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Neue Lithium-Suche bei Falkenhain

Die Deutsche Lithium GmbH treibt ihr Vorhaben in Zinnwald voran. Von einem weiteren Standbein erwartet sie nun wirtschaftliche Vorteile.

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© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Zinnwald. Die Deutsche Lithium GmbH stellt ihr Projekt im Osterzgebirge auf eine breitere Basis. Sie hat in den vergangenen Jahren das Lithium-Vorkommen in Zinnwald erkundet und bereitet jetzt die Einrichtungen eines Bergwerks vor und den Bau einer Aufbereitungsanlage im Europark in Altenberg.

Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, hat neue Pläne für die Erzlagerstätte um die Schenkenshöhe und Hegelshöhe bei Falkenhain.
Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH, hat neue Pläne für die Erzlagerstätte um die Schenkenshöhe und Hegelshöhe bei Falkenhain. © Frank Baldauf

Zusätzlich hat sie vom Oberbergamt in Freiberg auch die Lizenz bekommen, eine weitere Erzlagerstätte bei Falkenhain zu erkunden. Die Erlaubnis wurde noch im alten Jahr vergeben. Am Donnerstag, dem 18. Januar, endet die Einspruchsfrist dagegen. Dann wird das Papier rechtskräftig. Die Bewilligung gilt für eine Fläche von 295 Hektar im Südwesten des Altenberger Ortsteils Falkenhain, wie das kanadische Unternehmen Bacanora Minerals Ltd mitteilt, zu dem die Deutsche Lithium gehört. Es handelt sich um die Fläche, die sich zwischen der Schenkenshöhe östlich von Falkenhain und der Hegelshöhe über dem Bielatal erstreckt.

Geologen stufen das Falkenhainer Gebiet als Satellitenlagerstätte ein, deutlich kleiner als beispielsweise Zinnwald. Jedoch ist es für die Deutsche Lithium im Zusammenhang mit den Zinnwalder Plänen interessant. „Hier lagern nach den historischen Daten rund 30 000 bis 40 000 Tonnen Lithium-Metall“, sagt Armin Müller, der Geschäftsführer der Deutschen Lithium. „Das ist eine kleine Lagerstätte, die für sich alleine nicht wirtschaftlich nutzbar ist.“ Aber gemeinsam mit einem Bergwerk in Zinnwald sieht dies gleich ganz anders aus. Dort ist der Vorrat doppelt so groß.

Für das Zinnwalder Vorkommen soll ohnehin eine Aufbereitung auf dem Europark-Areal in Altenberg gebaut werden. Die wäre dann rund fünf Kilometer von dem Falkenhainer Gebiet entfernt. Eine zusätzliche Nutzung von Erz aus Falkenhain würde die Auslastung der Aufbereitungsanlage verbessern und die Laufzeit des gesamten Bergwerks verlängern, rechnet sich Bacanora aus. Der Fokus liegt jetzt auf der Erschließung der Lithium-Vorräte. Denn hier erwarten sich Fachleute eine große Nachfrage in den kommenden Jahren. Immer mehr Geräte werden mobil mit Akkus betrieben und dafür wird Lithium benötigt. Einen besonders starken Boom könnte dabei die Umstellung von Autos auf Elektroantrieb bringen. Aber die anderen Rohstoffe, die bei Falkenhain zu finden sind, sollen mit abgebaut werden. Armin Müller nennt in erster Linie Zinn und Wolfram.

Die Deutsche Lithium hat insgesamt fünf Jahre Zeit für die Erkundung. Diese beginnt jetzt mit den üblichen Schritten. Erst werten die Geologen die vorhandenen Unterlagen aus, untersuchen Bohrkerne, die archiviert wurden. In einem weiteren Schritt werden neue Bohrungen erforderlich sein, um die vorhandenen Daten zu ergänzen.

Zu den Rohstoffvorräten im Gebiet um die Schenkenshöhe und die Hegelshöhe gibt es schon viele Vorarbeiten. Hier haben schon unsere Vorfahren vor Jahrhunderten Zinn abgebaut. Die Wismut und der VEB Geophysik und Geologische Forschung und Erkundung haben in den 1970er- und 80er-Jahren die Erzvorkommen hier untersucht. Eine große Zahl von Bohrungen wurde dabei in die Erde getrieben.

Auch bei den Bergbauprojekten in jüngster Zeit ist dieses Gebiet immer wieder mit betrachtet worden. Die Erkundungslizenz, die 2007 an die kanadische Firma Tinco gegangen ist, schloss auch das Falkenhainer Gebiet mit ein. Tinco hat sich aber wieder aus dem Osterzgebirge zurückgezogen. 2013 hat das Sächsische Oberbergamt eine neue Lizenz für das Gebiet an die Erzgebirgische Zinn- und Wolfram GmbH mit Sitz in Altenberg vergeben. Doch diese ist Ende 2015 ausgelaufen, wie das Oberbergamt informierte.

Nun hat die Deutsche Lithium hier eine neue Chance. Das Unternehmen gehört Bacanora und dem Solarworld-Konzern, der im Insolvenzverfahren steht, zu gleichen Teilen. Bacanora hat die Federführung bei dem Lithium-Projekt und hat auch die Option, sämtliche Anteile zu übernehmen. Peter Secker, der Bacanora-Chef, ist auch der zweite Geschäftsführer der Deutschen Lithium neben Armin Müller.

Vorrangig treiben die beiden das Zinnwalder Projekt voran. Dafür haben sie im vergangenen Jahr mit 15 Bohrungen rund 4 500 Meter an Bohrkernen aus der Erde geholt. Diese werden jetzt analysiert. Daraus entsteht ein dreidimensionales Modell der Zinnwalder Lagerstätte. Weiter laufen metallurgische Versuche mit den 100 Tonnen Erz, die vergangenen Sommer in Zinnwald gewonnen wurden. Hier geht es darum, die günstigste Aufbereitungstechnik zu finden. Die Tests für die mechanische Aufbereitung sollen noch im Januar abgeschlossen werden. Chemische Verfahren werden entwickelt, um die Lithiumverbindungen herzustellen, die sich später verkaufen lassen. Die Planung für das Bergwerk in Zinnwald soll bis Mitte des Jahres vorliegen.