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Neue Fabrikhalle in Hagenwerder

Gestern wurde in Hagenwerder erstmals der Grundstein für eine neue Produktionsanlage gelegt. Der Kraftwerknachfolger KSC baut für 1,4 Millionen Euro eine Fabrikhalle und Büros.

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Von Frank Seibel

Es ist keine Neuansiedlung, es kommen keine neuen Arbeitsplätze. Und doch war das gestern ein außergewöhnliches Ereignis für Görlitz. Das, was bislang immer gescheitert, ist, wird zum ersten Mal Wirklichkeit auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände von Hagenwerder: Eine Firma nimmt Geld in die Hand und baut eine neue Produktion auf. Entsprechend groß war die Resonanz aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und – Sport. Dieter Krein war als Präsident von Energie Cottbus nach Hagenwerder gereist, weil die „Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH“ zu den treuen Sponsoren seines Fußballclubs zählt.

Von „Signal“, „Meilenstein“, „Aufbruch“ und „Hoffnung“ war die Rede, als Oberbürgermeister Rolf Karbaum und Abteilungsleiter Franz Wiesheu aus dem Regierungspräsidium gestern die Grundsteinlegung würdigten. Die Geschäftsführer Winfried Pfeiffer und Michael Stein hätten Pioniergeist bewiesen und gegen die allgemein schlechten Trends mutig investiert.

Die beiden ehemaligen Kraftwerker Pfeiffer und Stein bekannten sich ausdrücklich zum Standort Hagenwerder. „Als Unternehmer identifizieren wir uns mit der Region und sind zutiefst von ihren Möglichkeiten überzeugt“, sagte Stein.

Schon vor der Schließung des Kraftwerkes im Dezember 1997 hätten beide nach Strategien gesucht, wie sich auch ohne das Kraftwerk möglichst viel Arbeit in der Region halten lasse, sagte Winfried Pfeiffer. „Wir mussten uns in die regionalen Wirtschaftskreisläufe einklinken.“ So arbeiten am Standort Hagenwerder 27 Menschen daran, Bauteile aus Metall für Vattenfall (früher Esag), Bombardier, Siemens und andere Großkunden in der Lausitz zu schweißen. Die Kompetenz als Service-Betrieb für das Kraftwerk wurde damit in ein eigenständiges Unternehmen überführt.

Die neue Produktionshalle wird in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Zweckverbandes für das Industriegebiet Hagenwerder errichtet. So liegt es zwar auf dem Terrain des Vattenfall-Konzerns. Aber die neue Halle macht doch die Erschließung des Geländes möglich. Eine Neuansiedlung ist die Bedingung dafür, dass von Tauchritz her eine Straße in das Gewerbegebiet gebaut werden kann. Wenn die neue Halle im Frühjahr eingeweiht wird, kann auch der Bau dafür beginnen, stellte Bernd Riccius vom Zweckverband fest. Das habe das Regierungspräsidium in Dresden jetzt bekannt gegeben.

Der Hintergrund für diese gute Nachricht ist eine andere, eine schlechte Nachricht: Die erhoffte Fabrik eines Zulieferers für die Auto-Industrie wird wohl nicht kommen. Das sagte RP-Vertreter Wiesheu während der Grundstein-Feier. Obwohl nicht auf Zweckverbands-Gelände, wird die KSC-Halle gleichwohl als Anlass akzeptiert, das Gewerbegebiet mit einer zusätzlichen Straße zu erschließen. Auch ein Weg in die Zukunft?