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Neue Firma, alter Stuhl

Die Deutsche Bank AG hat ihr Rechenzentrum in Europa für zehn Jahre bei IBM untergestellt und zahlt dafür insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Das ist der größte Outsourcing-Vertrag, der jemals in Deutschland vereinbart wurde.

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Von Nora Miethke

Die Deutsche Bank AG hat ihr Rechenzentrum in Europa für zehn Jahre bei IBM untergestellt und zahlt dafür insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Das ist der größte Outsourcing-Vertrag, der jemals in Deutschland vereinbart wurde.

Davon angespornt, überlegen viele Bank-Vorstände, ob sie diesem Beispiel folgen. Doch bei der Stadtsparkasse Dresden lehnen sich die Manager zurück. „Unser Rechenzentrum wird schon seit der Wende von der Firma S-Finanz-IT betreut“, sagt Hubert Beckmann, Vorstand der Stadtsparkasse Dresden und für Organisation und Informationstechnologie zuständig. S-Finanz-IT ist ein Unternehmen der deutschen Deutschen Sparkassenorganisation. Auch ist die Stadtsparkasse schon viel weiter. Sie hat ihren gesamten Zahlungsverkehr und die Betreuung ihrer Immobilien ausgegliedert.

Fast jeder Deutsche besitze heute eine Bankverbindung. Neue Kunden seien kaum zu gewinnen und die Konkurrenz groß, beschreibt Beckmann die Situation. Deshalb hätten die Sparkassen und Banken einen Wettbewerbsvorteil, die sich am stärksten um ihr eigentliches Geschäft kümmern – der Beratung von Kunden, wie sie ihre Ersparnisse anlegen. Im Klartext heißt das, der Filialleiter soll nicht mehr den Mietvertrag für das Gebäude verlängern müssen und die Kundenberater nicht das Konto im Computer eröffnen. Das erledigen die Spezialisten in der halben Zeit. „Jeder macht das , was er am besten kann“ lautet die Devise. Zu diesem Zweck wurde in den vergangenen Jahren jeder Prozess unter die Lupe genommen. Es wurde herausgefiltert, was man unbedingt noch selbst tun muss, welche Aufgaben sich standardisieren lassen oder besser in der Zentrale erfüllt werden.

Kulturwandel ist

schwer zu verkraften

Zuerst wurde 1994 die Tochterfirma DS GmbH zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs gegründet. Das schwierigste war dabei der Kulturwandel für die betroffenen 60 Kollegen, die zur DS GmbH wechselten. „Ihr seid nicht mehr Sparkassenmitarbeiter, sondern Beschäftigte der DS GmbH. Das war hart zu verkraften“, sagt Beckmann. Doch inzwischen seien sie stolz, zu einer der drei größten Transaktionsabwickler in Deutschland zu gehören. Denn die DS GmbH führt nicht nur die Überweisungen der Muttergesellschaft aus, sondern die von 30 Sparkassen in ganz Deutschland.

Als nächstes folgte 2001 die Ausgliederung des Gebäudemanagements. Darum kümmert sich jetzt die Tochterfirma SWI GmbH mit 50 Beschäftigten – derzeit nur für die Sparkasse. Ziel sei auch hier, andere Kunden zu gewinnen.

Die Strategie hat Erfolg. Die Zeit für die Kunden habe sich ohne zusätzliches Personal um 15 Prozent erhöht, sagt Beckmann. Bei den Personal- und Sachkosten konnten in den vergangenen zwei Jahren rund sieben Millionen Euro eingespart werden. Das Geld wird wieder investiert. So flossen insgesamt 3,5 Millionen Euro in neue Filialen, ein Call Center und in den Ausbau des Internetbanking.

Dass das Wort Outsourcing bei den Sparkassenmitarbeitern anfangs keinen Jubel auslöste, hängt nicht nur mit dem „Kulturwandel„ zusammen. Sie sahen wahrscheinlich schon viele Kollegen rausfliegen. In der Regel wird das Auslagern von Aufgaben mit Personalabbau verbunden. Dass das nicht immer Arbeitslosigkeit bedeuten muss, zeigt auch das Beispiel der Stadtsparkasse. Zwar ist die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren von 1 300 auf 1 100 gesunken. Doch die Arbeitsplätze sind zum größten Teil nicht verschwunden, sie sind zu den Tochterfirmen gewandert. Diese sollen Ende des Jahres 250 Beschäftigte haben. Outsourcing helfe, Arbeitsplätze in Dresden zu sichern: „Wir lagern nicht nach Indien aus, sondern bauen hier Dienstleistungsgesellschaften auf“, sagt Beckmann. Dadurch beuge die Stadtsparkasse dem Fall vor, dass eines Tages Fremde mit einem Angebot an die Tür klopfen, „das wir nicht ablehnen können“.