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Neue Nachbarn

Der Fahrradhändler Little John Bikes verlegt Teile des Betriebes nach Dresden. In Neukirch wird Platz für eine Tautewalder Firma.

© Regina Berger

Von Ingolf Reinsch

Auf dem Gelände von Little John Bikes an der Neukircher Oststraße werden bald auch Traktoren stehen. Das Unternehmen SH Technikservice verlegt seinen Sitz von Tautewalde nach Neukirch. Die auf den Handel und Service von Land-, Forst-, Garten- und Kommunaltechnik spezialisierte Firma ist vor allem Dienstleister für Betriebe und Kommunen. Sie bedient aber auch das Privatkundengeschäft. „Wir wollen gerade diesen Bereich ausbauen und haben deshalb in der Region nach geeigneten Räumen gesucht, um unsere Erzeugnisse, darunter die Premiummarke Kubota, ansprechend präsentieren zu können“, sagt Inhaber Sebastian Hanke. Er hat das Unternehmen mit derzeit acht Mitarbeitern vor zehn Jahren gegründet.

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Fündig geworden bei der Suche ist der Unternehmer im Nachbarort. Auf dem Gelände von Little John Bikes mietet Sebastian Hanke 1 600 Quadratmeter: 400 Quadratmeter des bisherigen Fahrradmarktes für den Verkauf, eine benachbarte Halle mit 800 Quadratmeter Grundfläche für die Reparatur von Technik und eine weitere Halle. Zurzeit läuft in der großen Halle der Umbau. Die wird so hergerichtet, dass darin auch große Traktoren und Frontlader – zweites Standbein des Unternehmens – Platz finden. Im Erdgeschoss werden Mitarbeiter vom SH Technikservice voraussichtlich ab Mitte Mai Land- und Kommunaltechnik warten und instand setzen. In den beiden Etagen darüber lagert Little John Bikes, wie bisher, Fahrräder.

Steffen John, der Little John Bikes 1993 gründete, hatte Mieter gesucht. Denn das Neukircher Unternehmen stellt sich neu auf. Mit der Folge, dass es auf dem Betriebsgelände nicht mehr den ganzen Platz allein braucht. Die gesamte Geschäftsleitung zieht nach Dresden um. Mit dieser Entscheidung kommt Steffen John den Führungskräften im Wortsinn entgegen: „Sie wohnen alle in Dresden. Ich möchte ihnen die täglich zwei Stunden Arbeitsweg nach Neukirch ersparen“, sagt Steffen John. Stattdessen pendelt der Bischofswerdaer jetzt zur Arbeit in die Landeshauptstadt. Für ihn auch ein Beitrag, gute Mitarbeiter langfristig zu binden. „Fachkräfte sind von Dresdener Firmen stark umworben“, sagt er. Firmensitz bleibt Neukirch, sodass das Unternehmen seine Gewerbesteuer weiterhin an die Oberlandgemeinde zahlt. In dieser Hinsicht ist Neukirch attraktiver als die Landeshauptstadt: Der Hebesatz für die Gewerbesteuer beträgt 408 Prozent – gegenüber 450 Prozent in Dresden.

Hinzu kommen Veränderungen in Lager und Logistik. Bisher hatte Little John Bikes das ausschließlich allein organisiert. Vor allem, um auf Kundenwünsche schnell reagieren zu können und dabei nicht allein vom Großhandel abhängig zu sein. „Wir sind mit dieser Strategie sehr gut gefahren“, sagt Steffen John. Doch die Pläne des Unternehmens erfordern jetzt eine Neuorganisation. So wurde ein Teil des Bereiches Lager und Logistik Kooperationspartnern, etwa Fahrradproduzenten, übertragen. In Neukirch lagern trotzdem noch Tausende Räder fürs Kerngeschäft. Für ihn gehe es dabei darum, die Balance zu finden zwischen einer bewährten Strategie und neuen Herausforderungen. „Wir schaffen uns Freiräume, die wir für die Entwicklung unserer Firma brauchen“, sagt Steffen John.

Die Little John Bikes AG beschäftigt 30 Mitarbeiter. Die derzeit 21 Fahrradmärkte unter dieser Marke, vor allem in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet, laufen als selbstständige Unternehmen auf Franchisebasis. Das heißt: Deren Inhaber kaufen ein erprobtes Geschäftsmodell und setzen es gemeinsam mit Little John um. Zählt man die Shops hinzu, sichert der Fahrradhändler derzeit rund 300 Arbeitsplätze in Deutschland. Etwa 200 könnten in den nächsten Jahren dazukommen. Steffen John plant, bis zum Jahr 2020 30 neue Geschäfte zu eröffnen. Seinen Marktanteil in Ostdeutschland schätzt er auf 20 Prozent. In den nächsten sechs Jahren könnte der sich auf 40 Prozent verdoppeln. Damit wäre Little John Bikes im ostdeutschen Fahrradhandel Marktführer.

Fahrradmarkt in neuen Räumen

Der von Jens Wobst geführte Fahrradshop an der Oststraße bleibt den Kunden erhalten. Es befindet sich am bisherigen Standort, zog nur in ein Nachbargebäude um, wo neue, helle Verkaufsräume entstanden sind. Steffen John plant, das Firmengelände zu einem kleinen Gewerbepark zu entwickeln. Mit Sebastian Hanke hat er einen ersten Partner gefunden. Platz wäre noch für ein kleineres drittes Unternehmen. „Zum Beispiel Auto-Tuning würde gut zu uns passen“, sagt der Unternehmer.

Er und Sebastian Hanke kannten sich bis zu Beginn dieses Jahres nicht, obwohl ihre Firmen keine zwei Kilometer voneinander entfernt sind. Jetzt sagen sie: „Die Chemie zwischen uns stimmt“. Und sie sind überzeugt, dass Fahrräder und Traktoren sehr gut zueinander passen. „Die Produkte sind verschieden. Doch der Mensch, der sie kauft, ist derselbe“, sagt Steffen John. Heißt: Wer wegen eines Fahrrades kommt, schaut vielleicht auch mal beim Nachbarn nach einem Rasenmäher oder einer Kettensäge – und umgekehrt. Er wird sicher nicht sofort kaufen. Aber er weiß, dass es dieses Angebot in Neukirch gibt.

www.littlejohnbikes.de

www.shtechnikservice.de