merken
PLUS

Neue Chancen für Behinderte

Roßweiner Werkstätten steigen in Schulungsprojekt ein. Zertifikate sollen Türen in der freien Wirtschaft öffnen.

© D. Thomas

Von Heike Heisig

Roßwein. Sie montieren elektrische Geräte, nähen Sonnensegel, restaurieren Möbel oder stellen sogar neue her – die Mitarbeiter der Roßweiner Werkstätten sind vielseitig. An drei Standorten in Roßwein und Hartha beschäftigt das Diakonische Werk Döbeln zurzeit 365 Menschen mit körperlichen, teilweise auch geistigen Behinderungen. Sie und die Neuzugänge haben in Zukunft eine noch individuellere Möglichkeit, gefördert und anerkannt zu werden. Über die bisherigen Angebote hinaus können sich die Mitarbeiter auf verschiedenen Gebieten Wissen und Praxis aneignen. Dieses sollen ihnen am Ende Zertifikate der Kammern bestätigen. Die letzten Vorbereitungen dafür laufen gerade, wie Werkstattleiterin Anne Möbius informiert.

PPS Medical Fitness GmbH
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie
Das Gesundheitszentrum für die ganze Familie

Sie wollen mehr Fitness und Gesundheit in Ihr Leben bringen? Lernen Sie die vielen Gesundheitskurse und Angebote kennen und lassen Sie sich von den umfangreichen Angeboten von PPS Medical Fitness begeistern!

Die Roßweiner Werkstätten schließen sich damit dem Projekt „Bildung schafft Zukunft“ an. Das bereitet die Diakonie Sachsen seit zwei Jahren mit Unterstützung des Freistaates vor. Daran beteiligen sich 19 diakonische Werkstätten, wobei es auch Werkstätten unter anderer Trägerschaft offensteht. Gemeinsames Anliegen sei, einheitliche Standards für die berufliche Bildung in den Werkstätten einzuführen und umzusetzen. Bisher hätten die Einrichtungen unterschiedliche Herangehensweisen gehabt.

Reguläre Ausbildung denkbar

Um auf einen Nenner zu kommen, gibt es einen Projektbeirat. In diesem arbeiten Mitarbeiter der Agentur für Arbeit, der Kammern und einzelner Förderschulen mit. Sie haben zwischenzeitlich sogenannte Praxisbausteine erarbeitet. Ähnliche Bausteine sind aus der regulären Berufsausbildung bekannt. „Diese könnten unsere Mitarbeiter gar nicht erfüllen. Deshalb sind die Anforderungen so angepasst worden, dass sie auch von Menschen mit einem geringeren Leistungsvermögen erfüllbar sind“, erklärt die Werkstattleiterin.

Inzwischen gibt es solche Praxisbausteine für mehr als eine Handvoll Gewerke. Dazu gehören die Holz- und Metallverarbeitung, die Garten- und Landschaftspflege sowie der Bereich Reinigung. Für welchen Bereich die teilnehmenden Werkstätten welches Ausbilderpersonal benötigen, das prüft das Roßweiner Haus zurzeit. Außerdem müssen auch noch generell einige Dinge geklärt werden. Die betreffen unter anderem die Prüfungen. Wer die bestanden hat, soll je nach Sparte ein Zertifikat von der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer erhalten.

Diese Leistungsnachweise sollen den Teilnehmern nicht nur Bestätigung und Selbstvertrauen geben, sondern ihnen auch neue Wege öffnen. „Angestrebt ist, dass damit in eine Ausbildung oder in einen Betrieb gewechselt werden kann“, sagt Anne Möbius. Wenn das Projekt angelaufen ist, werde sich die Diakonie auch auf diesem Gebiet um eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bemühen.

Sicher beginnen werden die Roßweiner Werkstätten in dem Projekt „Bildung schafft Zukunft“ mit einer Qualifizierung dort, wo sie schon gute Voraussetzungen mitbringen: in der Holzverarbeitung und im Bereich der Montage mit Lager und Logistik. Weitere Angebote sollen später noch hinzukommen.

Genutzt werden können sie ab dem Sommer von Mitarbeitern, die neu dazukommen. Aber auch den bisher Beschäftigten, die sich den neuen Anforderungen gewachsen fühlen, steht das Programm offen. Das Ziel gleich dem bisherigen Anliegen: Menschen mit Einschränkungen beruflich und sozial zu integrieren. In den Roßweiner Werkstätten bekommen Förderschüler eine Chance, einfache bis anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen. Zu den Beschäftigten gehören Menschen, die durch Krankheiten und Unfälle nur eingeschränkt tätig sein können. Zunehmend kommen jüngere Leute dazu, die die Ausbildungsreife nicht erreichen. Die Arbeitsmöglichkeiten in den Werkstätten reichen von Industriemontagen über Verpacken, Konfektionieren bis hin zu Tätigkeiten im Gartenbau. Es gibt Zimmerei, Tischlerei, Wäscherei und Näherei. Kunden sind Wirtschaftsbetriebe und Privatleute.

Tipp: Beim Tag der offenen Tür am 11. Juni stehen die Werkstätten für Interessierte und neue Partner offen.