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Neue Herausforderung in Neschwitz

Viele Jahre haben Steffi und Matthias Prauser in großen Städten gelebt und gearbeitet. Doch nun sind sie zurück – und haben viel vor.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Neschwitz. Erst seit einer Woche haben Steffi und Matthias Prauser den Schlüssel zu diesem alten Umgebinde-Fachwerkhaus in Neschwitz. Denn sie haben es gekauft. Nach intensiver Suche im Vorfeld. Nun freuen sie sich auf das Abenteuer Sanierung. Doch bis dahin leben sie sich erst einmal in ihrer alten Heimat wieder ein. Denn in die sind die beiden gemeinsam mit ihren Kindern jetzt zurückgekehrt.

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Steffi und Matthias Prauser kennen sich aus der Schulzeit. Beide besuchten die Mittelschule in Königswartha. Doch nach dem Abschluss verloren sie sich aus den Augen. Bis zu einem Klassentreffen. „Da haben wir gemerkt, dass wir uns mehr bedeuten“, sagt Steffi Prauser. Sie hatte nach der Schule eine Ausbildung zur Bürokauffrau in München absolviert. Danach kam sie aber zurück, hat in der Region gearbeitet, in Dresden gelebt. Später ging sie nach Leipzig, wo sie beim Aufbau des BMW-Werkes dabei war. Er studierte Betriebswirtschaft in Dresden, war danach auch zwei Jahre in Amerika zum Studium und zum Erfahrung sammeln. 2003 lernte er in München einen Geschäftspartner kennen, blieb dort. „Wir sind dann immer gependelt, denn wir hatten an drei Standorten kleine Wohnungen“, sagt Matthias Prauser. In Dresden, Leipzig und München. Erleichtert wurde diese Art von Pendeln über die damals gerade aufkommenden Billigflieger. „Wir haben bei Aldi ein ganzes Jahreskontingent gekauft, sodass wir uns aller zwei, drei Wochen trafen“, lachen sie noch heute. Aber es sparte Zeit. Doch irgendwann wurde auch das zu anstrengend. Steffi Prauser wechselte 2008 nach München in die Konzernzentrale von BMW, sie zogen zusammen, heirateten, und ihr Sohn wurde geboren. Als Matthias Prauser für eine Arbeitsstelle nach Hamburg abgeworben wurde, ging seine Frau mit. Sie war damals in der Elternzeit. „Ich glaube, da haben wir zum ersten Mal überlegt, ob wir weiter so leben wollen“, sagt die 39-Jährige. Denn nach kurzer Zeit in der Hamburger Innenstadt zogen sie aufs Dorf kurz vor den Toren von Hamburg. Dort wurde vor zwei Jahren ihre Tochter geboren.

Eine Auszeit befördert die Rückkehr

Die Entscheidung, nach Jahren des Wanderns zurück nach Hause zu gehen, fiel dann nach einer besonderen Reise. Im vergangenen Jahr hat sich die Familie eine dreimonatige Auszeit genommen, bevor ihr Sohn eingeschult wurde. „Wir haben eine Tour rund um die Alpen gemacht. Haben Länder, Städte, schöne Landschaften kennengelernt. Und gemerkt, was wirklich wichtig ist im Leben, wie wenig man für solch eine Reise zum Beispiel braucht“, sagt Matthias Prauser. Vor allem die intensive Zeit mit den Kindern hat sie begeistert. Zwar war die Familie immer mal wieder zu Besuch in Neschwitz und Königswartha, wo die Eltern des Paares jeweils wohnen, aber die Entfernungen waren schon ziemlich groß. Zum Sonntagskaffee mal einfach um die Ecke zu den Eltern oder Geschwistern zu gehen, das hat uns gefehlt“, sagt Steffi Prauser. Klar haben sie dort, wo sie gewohnt haben, auch jeweils Freunde. Aber die sind eben keine Familie.

„Das größte Problem, diesen Wunsch der Rückkehr umzusetzen, war, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden“, sagt Steffi Prauser. Schließlich sollte es für beide auch einen Job geben, der ihnen gefällt. Den Stein des Anstoßes, den Wunsch nun umzusetzen, gab letztlich dieses alte Haus in Neschwitz. „Wir haben uns nach der Reise immer mal umgeschaut und nach Häusern gesucht“, sagt Matthias Prauser. Dabei sind sie auch an dem Fachwerkhaus vorbeigekommen. „Ich habe eine ganz besondere Beziehung dazu, denn mein Schulweg führte mich damals immer daran vorbei“, sagt Steffi Prauser. Und tatsächlich stand das Haus zum Verkauf. Doch bevor es nun mit der Sanierung losgehen kann, sind viele Vorbereitungen nötig. Deshalb wohnen die Prausers erst einmal in Caminau. In nicht einmal drei Monaten haben sie das Haus der Oma von Matthias Prauser für die Familie umgebaut. „Eigentlich wollten wir nur streichen“, lachen die beiden heute. Denn dank eines Freundes und der Familien ist nun im Erdgeschoss ein lichtdurchfluteter Wohnbereich entstanden. Im Obergeschoss sind die Schlafräume. „Nachdem uns der Architekt gesagt hat, dass es eher realistisch ist, Ostern 2020 in Neschwitz einzuziehen, wollten wir es dann doch gemütlicher für die Familie haben“, sagen die beiden.

Parallel zur Haussuche kam die Suche nach der Arbeit. Für Matthias Prauser ist das nicht ganz so schwierig gewesen, weil er sich vielen verschiedenen Projekten widmet, bei denen die heutige Digitalisierung nicht unbedingt erfordert, von zu Hause weg zu sein. Steffi Prauser besuchte die Rückkehrermesse in Bautzen. Dort hat sie über Umwege ihren neuen Arbeitgeber gefunden. „Ich bin eigentlich ein bisschen entsetzt, wie schlecht Betriebe mit Bewerbern umgehen“, sagt sie. Und das, wo alle über Fachkräftemangel reden. Nur die PTH-Group in Bischofswerda, die als Franchisenehmer Geschäfte für Modemarken betreut, hat sie sofort eingeladen. Seit April arbeitet sie nun dort im Personalwesen.

Da jetzt Oma und Opa gleich um die Ecke wohnen, sind viele Dinge einfacher geworden. Und die Natur vor der Haustür genießt die Familie. „Wir lernen unsere Heimat neu kennen“, sagen die beiden.