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Neue Naturstein-Wände im Schloss sorgen für Ärger

Der Denkmalschutz besteht auf Putz, da dieser dem historischen Vorbild entspreche. Räte und Gemeinde sind anderer Ansicht.

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Von Dieter hanke

Klipphausens Gemeinderäte sind irritiert. Die frisch restaurierten Räume im Erdgeschoss vom Schloss Klipphausen, die ein Treff von Vereinen und Bürgern sind, haben ihrer Meinung nach ihr Flair verloren. An mehreren Wänden wurden die schönen Natursteine aus rot-schwarz gesprenkeltem Meißner Granit sowie aus gelb-braunen magmatischem Gestein Granodiorit mit einer dicken Putzschicht überzogen. 700 000 Euro hat die Gemeinde aufgebracht, um diese Räume zu schaffen.

Die Denkmalschutzbehörden von Land und Kreis Meißen haben diese Putz-Aktion veranlasst. Die Natursteinwände würden nicht dem historischen Vorbild in diesen Räumen entsprechen und auch der Baugenehmigung widersprechen. Deshalb müsse Putz aufgebracht werden, so ihre Argumente gegenüber der Gemeinde und dem Planer, die auch einen handfesten finanziellen Hintergrund haben. Denn die Denkmalschützer versagen aus diesem Grund der Gemeinde Fördermittel der EU in Höhe von 200 000 Euro, wenn nicht Putz an die Wände kommt. „Dieses Geld brauchen wir aber“, sagt Bürgermeister Gerold Mann (parteilos). So gab er schweren Herzens den Auftrag zum Verputzen. Mehrkosten für die Gemeinde: Knapp 10 000 Euro.

Die Vereinsräume waren vor 1945 meist Stallanlagen, später dann Abstellräume für Mieter. Zum Teil waren sie verputzt, bei anderen war nur das Mauerwerk aus Bruchsteinen oder Ziegeln verfugt. Nässe machte sich breit, Putz bröckelte ab.

„Vor der Einweihung gab es keine Signale des Denkmalschutzes, dass Natursteinwände nicht zulässig sind. Weder gab es bei Bauberatungen noch schriftlich Aufforderungen, alles zu verputzen“, so Planer Thomas Kunz von Arcadis-Consult. Vor dem Bau hätte der Denkmalschutz Pläne erhalten, dass an einigen Wänden die Bruchsteine ausgebessert oder ersetzt werden. Diese Pläne seien heute beim Denkmalschutz nicht auffindbar.

Das Dilemma begann erst hinterher. Da stellte plötzlich der Denkmalschutz fest, dass nicht überall Putz dran ist, und er ging auch nicht auf einen Kompromiss der Gemeinde ein. „Bauphysikalisch ist doch nicht sinnvoll, was jetzt gemacht wurde. Der Putz wird wahrscheinlich bald durch Nässe wieder abfallen“, sagt Gemeinderat Günter Vogt, der Baufachmann ist. Denn in den Mauern stecke noch enorme Feuchtigkeit. Jahrhunderte lang wurden diese Räume nicht beheizt. „Natursteine mit den Fugen sind doch atmungsaktiver, beschleunigen den Trocknungsprozess in den Mauern, was bei Putz nicht so der Fall ist“, bemerkt Vogt. Die Verwaltung hatte deshalb dem Denkmalschutz vorgeschlagen, erst mal für einige Jahre alles so zu belassen und dann neu zu entscheiden. Doch es gab ein Nein! Bürgermeister Mann: „Das schafft keine Akzeptanz für den Denkmalschutz. Wir vermissen Angemessenheit.“

Denkmalschutz-Chef Andreas Christl hat eine andere Sicht: „Wir haben die Abstellung eines Verstoßes gegen die denkmalschutzrechtliche Zustimmung zur Baugenehmigung gefordert.“ Was der uneingeweihte Betrachter als schönes Flair wahrnehmen würde, sei aus Sicht der Denkmalpflege eine Verschandelung. Im Laufe der Jahrhunderte hätte es zwar immer wieder Veränderungen in der Nutzung gegeben, „aber zu keiner Zeit waren die Wände längere Zeit absichtlich ohne Verputz.“

Pläne zur Veränderung hätten beim Amt nicht vorgelegen, so Christl, der sich auch zu einem Kompromiss äußerte: „Wo ist beim Vorschlag, alles so zu belassen und erst nach Trocknung der Mauern in einigen Jahren zu entscheiden, ob verputzt wird, der Kompromiss? Nach Rechtslage ist der Putz aller Wände denkmalschutzrechtliche Bedingung und nicht verhandelbar.“ Und woher würden Klipphausener die Gewissheit nehmen, dass unverputzte Bruchsteinmauern schneller austrocknen als verputzte?, so Christl weiter.