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Bischofswerda

Neue Chefin in Bischofswerdas Buchladen

Angelika Heinrich übergibt ihr Geschäft. Doch die Kunden werden sie auch weiterhin dort sehen.

Mandy Heinrich (rechts) hat immer eine Buchempfehlung parat. Die 35-Jährige übernimmt zum 1. November die Bischofswerdaer Buchhandlung von ihrer Schwiegermutter Angelika Heinrich. Bereits seit fünf Jahren arbeitet sie im Geschäft mit.
Mandy Heinrich (rechts) hat immer eine Buchempfehlung parat. Die 35-Jährige übernimmt zum 1. November die Bischofswerdaer Buchhandlung von ihrer Schwiegermutter Angelika Heinrich. Bereits seit fünf Jahren arbeitet sie im Geschäft mit. © Steffen Unger

Bischofswerda. Geschäftsnachfolge perfekt: Mandy Heinrich übernimmt zum 1. November 2019 die gleichnamige Bischofswerdaer Buchhandlung. Damit kommt die zweite Generation in dem Geschäft an der Kirchstraße zum Zuge, das ihre Schwiegermutter Angelika Heinrich im Juni 2013 eröffnete und seitdem zu einem der meist frequentierten Läden in der Bischofswerdaer Innenstadt machte. Schon als Angelika Heinrich das Geschäft mit Unterstützung ihrer Familie einrichtete, hatte sie auch daran gedacht, es später einmal in der Familie weiter zu geben. Seit fünf Jahren arbeitet sie bereits mit ihrer Schwiegertochter im Buchladen Hand in Hand.

Angelika Heinrich wurde in diesem Jahr 63 Jahre alt. Nach 45 Arbeitsjahren geht sie nun in den Ruhestand. Doch die Geißmannsdorferin fährt nicht von 120 auf Null runter. Sie bleibt mit der Buchhandlung verbunden. „Mindestens dreimal in der Woche werde ich nachmittags im Geschäft sein“, sagt sie. So möchte sie ihre Schwiegertochter, die zwei Mädchen im Alter von neun und sechs Jahren hat, entlasten. Außerdem wird sie sich weiterhin um die Buchführung kümmern. Nicht mehr, wie in den vergangenen Jahren, am Abend zu Hause, sondern tagsüber im Büro des Ladenlokals. Die neue Inhaberin Mandy Heinrich ist vielen Kunden seit langem gut bekannt. „Es wird sich nichts ändern“, sagt sie. „Das Geschäft läuft erfolgreich. Das Konzept möchte ich fortführen.“

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Mandy Heinrich ist 35 Jahre alt. Sie ist gelernte Versicherungskauffrau und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf, ehe sie zur Buchhändlerin umsattelte. „Der Umgang mit Menschen gefällt mir. Den ganzen Tag nur im Büro zu sitzen, das wäre nichts für mich.“ Neben dem Tagesgeschäft wird es auch weiterhin monatlich eine Lesung für Erwachsene geben, die die Buchhandlung organisiert. Das Programm für das kommende Jahr hat bereits Mandy Heinrich erarbeitet. Was zunächst im kleinen Rahmen in der Buchhandlung begann, zieht mittlerweile jedes Mal 30, 40, manchmal auch noch mehr Besucher an.

Angelika Heinrich war Mitte 50, als sie ihren Schreibservice erweiterte und das Buchgeschäft eröffnete. „Es gehörte viel Mut dazu. Und etwas verrückt musste man wohl auch sein“, sagt sie. Viele hatten ihr damals abgeraten. Wer liest denn heute noch Bücher?, war eines der Argumente, die sie zu hören bekam. Doch Angelika Heinrich ließ sich davon nicht entmutigen, zumal es schon immer ihr Wunsch war, ein eigenes Geschäft zu haben. Gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter und der Verkäuferin Karin Seidel zeigt sie, dass sich ein Buchgeschäft in einer Kleinstadt auch jetzt tragen kann. Das Geschäft lebt von der Stamm- und Laufkundschaft gleichermaßen. Bis aus dem Oberland, Neustadt, Stolpen und Großröhrsdorf kommen Bücherfreunde zum Einkaufen nach Bischofswerda. Romane, Heimat- und Reiseliteratur, Kochbücher und nun auch wieder Kalender füllen die Regale. Von Anfang an legte Angelika Heinrich besonderes Augenmerk auf die Kinder und Jugendliteratur. Sie fördert die Lesefreude unter den Heranwachsenden, indem sie in Kindertagesstätten und Schulen geht, dort Bücher vorstellt oder auch Kinder in ihr Geschäft einlädt. „Zum Welttag des Buches im April hatten wir hier über 600 Kinder“, berichtet sie.

Abschied auf Raten

Auch die Angebote in der Ecke mit christlicher Literatur werden von den Kunden gut angenommen. Wer Spezielles wünscht, etwa Fachbücher, bekommt es auf Bestellung. Die Verlage liefern über Nacht. Doch nicht nur wegen seines Angebotes und den Veranstaltungen fällt das Geschäft in Bischofswerda auf. Angelika und Mandy Heinrich wenden viel Mühe auf, die Schaufenster hübsch zu gestalten, oft mit Schiebocker Stadtkolorit. Bei jeder Marketingaktion zur Belebung der Bischofswerdaer Innenstadt sind sie mit dabei. Die Buchhandlung setzt damit Maßstäbe in Bischofswerda, aber auch in der Branche. Im vergangenen Jahr gehörte sie zu den sieben inhabergeführten Buchgeschäften in Sachsen, die mit dem Prädikat „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet wurden.

Angelika Heinrich übergibt ihrer Schwiegertochter ein gut gehendes Geschäft. Im November wird eine Verkäuferin für fünf Stunden am Tag fest eingestellt. Für die Geschäftsgründerin wird es ein Abschied auf Raten, dem sie mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge entgegensieht. „Ich habe das Geschäft aufgebaut. Ich hänge daran“, sagt Angelika Heinrich, die sich an dieser Stelle für die Treue ihrer Kunden bedanken möchte. Doch sie freut sich auch, dass sie bald mehr Zeit haben wird, mit ihrem Mann und den drei Enkeln etwas zu unternehmen. Seit der Gründung ihres Schreibbüros 2004 ist sie selbstständig. In den vergangenen Jahren arbeitete sie im Schnitt 50, 60 Stunden wöchentlich. Als Belastung habe sie das nicht empfunden, da die Arbeit Spaß macht, sagt sie. Trotzdem gibt es manches nachzuholen und vieles aufzuarbeiten. Zum Beispiel bei der von ihr geführten Geißmannsdorfer Feuerwehrchronik.

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