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Neue Großbaustelle auf der B 6

In Großharthau beginnt der Bau einer Brücke. Das hat nicht nur für Autofahrer Auswirkungen.

Isabel Pfeiffer, Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), und Andreas Biesold, Leiter der Bautzener Lasuv-Niederlassung, stehen mit den Plänen an der Baustelle in Großharthau. Die neue Brücke über die Bahngleise wird rechts neb
Isabel Pfeiffer, Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), und Andreas Biesold, Leiter der Bautzener Lasuv-Niederlassung, stehen mit den Plänen an der Baustelle in Großharthau. Die neue Brücke über die Bahngleise wird rechts neb © Steffen Unger

Großharthau. In den Nächten vom 28. Februar bis zum 1. März 2020 müssen sich Bahnreisende zwischen Bischofswerda und Arnsdorf auf Schienenersatzverkehr einstellen. Es ist die erste von insgesamt vier Unterbrechungen des Bahnverkehrs, die wegen des Neubaus einer wichtigen Brücke in Großharthau bis zum März nächsten Jahres erforderlich sind.

Die Brücke für die Bundesstraße 6 überspannt die Bahngleise der Strecken Dresden – Görlitz und Dresden – Zittau. Isabel Pfeiffer, Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), Andreas Biesold, Leiter der Lasuv-Niederlassung Bautzen, und Brückenbauexperte Jörg Schäfer stellten der SZ das Bauvorhaben vor und informierten über die Auswirkungen auf den Verkehr.

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Warum ist der Bau einer neuen Bahnbrücke notwendig?

Die jetzige Brücke wurde in den 1950er-Jahren errichtet. Die jüngste Brückenprüfung ergab die Note 3,0. Sie sagt, dass das Bauwerk in einem schlechten Zustand ist. Es gibt umfangreiche Betonschäden im Überbau. Die zulässige Tragfähigkeit entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen. Deshalb wird die mehr als 60 Jahre alte Brücke abgebrochen. Allerdings erst dann, wenn die neue Brücke fertig ist.

Erst Neubau, dann Abriss: Wie geht das?

Die neue Brücke entsteht in Fahrtrichtung Dresden wenige Meter rechts neben dem bestehenden Bauwerk. Grüne Holzmarken zeigen bereits den Trassenverlauf. „Hier ging schon der Vorgängerbau der jetzigen Brücke entlang“, sagt Andreas Biesold. Diese Brücke war am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Schon in den 50er-Jahren wurde der Neubau neben den Resten der früheren Brücke errichtet.

Jetzt kehrt man zum ursprünglichen Brückenverlauf zurück. Doch nicht das ist der ausschlaggebende Grund. Vielmehr geht es den Verantwortlichen darum, dass die B 6 während der gesamten Bauzeit befahrbar bleibt. Daher rollt der Verkehr noch so lange über die alte Brücke, bis die neue fertig ist. Erst dann wird der Altbau abgerissen.

Wie berücksichtigt der Neubau eine spätere Elektrifizierung der Bahn?

Die neue Brücke wird etwa einen Meter höher als die jetzige sein. Denn gebaut wird mit Blick auf die künftige Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden – Görlitz, sagt Jörg Schäfer. Auf der Brücke werden in beiden Fahrtrichtungen auf den Fahrbahnen Radfahrstreifen markiert, wie es sie schon in Großharthau auf der B 6 am Ortsausgang Richtung Dresden gibt. Auf beiden Seiten der Brücke wird es einen Fußweg geben. Direkt über den Bahngleisen wird dessen Geländer noch zusätzlich durch Plexiglas erhöht und verstärkt – als Schutz vor den Oberleitungen, die für die Elektrifizierung der Bahnstrecke notwendig sind.

Diese stilisierte Zeichnung zeigt, wie die neue Brücke aussehen wird. Bis zu 16 Meter tiefe Pfähle tragen die vier Widerlager, auf denen der Brückenoberbau errichtet wird. Auf den Fahrbahnen werden Radfahrstreifen markiert. Auf beiden Seiten wird es einen
Diese stilisierte Zeichnung zeigt, wie die neue Brücke aussehen wird. Bis zu 16 Meter tiefe Pfähle tragen die vier Widerlager, auf denen der Brückenoberbau errichtet wird. Auf den Fahrbahnen werden Radfahrstreifen markiert. Auf beiden Seiten wird es einen © Lasuv

Welche Herausforderungen birgt der Brückenbau?

