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Neue Laufwege in der Centrum-Galerie

Bauarbeiter haben nachts eine Rolltreppe versetzt. Noch größere Herausforderungen stehen ihnen bevor.

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Von Juliane Richter

Die Folgen des 30 Millionen Euro teuren Umbaus der Centrum-Galerie zeigen sich immer deutlicher. So haben Spezialisten jetzt binnen drei Stunden eine Rolltreppe hinter dem Haupteingang des Einkaufscenters ausgebaut, gedreht und an anderer Stelle wieder eingebaut. Gerade einmal vier Mitarbeiter der Berliner Spezialfirma Stoppel & Barros waren notwendig, um den sechs Tonnen Koloss in seine neue Position zu bringen. Nun führt die Rolltreppe vom Erdgeschoss in Richtung Gebäudevorderseite, direkt zum neuen Gastronomiebereich im Obergeschoss des Centers.

Jan Kotlowski baut seit 22 Jahren Rolltreppen ein und aus. Wie viele er seitdem versetzt hat, kann er nicht mehr zählen. „Diese hier war eigentlich keine große Herausforderung. Außer, dass die Hubmotoren ganz schön zu tun hatten“, sagt der 46-Jährige mit Blick auf einen gelben Kasten, der an einem Montagebalken hängt. Von großen Kränen fehlt in dieser Nacht jede Spur, das benötigte Material kommt eher unscheinbar daher. Binnen kürzester Zeit haben die Monteure die beiden Enden der Rolltreppen freigelegt. Dafür haben sie Verkleidungen abgenommen, die Stromleitungen gekappt und auch die Verbindung zu den Brandschutzanlagen unterbrochen.

Mithilfe von Stahlketten und -seilen heben sie die Rolltreppe danach Zentimeter für Zentimeter aus ihrer Verankerung, bis sie frei schwebt und lassen sie dann sachte auf den Boden des Erdgeschosses hinab. Mithilfe eines kleinen, blauen Gabelstaplers drehen sie die Treppe einmal um 180 Grad, hängen sie wieder an die Ketten und ziehen sie genauso behutsam nach oben in ihre neue Position. „Das eine Ende der Treppe hat damit eine Distanz von 10,60 Meter überwunden“, stellt Jan Kotlowski fest. Kurz vor Mitternacht ist die bis dahin reibungslose Arbeit aber doch noch nicht beendet. Mit aufmerksamem Auge hat Monteur Hannes Wendlinger festgestellt, dass die Rolltreppe nicht ganz mit dem Fußboden des Erdgeschosses abschließt. Etwa einen Millimeter zu niedrig liegt die Treppe auf. Noch einmal heben die Hubmotoren deshalb die Rolltreppe an. Hannes Wendlinger legt eine metallene Platte unter und dirigiert die tonnenschwere Brücke mit dem Druck seiner Füße in die richtige Position, bis sie nun ebenmäßig aufliegt. „Wir wollen ja keine Stolperkanten für die Besucher“, sagt er. Für ihn und seine Kollegen ist die Arbeit damit in dieser Nacht beendet.

Ingenieur Ralf Jürgens von der Baufirma Max Bögl beobachtet die zügige Montage der Spezialisten mit zufriedenem Gesichtsausdruck. Ihm gehen nun bereits die nächsten Herausforderungen im Kopf herum: „Wahrscheinlich werden wir noch eine weitere Rolltreppe umbauen. Außerdem müssen wir eine 40 Meter lange Stahlbetonwand ausbauen“, sagt er. In kleinen Scheiben würden die Elemente im hinteren Bereich des Einkaufscenters herausgebrochen. Eine Arbeit, die erneut viel Dreck und Krach macht und deshalb ebenfalls nachts erledigt wird. Über die Trompetergasse wird der Schutt dann tonnenweise nach draußen gebracht.

Während diese Aktion hinter den weißen Staubschutzwänden stattfindet, verändert sich der Anblick im Center für die Besucher schon bald aufs Neue. Das Gerüst hinter dem Haupteingang soll laut Jürgens in drei Wochen verschwinden. Zudem ist der Gastronomiebereich im Obergeschoss im Rohbau fast fertig – auch wenn das für die Besucher so bisher nicht sichtbar ist. „Hier bauen wir noch die Decke und die Glastrennwände ein. Den restlichen Innenausbau machen die Gastronomen dann selbst“, sagt Jürgens.

Als besondere Herausforderung sieht er noch den Ausbau des Panoramaaufzuges am hinteren Ende des Centers. Der soll ab 1. Juli verschwinden, um den Blick freizumachen: Einerseits auf den Media Markt, der nach SZ-Informationen in das Untergeschoss ziehen will, und andererseits für den neuen Hauptmieter. Nach wie vor ist der irische Textildiscounter Primark im Gespräch. Zu diesem Punkt schweigt der Eigentümer, der holländische Konzern Corio nach wie vor. Dafür kündigt Prokurist Oliver Quint an, dass nach Ostern der neue Centermanager die Arbeit aufnimmt.