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Pirna

Neue Erfolge gegen Fahrraddiebe

Der Pirnaer Polizei gelingt es seit Juli, Täter und Taten zurückzudrängen. Sie gewinnt dabei eine besondere Erkenntnis.

Polizist Szenes mit Fahrrädern aus Diebstählen oder unklarer Herkunft im Pirnaer Revier. Im Juli/August ging die Zahl der Fälle um 43 Prozent zurück.
Polizist Szenes mit Fahrrädern aus Diebstählen oder unklarer Herkunft im Pirnaer Revier. Im Juli/August ging die Zahl der Fälle um 43 Prozent zurück. © Daniel Förster

Nur für ein paar Stunden war ein Paar aus Niedervogelgesang wandern gegangen. Währenddessen standen ihre teuren E-Bikes auf dem Lidl-Parkplatz in Copitz. Als die beiden Senioren zurückkamen, bekamen sie einen Schreck. Die beiden Räder im Wert von insgesamt 3 400 Euro waren verschwunden. Einfach gestohlen. Die Opfer, sagt der Pirnaer Polizist Daniel Szenes, haben es aber den Dieben einfach gemacht. Gesichert waren die Zweiräder mit einem Spiralschloss für 40 Euro.

Solche Fälle sind jedoch im Bereich des Polizeireviers Pirna seltener geworden. Grund dafür ist eine neu gegründete Ermittlungsgruppe, die seit dem Sommer auf Fahrraddiebstähle angesetzt ist. „Die Zahlen sind seitdem spürbar zurückgegangen“, sagt Revierleiter Candy Sommer. Die SZ fasst die Fakten zusammen.

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Die Zahlen: noch über dem Vorjahr

Zwischen Januar und August 2019 sind im Revierbereich 162 Fahrräder gestohlen gemeldet worden, 13 mehr als zwischen Januar und August 2018. Darunter waren auch 16 E-Bikes und 25 weitere Fahrräder mit einem Wert von mindestens 1.000 Euro. Zum Revierbereich gehören neben Pirna und Heidenau auch der linkselbische Teil der Sächsischen Schweiz und Lohmen.

Vergleicht man allerdings nur die beiden Monate Juli/August 2019 mit den beiden Vorjahresmonaten, ist die Zahl der Fahrraddiebstähle um 43 Prozent von 51 auf 29 Fälle zurückgegangen. Es wurden  acht Tatverdächtige, zumeist Deutsche, ermittelt und sechs Räder wiedergefunden. In einem Fall rückte die Polizei zu einer Hausdurchsuchung aus und deckte dabei ein Drogendelikt auf.

© SZ-Grafik

Der Ermittlungsansatz: umfassend

Der Ermittlungsgruppe Fahrrad geht es nicht nur darum, mit stationären und mobilen Kontrollen Druck aufzubauen. Die Beamten haben gezielt danach geschaut, wer bereits einschlägig durch Fahrraddiebstähle aufgefallen war. Zudem wird im Internet recherchiert – oft stehen dort die entwendeten Räder ganz oder in Teile zerlegt zum Verkauf. Auf einer großen Karte hat die Ermittlungsgruppe zusammengetragen, wo 2019 Fahrräder gestohlen wurden. Vier Schwerpunkte haben sich dabei herauskristallisiert: die Bahnhöfe Pirna und Heidenau sowie das Gymnasium Heidenau und die Goethe-Oberschule in Heidenau. Gerade hier hätte der Kontrolldruck gewirkt. „Die Zahlen sind auf Null gesunken“, sagt Polizist Szenes.

Polizist Daniel Szenes übergibt einem jungen Mann ein Fahrrad, das ihm in Dresden gestohlen wurde. Der Verdächtige wurde von einer Pirnaer Polizistin entdeckt und überführt.
Polizist Daniel Szenes übergibt einem jungen Mann ein Fahrrad, das ihm in Dresden gestohlen wurde. Der Verdächtige wurde von einer Pirnaer Polizistin entdeckt und überführt. © Martin Gebhardt

Das Täterprofil: anders als gedacht

Zunächst nahm die Polizei an, dass viele gestohlene Fahrräder außer Landes geschafft und etwa in Tschechien wiederverwertet werden. Diesen Verdacht hatten frühere Kontrollen entlang der A17 nahegelegt. Im Juli suchten dann die Beamten Königstein für eine groß angelegte Kontrolle aus. An nur einem Tag wurden fast 200 Personen und 114 Fahrräder überprüft. Weder dort noch im Nachgang hätte sich aber die ursprüngliche Annahme bestätigt, heißt es nun.

Vielmehr hat nun die Polizei die Erkenntnis gewonnen, dass die Fahrraddiebstähle in der Region ein Teil der Beschaffungskriminalität seien. Drogenabhängige stehlen die Zweiräder und machen sie zu Geld, um ihre Sucht finanzieren zu können. Szenes hat selbst in Pirna einen polizeibekannten Mann erwischt, der mit einem teuren E-Bike unterwegs war, das er sich gar nicht hätte leisten können. Wie sich herausstellte, wurde das Rad kurz zuvor auf dem Dresdner Postplatz Urlaubern aus Bayern gestohlen.

© SZ-Grafik

Der Ausblick: Druck bleibt erhalten

Revierleiter Sommer sagt, dass die Ermittlungsgruppe bis auf Weiteres bestehen bleibt. „Wir wollen den Kontrolldruck aufrechterhalten.“ Gerade im vergangenen September und November hätte es besonders viele Fälle gegeben. Das soll nicht wieder passieren. Außerdem setzt sich der Revierleiter dafür ein, dass die Videoüberwachung von Bahnhöfen verbessert wird. Auch das kann der Polizei helfen, Täter zu überführen.

Das Seniorenpaar, dem in Copitz die E-Bikes gestohlen wurden, hat sich mittlerweile neue Räder zugelegt. Diesmal, sagt Polizist Szenes, mit den richtigen Fahrradschlössern.

So etwas erlebt die Polizei oft, sogar selbst vor der eigenen Haustür. Nur eines der beiden Fahrräder ist hier überhaupt abgeschlossen.
So etwas erlebt die Polizei oft, sogar selbst vor der eigenen Haustür. Nur eines der beiden Fahrräder ist hier überhaupt abgeschlossen. © Domokos Szabó

So wird Ihr Fahrrad sicher

Schloss: Es sollte zehn Prozent des Fahrradwertes betragen – also für ein 1.700-Euro-Fahrrad sollte man ein Schloss ab 170 Euro kaufen.

Fahrradpass: Befindet sich in den Verkaufs-Unterlagen und sollte als Eigentumsnachweis ausgefüllt werden. Mithilfe der Rahmen-, Gabel- und Akku-Nummer kann die Polizei leichter nach dem Diebesgut suchen.

Codierung: Zusätzlicher Vorteil ist, dass der Eigentümer in einer Datenbank gespeichert wird. Auch das hilft der Polizei, Diebe zu überführen. Wird unter anderem vom ADFC in Dresden ([email protected]) und der Verkehrswacht Dresden ([email protected]) angeboten.

Quelle: Polizeirevier Pirna, SZ

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