Neben dem straffen Zeitplan, bedingt durch den Bahnverkehr, ist vor allem die Gründung der neuen Brücke eine Herausforderung. „Der Baugrund ist äußerst schwierig, da Lehm und Sand vorherrschen“, sagt Andreas Biesold. Aus diesem Grund wird die Brücke auf Pfählen gegründet. 25 Pfähle von jeweils 1,20 Meter Durchmesser müssen 14 bis 16 Meter tief in die Erde gesetzt werden. Erst dort gibt es einen tragfähigen Baugrund. Die Bohrungen sind ab dem 18. Februar geplant. Sie werden etwa einen Monat dauern.

Auch das spätere Einsetzen der vier Fertigteilträger für das neue Bauwerk ist äußerst anspruchsvoll. Dabei handelt es sich jeweils um einen Stahlkasten mit aufmontierter Betonplatte. Jeder dieser Träger wiegt etwa 40 Tonnen, sagt Isabel Pfeiffer.

Vorbereitende Arbeiten für den Neubau der Brücke wurden bereits im vergangenen Jahr ausgeführt. So wurden ein Gastank verlegt und eine Behelfsstraße in die Großharthauer Siedlung gebaut. Jetzt sind die Bauleute dabei, die Böschung an der bestehenden Brücke zu sichern. Dafür müssen sie sechs Meter tief ins Erdreich. An dieser Stelle wird eins der vier Widerlager der neuen Brücke errichtet.

Welche Auswirkungen haben die Arbeiten auf Bahnreisende?

Die bewilligten Sperrzeiten der Bahn bestimmen maßgeblich den Bauzeitenplan, macht Jörg Schäfer deutlich. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hatte sie lange im Voraus beantragen müssen. Während der ersten Sperrung in den Nächten vom 28. Februar bis zum 1. März werden Kabel, die für den Eisenbahnverkehr notwendig sind, umverlegt.

Die folgenden drei Sperrungen sind dann durchgehend, also auch am Tage. Das betrifft in diesem Jahr noch das Wochenende vom 22. bis 24. Mai, wo die vier Brückenträger eingehangen werden, sowie die Zeit vom 30. Oktober bis zum 2. November, wenn der Abbruch der alten Brücke erfolgt. Nur 60 Stunden haben die Bauleute Zeit, die Brücke abzubrechen und das Baufeld so zu beräumen, dass anschließend die Züge wieder uneingeschränkt fahren können. Eine vierte Unterbrechung des Bahnverkehrs wird es vom 12. bis 15. März 2021 geben. Dann werden die Fundamente der alten Brücke abgebrochen. In allen vier Sperrperioden kommt es zu Schienenersatzverkehr.

Mit welchen Behinderungen müssen Kraftfahrer rechnen?

Die Bundesstraße bleibt während der Bauzeit befahrbar. In den kommenden Monaten rollt der Verkehr in beiden Richtungen uneingeschränkt. Voraussichtlich ab Mitte August wird es zu halbseitigen Straßensperrungen kommen und der Verkehr mittels Ampel geregelt. Dass es baubedingt möglicherweise auch zu einer kurzzeitigen Vollsperrung der Bundesstraße in Großharthau kommen kann, schließt man im Lasuv nicht aus, versucht aber, das zu vermeiden. Voraussichtlich ab Mitte September wird der Brückenneubau fertig sein.

Wie viel kostet der Ersatzneubau der Brücke?

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr investiert rund fünf Millionen Euro, sagt dessen Pressesprecherin Isabel Pfeiffer. Hinsichtlich des Investitionsvolumens ist die Maßnahme die aktuell umfangreichste im Bereich der Bautzener Niederlassung. Errichtet wird die Brücke durch die Matthäi-Gruppe. Sie ist in mehreren europäischen Ländern präsent und unterhält unter anderem im Bundesland Brandenburg mehrere Standorte.

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