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Neue Kandidaten in Dynamos K-Frage

Soll, kann und darf der oft verletzte Marco Hartmann weiter Dynamos Kapitän sein? Selbst der Trainer grübelt.

Er wäre einer fürs Kapitänsamt. Jannik Müller ist mittlerweile 25 Jahre alt, seit 2014 bei Dynamo. Und er hat das große Ganze im Blick.
Er wäre einer fürs Kapitänsamt. Jannik Müller ist mittlerweile 25 Jahre alt, seit 2014 bei Dynamo. Und er hat das große Ganze im Blick. © Lutz Hentschel

Das Stück Stoff wird überschätzt, zumindest rein äußerlich und in seiner Bedeutung nach innen. Wer Kapitän einer Fußballmannschaft ist, mag die Öffentlichkeit brennend interessieren – insbesondere in der Sommerpause. Für die Hackordnung im Team und die Akzeptanz vor allem auch in der Kabine sind andere Dinge wichtiger. Zum Beispiel: die Leistung des jeweiligen, seine Präsenz auf und neben dem Platz. Da macht Dresden keine Ausnahme, diese Grundregel funktioniert überall gleich.

Ebenso unverändert gilt: Ein Kapitän sollte idealerweise vorangehen. Nicht von ungefähr führt der Duden als Synonym unter anderem den Begriff Spielführer.

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Die daraus abgeleitete Frage, ob Marco Hartmann angesichts seiner Verletzungshistorie – in der Vorsaison bestritt er lediglich 14 von 34 Ligaspielen – überhaupt noch der richtige Kapitän für Dynamo sein kann, lässt der Cheftrainer trotzdem gar nicht erst zu. „In allererster Linie spreche ich darüber erst mal mit den Jungs. Und das Zweite: Marco Hartmann ist schon so lange dabei. Ob der eine Binde um den Arm hat oder nicht, spielt keine Rolle. Verletzen wird er sich genauso viel oder genauso wenig. Und wenn er verletzt ist, muss er sich sowieso auf sich konzentrieren“, sagt Cristian Fiel, was allerdings reichlich Interpretationsspielraum lässt.

Fakt ist: Große Teile der Vorbereitung absolvierte Hartmann aufgrund einer Muskelquetschung im Oberschenkel mit individuellem Training, die letzten drei Testspiele fanden ohne ihn statt, auch die Partie am Dienstag gegen Paris Saint-Germain. Ob der 31-Jährige nächste Woche Samstag beim Liga-Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg nicht nur einsatzbereit, sondern auch fit ist, kann er derzeit vermutlich selbst nicht beantworten.

Was die Kapitänsfrage tatsächlich wieder aktuell werden lässt.

Er könnte die Binde ebenfalls tragen. Niklas Kreuzer, 26 Jahre alt und seit 2014 im Verein, zählt zu den Publikumslieblingen. „Ich habe mir über die Jahre ein gewisses Standing erarbeitet“, sagt er.
Er könnte die Binde ebenfalls tragen. Niklas Kreuzer, 26 Jahre alt und seit 2014 im Verein, zählt zu den Publikumslieblingen. „Ich habe mir über die Jahre ein gewisses Standing erarbeitet“, sagt er. © Lutz Hentschel

In der Vorbereitung hatte gefühlt fast jeder Spieler einmal dieses Stück Stoff am Oberarm, sogar Haris Duljevic, in der Vergangenheit nicht unbedingt als Teamplayer aufgefallen. Und zuletzt gegen Paris führte Niklas Kreuzer die Mannschaft aufs Spielfeld. „Wenn Fielo mir das zutraut, mache es natürlich gerne, das ist eine Ehre für mich. Wie es dann gegen Nürnberg und die ganze Spielzeit sein wird, weiß ich auch nicht. Wir haben über dieses Thema noch gar nicht gesprochen“, sagt Kreuzer, der im Trainingslager aber schon mal seine Ansprüche auf eine der vorderen Platzierungen in der Mannschaftshierarchie anmeldete. Bei einer Spielform im Training, das hat er zudem festgestellt, gehörte er mit seinen 26 Jahren bereits zu den Ältesten. Es sei deshalb an der Zeit, in die Rolle des Führungsspielers hineinzuschlüpfen.

Jannik Müller, wie Kreuzer seit 2014 bei Dynamo und nach Hartmann der dienstälteste Spieler im Team, geht in der K-Frage noch weiter. „Wenn der Trainer mich fragen würde, sage ich auf jeden Fall ja. Er hat sich ja ganz viele Gedanken gemacht, das ganze Trainerteam hat darüber nachgedacht. Und wenn sie sich für einen entscheiden, wird das seine Gründe haben“, antwortet Müller in einer Selbstverständlichkeit, die immer noch überrascht.

Doch die Zeiten des kleinen Müllerchen, das hat Sportchef Ralf Minge bereits im Wintertrainingslager betont, sind vorbei. „Den Mitspielern gegenüber hat man eine Pflicht, die man erfüllen muss. Deswegen würde ich es machen“, sagt Müller. Der 25-Jährige hat berechtigte Hoffnungen. Und das nicht nur, weil auch er in einem Vorbereitungsspiel mal Kapitän war, obwohl Patrick Ebert, Hartmanns erster Stellvertreter in der Vorsaison, ebenfalls auf dem Platz stand.

Beim 3:1-Erfolg in Aue, Fiels erstem Sieg nach seiner Amtsübernahme im Februar, gab er Müller die Binde. Das durfte man zunächst natürlich als vertrauensbildende Maßnahme werten, zumal der Innenverteidiger damals mittendrin in Vertragsverlängerungsverhandlungen steckte. Zum anderen hat sich Müller das Amt über die Jahre regelrecht verdient. „Niklas hat das richtig gesagt. Wenn man das sechste Jahr in einem Verein spielt und so langsam in ein Alter kommt, wo es Zeit wird, dass man mehr Verantwortung übernimmt – dann sollten wir uns das beide auf die Fahnen schreiben“, sagt Müller und meint, im Vorjahr auf diesem Weg schon ein Stück vorangekommen zu sein – auch innerhalb der Mannschaft und neben dem Platz. „Wenn es da um gewisse Dinge geht“, wie er vielsagend andeutet, ohne dabei konkreter zu werden.

Fünf Jahre und mehr in einem Verein – das ist längst nicht mehr normal im Profifußball, das ist die große Ausnahme. Dreimal haben beide ihre Verträge inzwischen verlängert, und das nicht, weil es ihnen oder Dynamo an Alternativen mangelt.

Paradebeispiel für eine Perspektive

Kreuzer und Müller dienen als Paradebeispiel für junge Spieler. Beide sind mit 19, 20 Jahren zu den Profis gekommen und haben sich, wie Müller sagt, erst einmal alles angeschaut. „Doch mit der Zeit hat man dann, hauptsächlich durch die Leistung, die wir beide auch gebracht haben, das Recht, seine eigene Meinung mit einzubringen“, betont Müller, der in der Vorsaison in den Mannschaftsrat aufgerückt ist.

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Dynamo – das fühlt sich mittlerweile wie ein zweites Zuhause an. „Man ist während der Saison fast täglich vier Stunden in der Kabine. Wenn wir zweimal trainieren, sind es teilweise bis zu zehn Stunden“, erklärt Müller. Kann gut sein, dass künftig vor und nach dem Training noch etwas Zeit dazukommt. Wenn sich Fiel mit seinem Kapitän abstimmen will.

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