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Neue Farben im Barockbau

Der historische Altar der Großröhrsdorfer Stadtkirche ist restauriert. Am Sonntag ist er zu besichtigen.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Schwere silberne Leuchter schmücken den Altar nach Monaten der Restaurierung. Ein Gemeindemitglied hat sie zuvor stundenlang auf Hochglanz gewienert. Und Marcel Fichtner hat sie jetzt sorgsam auf dem Altar der evangelischen Großröhrsdorfer Stadtkirche platziert. Er ist der Kirchner und zugleich Hausmeister und hat das schon oft getan. Aber diesmal ist es etwas ganz Besonderes, den Altar nach dem Abzug der Restauratoren und Handwerker für den Gottesdienst am Sonntag herzurichten. Das wird die erste Gelegenheit sein, den Altar zu bewundern. Dafür hat der Kirchner extra zwei Strahler in Positur gerückt, um die „restauratorische Spitzenleistung in Szene zu setzen“, wie es Pfarrer Stefan Schwarzenberg formuliert.

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Die ist letztlich ein Gemeinschaftswerk. Seit Mai arbeitete das Wachauer Restauratoren-Team um Tania Korntheuer-Wardak an dem Altar. Begleitet von dem Kleinröhrsdorfer Restaurator Uwe Rähmer und von Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege und der Landeskirche. Für den Kirchenvorstand hielt Baufachmann Gottfried Brückner den Kontakt. Er sagt: „Die Restaurierung des Altars ist die Krönung von acht Sanierungsjahren an der Stadtkirche.“ Angefangen beim Dach mit dem Dachstuhl, dann der Innenraum, die Kanzel und die Großmannloge. Ein hoher sechstelliger Betrag floss inzwischen in die Sanierung: „Die letzten Rechnungen stehen noch aus“, sagt Gottfried Brückner. 32 000 Euro investierte die Gemeinde jetzt noch in den Altar – ohne Fördermittel. Kirchgemeinde und Förderverein stemmten die Finanzierung aus eigener Kraft. Allein der Verein 15 000 Euro unter anderem aus Spenden, Beiträgen und dem Verkauf des Kirchenkalenders und von Postkarten.

Am Sonntag zum Kirchweihfest nimmt die Gemeinde ihr Schmuckstück feierlich in Dienst. Seit Wochen werden erstmals wieder vor dem Altar Gebete und Liturgie aufsteigen ins Kirchenschiff. Pfarrer Stefan Schwarzenberg spricht das Glück über diese Stunden und Tage aus jeder Geste und jedem Wort. Er lässt den Blick von der Sonne oben im Altar über das brennende Herz, das Kruzifix bis zum Schädel am Fuß des Kreuzes gleiten: Das Gold ist aufpoliert, fehlende Ornamente sind ersetzt und die Farbgestaltung überarbeitet. Das früher dominierende dunkle Braun von einer Sanierung aus der 1930er Jahren wurde zurückgenommen. Zu düster sei der Altar gewesen. Das neue Farbenspiel sei viel lebendiger. Schließlich sei die Kirche doch ein Ort der Freude, ein Festsaal, so Schwarzenberg. Ein reiches Farbenspiel gehöre zum christlichen Glauben. Noch besser sollen sie zur Geltung kommen, wenn die entsprechende Beleuchtung installiert ist. Dazu ist die Gemeinde bereits mit einer Firma im Gespräch.

Das Farbkonzept des Altars sei gemeinsam erarbeitet worden und lehnt sich jetzt wieder an das Original von 1745 an. Das hat eine besondere Geschichte. So ist der Altar eine Kopie des früheren Altars der Leipziger Thomaskirche aus der Werkstatt des italienischen Meisters Fossati. Das Leipziger Original ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Die Kopie ist jetzt umso schöner. Dafür sprechen vor allem die Säulen, die nun in einem kräftigen Grün leuchten. Gerade diese schillernde Farbe überrascht durchaus. Sie setzt neue Akzente. Ziel sei es gewesen, das Farbenspiel, dem Innenraum anzupassen und wieder harmonisch zu gestalten. Zum Beispiel das Grau der Flammenvasen, die für die aufsteigenden Gebete stehe. Dieses Grau korrespondiere mit der Farbe im Kirchenraum.

Ein Gotteshaus atme Geschichte und Identität, sagt der Pfarrer. Hier suchen die Menschen Trost und Gemeinschaft. So ist sich Pfarrer Stefan Schwarzenberg gewiss, dass sich nicht nur der christliche Teil der Bürger über den Altar freuen werde: „Die barocke Stadtkirche ist ja auch ein kulturhistorisch wertvolles Gebäude, das wichtigste der Stadt.“ Der 50 Meter hohe Turm sei ein Wahrzeichen und grüße weit ins Land. Er denke, die Kirche gibt auch Menschen ohne religiösen Bezug ein Heimatgefühl.“ Aber vor allem ist der Altar ein Blickfang, der Höhepunkt im Kirchenraum: „Und wir sind überglücklich, nun auch diese Restaurierung geschafft zu haben“, so Stefan Schwarzenberg. Einen wirklichen Abschluss gibt es bei so einem historischen Bau aber wahrscheinlich nie. Noch in diesem Jahr soll der Sockelputz außen, rings um die Kirche saniert werden. Doch jetzt darf erst einmal gefeiert werden. „Denn die Beteiligten haben bei der Sanierung alle Register gezogen“, sagt Pfarrer Schwarzenberg. Zum Kirchweihfest am Sonntag wird das auch die Kantorei tun, verspricht er: „Es wir ein musikalisches Erlebnis.“ Mit dem geschmückten Altar im Mittelpunkt.

Am Sonntag, den 8.Oktober, feiert die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Großröhrsdorf-Kleinröhrsdorf das Kirchweihfest. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr. Im Anschluss sind Kirchführungen geplant. Es wird die erste Gelegenheit sein, den Barockaltar in seiner neuen Pracht bewundern zu können. Der Förderverein verkauft den neuen Kirchenkalender.