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Neue Chance gegen Parkinson

Wie lässt sich erkennen, ob Patienten Medikamente gegen Parkinson vertragen? Forscher in Rossendorf haben einen Weg gefunden: Radioaktivität.

Rodrigo Teodoro (l.) und Thu Hang Lai nutzen Radioaktivität, um eine wichtige Frage für Parkinson-Patienten klären zu können.
Rodrigo Teodoro (l.) und Thu Hang Lai nutzen Radioaktivität, um eine wichtige Frage für Parkinson-Patienten klären zu können. © Bodo Tiedemann/HZDR

Die Muskeln werden steif, die Bewegungen langsamer. Arme und Beine beginnen zu zittern. Bislang müssen sich Mediziner bei der Diagnose von Parkinson auf solche Beobachtungen verlassen. Die klassische Therapie der Krankheit basiert danach auf der Gabe des Wirkstoffs Levodopa. 

Doch besonders bei langjähriger Anwendung zeigt er deutliche Nebenwirkungen. Bisher gibt es keine Methode, herauszufinden, welche Patienten Levodopa gut vertragen und welche nicht. Forscher des Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf haben nun einen Weg gefunden.

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Ins Visier nahmen die Forscher die Rezeptoren von Adenosin, die neben anderen auf den Nervenbahnen des Gehirns vorhanden sind. Adenosin, das in seiner Struktur dem Koffein ähnelt, entsteht im Körper und in Nervenzellen als Botenstoff. Setzt es sich auf bestimmte Rezeptoren, führt es dazu, dass diese Nervenzellen langsamer arbeiten – darunter auch solche, die für die Parkinson-Krankheit bedeutsam sind.

Der Ansatz des vierköpfigen Teams war es deshalb, schwach radioaktiv markierte Substanzen zu entwickeln, die im Gehirn an jene Rezeptoren andocken und damit deren Verfügbarkeit zum Beispiel für Therapiemaßnahmen anzeigen. Diese Substanzen heißen Radiotracer. An den Stellen des Gehirns, an denen eine erhöhte Radioaktivität gemessen wird, müssen also besonders viele Rezeptoren vorhanden sein. Das konnten Aufnahmen nun zeigen.

Radioaktiv und trotzdem gut

Den Wissenschaftlern, die dafür bei einem Wettbewerb des HZDR ausgezeichnet wurden, gelang es nun in einer außergewöhnlich kurzen Zeit, genau dafür einen stabilen Radiotracer zu entwickeln. Er lagert sich, ohne dass er auf dem Weg ins Gehirn abgebaut wird, an die Adenosin- Rezeptoren an und lässt sich dort nachweisen.

Nach Untersuchungen im Reagenzglas hat die Biologin Magali Toussaint den Radiotracer bereits erfolgreich im Mausmodell getestet. Anschließend bewährte er sich auch in Studien zum Strahlenschutz, die die Forscher zusammen mit der Klinik für Nuklearmedizin der Universität Leipzig durchführten, sowie in einer Toxizitätsstudie zur Frage, ob er giftig sei. 

„Mit einem entsprechenden, beim Menschen einsetzbaren Radiopharmakon hoffen wir, künftig die korrekte Differentialdiagnose stellen und damit zwischen für Nebenwirkungen empfindlichen und unempfindlichen Parkinson-Patienten unterscheiden zu können“, gibt Rodrigo Teodoro, der im Team für die radioaktive Markierung verantwortlich ist, einen Ausblick.

Bis ein mögliches Medikament in die Kliniken kommt, dürften allerdings noch ein paar Jahre vergehen, schränkt der Chemiker ein. Denn die nächste Herausforderung wartet bereits auf das Team. Die Forscher wollen nun für das Radiopharmakon, für das sie ein Patent angemeldet haben, klinische Studien anschieben, in denen ihre Erfindung an Patienten und gesunden Probanden untersucht wird. 

Diese sind Voraussetzung für eine mögliche Arzneimittelzulassung. Derzeit sind sie noch auf der Suche nach einem klinischen Partner, um die Wirksamkeit und die Sicherheit der neuen Methode allumfassend klären zu können.

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