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Neue Mauern im Kohlestreit

Der Vortrag der Kohlegegner von "Ende Gelände" wirft Fragen über das Verständnis des soziokulturellen Zentrums in Görlitz auf. Ein Kommentar.

Aktion der Initiative "Ende Gelände" vor dem Landgericht Görlitz anlässlich des Prozesses gegen einen Umweltaktivisten
Aktion der Initiative "Ende Gelände" vor dem Landgericht Görlitz anlässlich des Prozesses gegen einen Umweltaktivisten © nikolaischmidt.de / Montage: SZ-Bildstelle

Das Fokus-Festival ist ein Treffpunkt der alternativen Szene, so wie es der Second-Attempt-Verein ebenso ist. Zwar gibt es Versuche, in den Stadtteil Innenstadt-West zu wirken, doch sind die Wirkungen klein und von der Masse der Bewohner kaum wahrzunehmen. 

Bislang hatte der Second-Attempt-Verein immer abgestritten, einseitig linke Positionen zu vertreten. Doch die kritiklose Vorstellung der Anti-Kohle-Kampagne "Ende Gelände" kratzt an diesem Selbstbild gewaltig. 

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Man weiß noch nicht einmal, was der Vortrag sollte. "Ende Gelände" warb für seine Aktionen. Über die Lage in den Kohlegebieten erfuhr man nichts - außer linke Verschwörungstheorien und holzschnittartige Ideologien. Warum lud denn Second Attempt, wenn es den gesellschaftlichen Diskurs so gern vorantreiben will, nicht Menschen aus Mühlrose oder Schleife ein, aus Cottbus, Weißwasser und Welzow, die gemeinsam mit den Anti-Kohle-Aktivisten diskutiert hätten? Dann wäre vielleicht etwas über den Alltag der Menschen bekannt geworden, über ihre Ansichten und ihre Vorstellungen, wie es weitergeht. Im besten Falle wäre es zu einem Austausch gekommen, der beide Seiten befruchtet hätte. So wurde nur wieder mal übereinander geredet. Und dann noch in diesem Ton!

Man kann die Äußerungen des Vereinschefs vom Second Attempt naiv oder blauäugig finden. Dass er nichts von dem Verfassungsschutzbericht über "Ende Gelände" gewusst haben will, ist schwer vorzustellen - angesichts seiner Medienpräsenz ansonsten und seiner vollmundigen Einschätzungen über Medien, die er in den Podcasts seines Vereins äußert. Aber selbst wenn es so ist, dann hat er damit gezeigt, dass er bei Weitem nicht verstanden hat, wozu ein soziokulturelles und Jugendzentrum in Görlitz gebraucht wird: Um die Diskussion über die ideologischen Gräben hinweg anzustoßen. Second Attempt errichtet stattdessen weiter Mauern.

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