 Leute waren gekommen, unter ihnen immerhin zehn Stadträte samt Oberbürgermeister Frank Neupold.

Was anfangs lediglich nach einem Meinungsaustausch aussah, der ausschließlich die verhärteten Fronten verdeutlicht, wurde nach und nach zu einer Diskussion, in der tatsächlich auch nach einer Lösung gesucht wurde. Und Stadtrat Christian Buck (Coswiger Bürgerliste) könnte mit seinem Beitrag sogar eine goldene Brücke gebaut haben, mit der die einander widerstrebenden Interessen ausgeglichen werden könnten.

Denn Buck betrachtet den Streit von der praktischen Seite. Er hält es für ausgeschlossen, dass ein Spiel- und Sportplatz an der Elbgaustraße genehmigungsfähig wäre. „Dort ist kein Fußweg vorhanden“, so Buck. „Vor einer Genehmigung müssten zahlreiche Auflagen umgesetzt werden, so- dass die ganze Sache ökonomisch nicht mehr sinnvoll ist.“ Sein Vorschlag: Das Freizeitzentrum könnte geringfügig verkleinert werden, beispielsweise um die Fläche der ungenutzten Minigolfanlage. Diese könnte dem Platz für den Eigenheimbau zugeschlagen werden, sodass die Stadt auf lediglich vier Häuser verzichten müsste. Auf den Einwand, dass vom Freizeitzentrum Lärmbelästigungen ausgehen würden, reagierte Buck eindeutig: „Kinderlärm ist keine Emission“, sagte er.

Oberbürgermeister Neupold ist sich der Brisanz dieses Themas bewusst und hätte gern eine Alternative für die geplanten Baustellen. Die lässt sich aber in Sörnewitz nur schwer finden. Neupold sieht Coswig im Ringen um neue Einwohner in Konkurrenz zu den umliegenden Kommunen und Gemeinden. Beispielsweise habe man schon Einwohner an Weinböhla verloren. „Wir müssen bauen, um die Zukunft der Stadt zu sichern“, sagte er.

Gleichzeitig erneuerte er sein Versprechen an die Sörnewitzer, dass das Freizeitzentrum bleiben kann, wenn eine andere Lösung gefunden werde. „Wir entscheiden uns keinesfalls gegen Sie“, so Neupold. „Wenn von Ihnen Vorschläge kommen, dann setzen wir uns hin und spitzen den Bleistift.“ Die Gelegenheit dazu könnte sich bereits am 9. April bieten, wenn der Ortsbeirat zusammenkommt. Eine endgültige Entscheidung werde ohnehin nicht vor dem Herbst getroffen.

Die Sörnewitzer eint indes, dass sie das Freizeitzentrum unbedingt behalten wollen. „Für Sie ist das schönes Bauland, für uns ein schönes Erholungszentrum“, sagte die Rentnerin Christiane Häfer an den Oberbürgermeister gewandt. „Ich sitze dort gern auf der Bank und schaue den Kindern beim Spielen zu.“

Die Sörnewitzer führen für ihr Freizeitzentrum auch ins Feld, dass „diese Möglichkeit für Sport und Spiel einmalig in der ganzen Region ist“, wie Marlies Förster sagte. „Auch deshalb sind wir vor Jahren als schönstes Dorf Sachsens ausgezeichnet worden. Und: „Die Anlage ist schon seit über zehn Jahren in Betrieb, aber trotzdem noch in einem äußerst guten Zustand“, so Axel Schmieder. „Hier treffen sich Kinder, Jugendliche und auch ältere Leute. Das ist eine soziale Begegnungsstätte geworden.“ In der Tat: Es gibt hier einen Bolzplatz, eine Laufbahn, auf der schon viele kleine Sörnewitzer die ersten Runden mit dem Fahrrad gedreht haben. Tischtennisplatten sind vorhanden und eine Wiese zum Spielen. Außer einem Bolzplatz würde die Ersatzvariante kaum etwas bieten.

„Wenn hier Eigenheime gebaut werden, dann ist doch klar, dass die Familien Kinder haben“, sagt Rayko Aßmann. „Die brauchen Platz zum Spielen.“ Und der Sörnewitzer Thomas Protzmann meint: „Wenn künftig auf eine solche Anlage verzichtet wird, dann wirkt sich das kontraproduktiv auf die Dorfentwicklung aus.“