merken
PLUS

Neue Fahrscheinkontrolleure in Bus und Bahn

Die Görlitzer Verkehrgesellschaft hat sich von der umstrittenen Firma Dussmann getrennt. Deren Nachfolger kommt aus Zittau.

© Archivfoto: Rafael Sampedro

Von Ingo Kramer

Görlitz. Es war ein stiller Abschied: Bereits zum 31. Januar haben die Verkehrsgesellschaft Görlitz (VGG) und die deutschlandweit tätige Firma Dussmann ihre Zusammenarbeit bei der Fahrkartenkontrolle beendet. „In gegenseitigem Einvernehmen“, wie beide Seiten jetzt betonen. Öffentlich gemacht haben sie den Schritt aber bisher nicht. Und auch jetzt wollen sie auf Nachfrage nicht näher auf die Gründe eingehen. „Nach neun Jahren haben wir einfach gemerkt, dass es für die Kontrollen neue Impulse braucht“, formuliert VGG-Chef Frank Müller diplomatisch. Dass der schlechte Ruf, den die Dussmann-Kontrolleure seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit hatten, der Hauptgrund für die Kündigung war, dementiert Müller nicht. „Ich will nicht näher darauf eingehen“, sagt er stattdessen.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Auch Dussmann-Sprecherin Michaela Mehls sagt nichts Konkretes über die Gründe. Stattdessen spricht sie von einer langen, guten Zusammenarbeit, die in beiderseitigem Einverständnis zu Ende gegangen sei. Das Geschäftsfeld Fahrkartenkontrolle sei eine von rund 70 Leistungen, die Dussmann anbietet. „Allerdings haben wir derzeit in keiner deutschen Stadt einen Auftrag in diesem Feld“, sagt sie. Görlitz sei hier die vorerst letzte Stadt gewesen. In anderen Feldern aber habe Dussmann auch in Görlitz noch Kunden – und sei stetig an neuen Zusammenarbeiten interessiert.

VGG-Chef Müller hat derweil längst einen neuen Geschäftspartner gefunden: Die Firma H.S.D. Holdinghausen Sicherheitsdienst aus Zittau. Mitte März habe sie die Aufgabe übernommen. „Davor gab es sechs Wochen keine Kontrollen“, bestätigt Müller. Holdinghausen habe erst einmal geeignetes Personal finden und schulen müssen.

Für eine Zwischenbilanz der neuen Zusammenarbeit sei es jetzt, nach zwei Monaten, noch zu früh, sagt Müller: „Auf jeden Fall haben wir seither deutlich weniger Feststellungen von Schwarzfahrern und ebenfalls weniger Widersprüche.“ Das könne verschiedene Gründe haben: Die Zahlungsmoral der Fahrgäste könnte sich verändert haben – was aber unwahrscheinlich sei – oder der Dienstleistungsgedanke stehe bei H.S.D. mehr im Vordergrund. Damit meint Müller, dass die Kontrolleure zuerst schauen, ob jemand beim Fahrscheinkauf Schwierigkeiten hat und ihm helfen, wenn er nicht weiß, wie es geht. Es könnte aber auch schlichtweg daran liegen, dass durch die vielen Feiertage und Baustellen weniger Menschen Bus und Bahn genutzt haben. Ende des Jahres, schätzt Müller, sei ein guter Zeitpunkt für eine erste Bilanz.

Prinzipiell sei zweierlei wichtig: Die Sicherung der Erlöse, also das Verhindern von Schwarzfahren, und der beschriebene Dienstleistungsgedanke. Die Balance zu finden, sei nicht immer einfach, weil teils unklar sei, ob jemand wirklich Schwierigkeiten hat oder das nur vortäuscht. „Eigentlich haben die Kontrolleure keinen Ermessensspielraum“, betont Müller.

Die Firma H.S.D. hat zunächst einen Vertrag für ein Jahr erhalten – mit Verlängerungsoption. „Wir haben dafür einerseits neues Personal eingestellt, andererseits mit der Firma GRS auch einen Subunternehmer ins Boot geholt“, sagt Firmenchef Jens Holdinghausen. Er bestätigt, dass er keinen der Dussmann-Mitarbeiter eingestellt hat, will aber auch nicht über das Ende der Zusammenarbeit von VGG und Dussmann spekulieren. Fakt ist freilich: Dussmann hatte bis vorigen November auch einen Reichsbürger beschäftigt. Reichsbürger seien ihm bisher nicht untergekommen, betont Holdinghausen: „Ich achte aber sehr darauf, nicht die falschen Leute einzustellen.“ Vier Mitarbeiter seien täglich zur Fahrkartenkontrolle in Görlitz im Einsatz – allerdings nicht jeden Tag dieselben vier Leute: „Unsere Mitarbeiter haben auch andere Tätigkeiten.“

Weiterführende Artikel

Kommentar: Neuanfang ist die richtige Entscheidung

Kommentar: Neuanfang ist die richtige Entscheidung

Ingo Kramer über die Kontrolleure in Straßenbahn und Bus

Unter anderem sichert die fast 20 Jahre bestehende Firma seit 17 Jahren die Veranstaltungen in der Landskron-Brauerei ab, zudem unter anderem Altstadtfest, Hochschul-Veranstaltungen und, seit zehn Jahren, sämtliche Filmdrehs in Görlitz, aktuell „Wolfsland“. Mit der Fahrscheinkontrolle hat Holdinghausen ebenfalls Erfahrungen: Für die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck in Zittau arbeitet er seit etwa zehn Jahren: „Und das sehr erfolgreich.“ Dort gehe es vor allem um den Schülerverkehr, in Görlitz auch um jede Straßenbahn und einen Teil der Busse. „Die Kontrollen in Görlitz sind gut angelaufen“, sagt Holdinghausen. Müller bestätigt das insofern, als dass es bisher erst eine Beschwerde gegeben habe. Die hatte es in sich: Ein Mann aus dem Ruhrgebiet sollte für seinen Hund löhnen, weil er ihm kein Ticket gekauft hatte. Der Fall war über die SZ und die sozialen Netzwerke publik geworden und passte auf den ersten Blick in die Reihe der Probleme der Vorjahre. Vielleicht war es aber nur noch einmal eine Ausnahme.