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Neue Führung in der Karl-May-Stiftung

Ein Museumsleiter in Radebeul wurde benannt. Aber die wirtschaftlichen Probleme bleiben bestehen. Ein nächstes Krisentreffen folgt.

Ohne Karl-May-Fest mit tanzenden echten Indianern in Radebeul hat auch das Karl-May-Museum wesentlich weniger Besucher. Die Krisensitzung vom Sonnabend soll den neuen Weg weisen.
Ohne Karl-May-Fest mit tanzenden echten Indianern in Radebeul hat auch das Karl-May-Museum wesentlich weniger Besucher. Die Krisensitzung vom Sonnabend soll den neuen Weg weisen. © Arvid Müller

Radebeul. Am Sonnabend brannte im Radebeuler Ratssaal die Luft. Mehr als zwei Dutzend Protagonisten der Karl-May-Stiftung, vom Kuratorium - der Aufsicht der Stiftung -, dem Museumsbeirat und den Mitarbeitern des Karl-May-Museums wollten aufarbeiten, was an Ärger in den letzten Wochen zusammengekommen ist. Vor allem aber sollte es eine Erneuerung der Führung und eine Aussicht geben, wie das Museum aus der Krise nach den Vorwürfen des gekündigten Museumsleiter Christian Wacker kommen will.

Das mit neuen Personen, jedenfalls zum Teil, ist vorerst gelungen. Die neuen Vorstände der Karl-May-Stiftung heißen Volkmar Kunze (Vorsitzender, ehemaliger OB der Stadt Radebeul), Jörg Müller (1. Bürgermeister Radebeuls), Thomas Grübner (Geschäftsführer der Klotzscher Firma Elbe Leasing, der einzige aus dem alten Vorstand) und der Knaller in der Neubesetzung – Leontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen.

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Völkerkunde-Expertin aus Leipzig ist dabei

Die aus Holland stammende Ethnologin ist als Leiterin des Völkerkundemuseums (Grassi Museum) in Leipzig eine ausgewiesene Expertin und könnte die Türöffnerin Richtung Land Sachsen sein. Völkerkunde und Ethnoligisches ist mit den Sammlungen der indigenen Völker im Karl-Museum einiges an hohem Wert vorhanden.

Leontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, ist die Expertin für Völkerkunde im neuen Stiftungsvorstand also für die Indianistik-Sammlung zuständig.
Leontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, ist die Expertin für Völkerkunde im neuen Stiftungsvorstand also für die Indianistik-Sammlung zuständig. © Gregor Zielke

Nicht mehr im Stiftungsvorstand sind Ralf Harder, Bert Wendsche - beide wurden ins Kuratorium gewählt - sowie der Radebeuler Rechtsanwalt Klaus Voigt. Harder und Voigt waren vor allem von den Mitarbeitern des Museums abgelehnt worden.

Neu ist auch, dass das Museum inhaltlich vom bisherigen Kurator Robin Leipold geleitet werden soll.

Geleitet hat die Krisensitzung der Kuratoriumsvorsitzende, der Münchner Rechtsanwalt Robert Straßer. Straßer sagt, dass die Marathonsitzung vom Sonnabend – von 10 bis 19.30 Uhr – nur der Auftakt der Erneuerung rund um das Karl-May-Museum sein werde. Bereits am 10. Oktober soll die ursprünglich für November geplante nächste Sitzung stattfinden. Dann solle die in den nächsten Wochen zu beleuchtende wirtschaftliche Situation im Museum auf den Tisch. Massive Besucherausfälle durch zwei Monate Schließung ließen zum Halbjahr die Zahlen auf 11.000 statt geplanten 20.000 schrumpfen. Straßer: „Jetzt hoffen wir, dass im Sommer wieder mehr Besucher kommen.“

Museumsvision soll bis Herbst stehen

Bis Jahresende ist für die Mitarbeiter des Museums Kurzarbeit beantragt. In dieser Woche soll beraten werden, wer weiter in Kurzarbeit bleiben muss und wer ganz gebraucht wird, so der Kuratoriumsvorsitzende.

Das zweite große Thema für das Museum, um weiter eine Entwicklungschance zu haben, ist ein Leitbild, eine Museumsvision. Diese solle gemeinsam mit der Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen entwickelt und im Oktober beraten und beschlossen werden. Der ehemalige Chef der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, der Radebeuler Thomas Bürger, hat gemeinsam mit Slawistik-Experten Holger Kuse bereits Pläne entwickelt, wie das Museum künftig mit möglichen Beteiligungen von Land und Stadt geführt werden könnte.

Robert Straßer: „Bis zum März 2021 wollen wir Klarheit haben, wie es weitergehen soll, was machbar ist und was nicht realistisch ist.“

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