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Neue Motoren für sauberen Strom

Die Technischen Werke Coswig modernisieren ihr Kraftwerk für gut 2,6 Millionen Euro.

Andre Voigtländer von der Firma SES Energiesysteme GmbH schließt Steuerkabel an einen der beiden neuen Motoren im Blockheizkraftwerk Coswig an. Die Motoren erzeugen Strom und Wärme für drei Wohngebiete.
Andre Voigtländer von der Firma SES Energiesysteme GmbH schließt Steuerkabel an einen der beiden neuen Motoren im Blockheizkraftwerk Coswig an. Die Motoren erzeugen Strom und Wärme für drei Wohngebiete. © Norbert Millauer

Coswig. In der Fassade des Coswiger Blockheizkraftwerkes - so nennt sich der Bau mit dem 28 Meter hohen Schornstein, direkt an der Bahnlinie gegenüber vom ehemaligen Mega-Drome - klaffen zwei Löcher. Dahinter ist ein Gewirr von Rohren zu sehen. Sie gehören zur neuen Abgasreinigung der beiden neuen Motoren, die derzeit im Kraftwerk installiert werden.

Betrieben wird es von den Technischen Werken Coswig (TWC), die mit der modernisierte Abgasreinigung schon jetzt die für das Jahr 2025 geforderten Werte erreichen. Dann dürfen nämlich nur noch 100 statt 500 Milligramm Stickoxid pro Kubikmeter Abgas enthalten sein. 

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Um das zu erreichen, wird Harnstoff in den Abgasstrom eingebracht, der das Stickoxid vermindert, erklärt Robert Neupold, der für die Technik zuständige Leiter der TWC. Das Ganze funktioniere in etwa so wie ein Katalysator im Auto.

Die beiden zehn Jahre alten Gas-Otto-Motoren zur Stromerzeugung sind durch zwei neue ausgetauscht worden. Jeder hat zwanzig Zylinder, hat gut zwei Megawatt elektrische Leistung und erzeugt noch einmal so viel Energie bei der Gasverbrennung für das Fernwärmenetz der Stadt. 

„Das Ganze funktioniert ebenfalls ähnlich wie bei einem Auto, nur dass nicht die Räder angetrieben werden, sondern ein Generator“, erklärt Norbert Menz. Der Diplom-Ingenieur ist Mitarbeiter in der TWC-Verwaltung.

Der Leiter Technik der Technischen Werke Coswig, Robert Neupold, an dem in Reparatur befindlichen Heizwasserkessel im Kraftwerk
Der Leiter Technik der Technischen Werke Coswig, Robert Neupold, an dem in Reparatur befindlichen Heizwasserkessel im Kraftwerk © Norbert Millauer

Jeder der beiden neuen blauen Motoren, die wie Schiffsmotoren anmuten, bringt 21,5 Tonnen Gewicht auf die Waage. Hergestellt worden sind sie in den traditionsreichen Motorenwerken Mannheim, die heute zum Caterpillar-Konzern gehören. Sie können kostengünstiger als die beiden Vorgängermotoren gefahren werden, denn sie haben sowohl höhere elektrische als auch thermische Wirkungsgrade, die zusammen auf fast 90 Prozent kommen!

Insgesamt 2,65 Millionen Euro lassen sich die TWC die Modernisierung des Kraftwerkes kosten. Möglich ist dies nur, weil sich die Gesellschaft an einer Ausschreibung des Bundes beteiligt hatte und unter den Siegern gewesen ist, was eine Förderung von 3,89 Cent pro erzeugter Kilowattstunde für 30.000 Vollbenutzungsstunden, also einer Zeit von etwa fünf Jahren, nach sich zog.

„Wir haben nicht nur die klassische Kraft-Wärme-Kopplung im Kraftwerk, sondern auch noch normale Heißwasserkessel“, so Robert Neupold. Damit werden die insgesamt 24,5 Kilometer langen Fernwärmeleitungen gespeist, die die Wohngebiete Dresdner Straße, Mitte und Spitzgrund versorgen. 

Das Blockheizkraftwerk wird von einem 28 Meter hohen Schornstein überragt – hier kommt modernste Technik zur Verringerung von Stickoxiden zum Einsatz.
Das Blockheizkraftwerk wird von einem 28 Meter hohen Schornstein überragt – hier kommt modernste Technik zur Verringerung von Stickoxiden zum Einsatz. © Norbert Millauer

Seit Mai, als die Arbeiten begannen, und bis zum Oktober, wenn sie abgeschlossen sein sollen, versorgt das Heizwerk im Spitzgrund die Wohnungen mit warmem Wasser. Derzeit richten Mitarbeiter der Firma SES Energiesysteme GmbH aus Leipzig die neue Anlage ein.

 Der Strom, den sie erzeugt, wird zum Großteil von den Stadtwerken Elbtal gekauft. Dazu ist kürzlich ein neuer Vertrag für 2021 mit den TWC unterschrieben worden. Durch die Nutzung der bei der Stromerzeugung anfallenden Wärme werden „Jahr für Jahr somit circa 12.800 Tonnen Kohlendioxid im Vergleich zur herkömmlichen Stromerzeugung eingespart“, hatten die TWC erklärt.

Außerdem werde fast ein Viertel des Stroms, den Stadtwerke-Elbtal-Kunden beziehen, vor Ort umweltfreundlich erzeugt. „Dadurch, dass wir den Strom direkt vor Ort erzeugen, können wir kostengünstig arbeiten, weil wir ihn nicht über Hochspannungsleitungen durch das Land transportieren müssen, was immer mit Verlusten verbunden ist.“ 

Abgesehen davon, dass so ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird, wissen dies auch die Kunden in Coswig und darüber hinaus zu schätzen: „Sie kaufen ihren Strom dort, wo er am billigsten ist.“

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