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Neue Jobs mit leicht radioaktivem Material

Rotop Pharmaka liefert aus Dresden-Rossendorf Fläschen zur Diagnose von Parkinson – mit gelbem Etikett.

Strahlenschutz beachten: Rotop stellt Arzneimittel her, die später im Körper per Gamma-Kamera aufgespürt werden.
Strahlenschutz beachten: Rotop stellt Arzneimittel her, die später im Körper per Gamma-Kamera aufgespürt werden. © Rotop/André Forner

Dieser Anblick ist selten geworden: Ein Festzelt mit farbigen Luftballons empfing am Montag Gäste zu einer Fabrikeröffnung. Sachsens Minister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt (CDU) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) kamen zum Festakt, obwohl keine großen Anlagen einzuweihen waren.

Die Rotop Pharmaka GmbH hat im Keller ihres vorhandenen Gebäudes Platz für ein neues Arzneimittel geschaffen. 14 zusätzliche Arbeitsplätze sind entstanden. Dennoch sei die Investition von rund neun Millionen Euro „herausragend“, sagte Professor Jörg Kotzerke, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin des Dresdner Universitätsklinikums. Denn viele andere Firmen seien nur noch daran interessiert, fremdproduzierte Pharmaka weiterzuverkaufen. Rotop aber stellt selbst Arzneien her. Der Pharmastandort Dresden hatte vor zwei Jahren einen Rückschlag erlitten, als das Unternehmen Apogepha seinen Produktionsstandort in Dresden-Lockwitz mangels Auslastung stilllegte und Stellen strich. Rotop dagegen ist nun auf mehr als 100 Beschäftigte gewachsen – und nutzt leicht radioaktives Material des benachbarten Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf.

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In Rossendorf gibt es zwar keinen Forschungsreaktor mehr, und voriges Jahr wurde die nukleare Altlastensanierung des Geländes offiziell beendet. Doch das Forschungszentrum besitzt ein Zyklotron, einen Teilchenbeschleuniger. Darin werden Elementarteilchen mit rasender Geschwindigkeit auf eine spiralförmige Bahn geschickt und schließlich in ein Gas gelenkt, sodass radioaktives Iod entsteht. So beschreibt es vereinfacht Professor Klaus Kopka, Direktor des Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum. Die Nachbarfirma Rotop übernimmt das Iod laut Geschäftsführer Jens Junker in einer wässrigen Lösung in einem Container, der dann hinter Bleiziegelsteinen per Roboterarm geöffnet wird.

Gefahren werden früher erkannt

Das Unternehmen Rotop konzentriert das Material, vermischt es mit einem anderen Wirkstoff und füllt das fertige Arzneimittel ab. Unter dem Namen Ioflupane soll das Produkt ab September an Nuklearmediziner in Deutschland und Österreich ausgeliefert werden. Bis Jahresende rechnet Junker auch mit Zulassungen für andere europäische Staaten. Es ist keine Dresdner Erfindung, sondern ein Generikum, ein Nachahmerpräparat, in dem aber auch Entwicklungsarbeit von Rotop steckt.

Das Arzneimittel dient zur Diagnostik von Parkinson-Symptomen. Das leicht radioaktive Material wird in die Blutbahn des Patienten gespritzt und verteilt sich im Körper, so dass eine Gamma-Kamera anhand der Strahlung Veränderungen des Stoffwechsels feststellen kann. Die Nuklearmedizin erkenne Gefahren früher als etwa die Radiologie, sagte Professor Kotzerke: „Die Zukunft ist strahlend.“

Laut Geschäftsführer Junker will Rotop zunächst 100 Dosen pro Woche herstellen, später 1.000. Er zeigte ein Ioflupane-Fläschchen mit gelbem Etikett vor, das zum Strahlenschutz in einer Bleidose von der Größe eines Fotofilmbehälters aufbewahrt wird. Binnen 24 Stunden müsse es zum Patienten kommen, weil die Radioaktivität rasch nachlasse. Diesem Rotop-Produkt für die Diagnose von Parkinson sollen möglichst andere folgen – für die Therapie.

Rotop bekam für seine Investition nach eigenen Angaben europäische und deutsche Subventionen, außerdem beteiligte sich die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen an einem Gemeinschaftsunternehmen Rotop Radiopharmacy zur Finanzierung der Anlagen. Rotop mit zuletzt 18 Millionen Euro Jahresumsatz gehört zum Teil Jens Junker, zum Hauptteil Wilhelm Zörgiebel mit seiner Molecular Diagnostics Group (MDG). Die Gruppe setze mit fast 250 Beschäftigten 40 Millionen Euro um, sagte Zörgiebel. Wegen der Corona-Krise habe seine Firma Biotype in Dresden-Hellerau zeitweise Aufgaben liegengelassen und stattdessen Corona-Tests hergestellt. Noch immer produziere Biotype pro Woche 8.000 Test-Kits für 800.000 Untersuchungen. Zörgiebel nannte die „Corona-Zeit unheimlich motivierend“. Seine Firmengruppe arbeite weiter an der „personalisierten Medizin“. Arzneien müssten möglichst individuell für jeden Patienten zusammengestellt werden.

www.rotop-pharmaka.de

hzdr.de

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