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Neue Hoffnung für Dresdner Pantomime

Die Schließung des Mimenstudios ist vom Tisch. So will ihr neuer Chef Mittel und Mitstreiter gewinnen.

Michael Meinel (links) hat das Mimenstudio mit 19 Jahren entdeckt, jetzt hat der 45-Jährige die Leitung von Ralf Herzog (rechts) übernommen - seinem früheren Lehrer.
Michael Meinel (links) hat das Mimenstudio mit 19 Jahren entdeckt, jetzt hat der 45-Jährige die Leitung von Ralf Herzog (rechts) übernommen - seinem früheren Lehrer. © René Meinig

Dass Ralf Herzog die Worte fehlen, ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet: Der Pantomime wird endlich wieder tun, was er aus tiefster Seele tun muss – Spielen und das Spielen lehren. Statt zu erklären, warum die Welt diese Kunst braucht oder zu erläutern, weshalb sie scheinbar keinen Platz mehr darin hat, kann er nun wieder junge Mimen ausbilden. Kann Stücke erarbeiten, sie aufführen und beweisen, dass es nicht tot ist, das Theater ohne Worte.

Zunächst sah es anders aus. Im August 2018 war Ralf Herzog die Kraft ausgegangen – finanziell und generell. Dass er neben den Mühen, sein Pantomimestudio aufrecht zu erhalten, Auftritte zu planen und ein Festival zu organisieren, seine Frau pflegte, das wussten nur enge Vertraute. So nannte der 67-Jährige der Öffentlichkeit ausschließlich die wirtschaftlichen Engpässe seines Vereins. 

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Ohne Förderung konnte er dessen Arbeit nicht aufrechterhalten, und die ständige Bitte um Mittel hatte ihn müde gemacht. Also schloss er sein Studio, in dem Freunde der Pantomime von ihm gelernt hatten, Geschichten per Körpersprache zu erzählen. Das taten sie seit den 70er-Jahren und traten mit eigenen Inszenierungen auf. Auch das jährliche Pantomimefestival stand auf der Kippe.

Gerade als es Jubiläum hatte und das 35. vielleicht das letzte zu sein drohte, saß ein Mann im Publikum. Einer, der von Jugend an die Pantomime liebt und bei Ralf Herzog gelernt hatte: Michael Meinel war 19 Jahre alt gewesen, als er auf das Mimenstudio stieß. Bis 2000 gehörte er zum Ensemble und gab jungen Leuten selbst Unterricht.

Ein neuer Vorsitzender und Hoffnung auf Unterstützung.

„Die Dresdner Pantomimeschule hat international einen großartigen Ruf“, sagt der 45-Jährige. Das dürfe man nicht aufgeben. Nach einigen Jahren im Ausland – die Liebe hatte ihn bis nach Dubai geführt – ist der Ingenieur nach Dresden zurückgekehrt. Hier hat er sich als Berater für Halbleiter- und Sensorherstellung selbstständig gemacht. 

Seine knappe Freizeit widmet er seit Monaten der Wiederbelebung des Pantomimestudios, dessen Vereinsvorsitz er übernommen hat. Ein neues Konzept für den Verein musste erarbeitet, der Unterricht neu organisiert werden. Jeden Dienstag, von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr bieten Ralf Herzog und Michael Meinel im Projekttheater auf der Louisenstraße Pantomimetraining an. Weitere Trainingszeiten in der Neustadt sind geplant. Auch zu Workshops wird das Studio einladen.

Für all das braucht Meinel Geld – 20.000 Euro im Jahr. „Ein Viertel davon haben wir bewilligt bekommen, jetzt stellen wir weitere Anträge“, sagt er. Schnell und unkompliziert geholfen hat die Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Für Workshop und Festival bekommt der Verein von ihr 3.500 Euro. 

„Ohne Unterstützung könnten wir keine internationalen Künstler nach Dresden einladen“, sagt der neue Vereinschef. Dank der Stiftung könne er nun beginnen, das nächste Pantomimetreffen zu planen. Es soll am 12. November starten. „Nun hoffen wir auf eine Zusage von Stadt und Land.“

Mehr Mitglieder und Sponsoren zu gewinnen, ist ebenfalls sein Ziel. Wer einmal pro Woche den Pantomimekurs nutzt, zahlt eine Gebühr von zehn Euro im Monat. Als Fördermitglied ist man mit fünf Euro monatlich dabei, gern mehr. Eintrittsgelder sollen ebenfalls die Kasse füllen helfen. Dafür jedoch braucht es ein Ensemble. „In der Pantomime gibt es keine fertigen Stücke, die erarbeiten sich die Studiomitglieder selbst“, mit fünf festen Spielern sei da viel zu schaffen, sagt Ralf Herzog – und nippt an seiner unsichtbaren Kaffeetasse.

Wer das Pantomimestudio als Mitglied oder Sponsor unterstützen will, kann an [email protected] schreiben. Zur Website.

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