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Neue Jobs in der Zwiebackfabrik

Im Neukircher Traditionsbetrieb haben auch Ältere eine Chance. Das tut ihnen und dem Unternehmen gut.

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Von Ingolf Reinsch

Den 10. April hat sich Olaf Jahn, Betriebsleiter der Neukircher Zwieback GmbH, im Kalender rot angestrichen. Dann wird er nach Berlin fahren. Der Neukircher Betrieb ist nominiert für die Auszeichnung „Unternehmen mit Weitblick“. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales würdigt damit deutschlandweit 78 Firmen, die auf eine nachhaltige Unternehmenspolitik setzen, flexibel den Erfahrungsaustausch zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern fördern und vor allem Arbeitssuchenden über 50 eine Chance geben, indem sie sie unbefristet und voll sozialversichert, also auf dem ersten Arbeitsmarkt, einstellen.

Die meisten der jetzt 42 Mitarbeiter der Zwiebackfabrik, fast alles Frauen, sind schon Jahrzehnte im Betrieb – „zwischen zehn und 40 Jahren“, sagt Olaf Jahn. Doch Ende letzten Jahres gab’s Verstärkung. Das Unternehmen stellte sieben neue Mitarbeiter ein – einige jüngere, aber auch mehrere ältere. Der personelle Zuwachs erklärt sich daraus, dass in der Neukircher Zwieback GmbH jetzt durchgehend zweischichtig gearbeitet wird. Zuvor war das nur in Stoßzeiten der Fall. „Wir haben neue Kunden gewonnen, sodass wir jetzt durchgehend zwei Schichten fahren“, sagt Olaf Jahn.

Dass er auch Älteren eine Chance gibt, darin sieht der Betriebsleiter nichts Außergewöhnliches. Etwas salopp sagt Olaf Jahn, man wisse bei Älteren, was man hat, und er begründet seine Sicht: Ältere Mitarbeiter haben nicht nur Berufs- und Lebenserfahrungen. Sie bringen auch soziale Kompetenzen ins Unternehmen ein, die fürs Team von Vorteil sind. Sie wissen meist, was sie wollen. Sie sind zuverlässig und einsatzbereit. Sie sind oft auch unabhängig, weil die Kinder schon aus dem Haus sind.

Rund 700 Tonnen Zwieback und Röstbiskuit werden jährlich im Neukircher Werk produziert. Die Anlage hat die doppelte Kapazität. Einen größeren Absatz gibt der Markt zurzeit nicht her. Die Mehrzahl der Kunden der Neukircher Zwieback GmbH ist in Ostdeutschland zu Hause. Der Traditionsbetrieb produziert aber auch für Kunden in Spanien, Griechenland, Holland, Bulgarien, Österreich und der Schweiz. Selbst ein Amerikaner ordert jedes Jahr eine größere Lieferung.

Gemessen am Marktführer Brandt sind die Neukircher ein Zwerg in der Branche. Trotzdem lassen sie sich nicht in den Schatten stellen. Sie bestehen, weil sie neben ihrer Hausmarke, dem „Neukircher Zwieback“ nach dem Rezept von Max Hultsch, auf Nischenprodukte setzen. Mehr als 30 Sorten umfasst das Produktionsprogramm, darunter viele Eigenentwicklungen wie Zwieback mit Haferflocken und Nüssen, mit Kokosraspel oder Schokoladentropfen. In diesem Jahr werde man einen Schokobiskuit neu auf den Markt bringen, macht Olaf Jahn schon jetzt Appetit.