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Neue Palliativstation betreut erste Patienten

Bei den Kamenzer Maltesern werden nun Schwerstkranke auf ihrem letzten Weg begleitet. Sechs Betten stehen bereit.

Von Ina Förster

Eine schlichte Holzlaterne. Ein paar weiße Herzen schaukeln am Weidenstrauß im Gang der neuen Palliativstation. Zarte Federn zittern im Windhauch. So, als ob ein Engel mit seinen Flügelchen daran hängen geblieben wäre. Vielleicht ist er es auch … Wer hier täglich ein- und ausgeht, glaubt an so vieles. Manchmal sogar an Engel. Die neue Station im Kamenzer Malteser-Krankenhaus ist besonders. Hier liegen Patienten, die sich auf ihren letzten Weg begeben haben. Wer hier eingeliefert wird, dem wird aber Hilfe zuteil. Egal, wie viele Tage oder Wochen noch bleiben.

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Die Kamenzer Malteser haben in die Palliativmedizin investiert. Und freuen sich riesig über die Errungenschaft. Nach langem Beantragungs- und Planungsmarathon ist die kleine Station endlich angelaufen. Auch dank des beherzten Zusprechens von Landtagsabgeordnetem Alois Mikwauschk (CDU) übrigens. Schon sind drei von den sechs Betten belegt. Die feierliche Einweihung läuft aber erst am gestrigen Montag über die Bühne. Die schwere, mit dezenter Folie beklebte Tür steht an diesem Vormittag nicht still. Alle wollen sich ein Bild machen – Fotografen, Presse, Kommunalpolitiker, aber auch Schwestern und Ärzte des eigenen Krankenhauses. Sogar die sächsische Staatsministerin für Gesundheit und Soziales, Christine Clauß, ist gekommen. Mit Grußwort und Barockmusik-CD für künftige Tage.

Bei der Palliativmedizin geht es nicht um Heilung wie bei der kurativen Medizin, sondern um eine kurz- bis mittelfristige Verbesserung des körperlichen und psychischen Zustandes schwer kranker Patienten. Und so schlimm es klingt – nicht die Lebensverlängerung steht mehr im Vordergrund, sondern dass in der noch verbleibenden Zeit alles Bestmögliche getan wird, um die Lebensqualität zu verbessern. Neben dem ärztlichen und pflegerischen Tun steht dafür ein breit gefächertes Angebot von Physiotherapie, Psychotherapie, Musiktherapie und Seelsorge zur Verfügung. „Wir begleiten die Patienten hier nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial und spirituell“, sagt Dr. med. Cornelia Meißner. Die Fachärztin für Anästhesiologie und Palliativmedizin leitet die Station künftig. Ihr zur Seite stehen ein extra geschultes Team sowie die leitende Schwester Karin Lauke. Beide haben gestern alle Hände voll zu tun, um alle Fragen zu beantworten. Vier Einzel- und ein Doppelzimmer fasst die Palliativstation künftig. Klinisches Weiß dominiert ausnahmsweise einmal nicht. Selbst die Krankenbetten sind buchefarben. Sie verbergen ihr kompliziertes Innenleben hinter schnödem Holz. „Es handelt sich dabei um Extraanfertigungen“, erklärt Pressesprecherin Stephanie Bröge. „Die Patienten sollen sich ein bisschen wie daheim fühlen, nicht noch mehr durch Kabel, Knöpfe und Schläuche an ihren schlimmen Umstand erinnert werden.“ Das Gefühl der Geborgenheit und Ruhe soll überwiegen. Auf allen Zimmern liegt WLAN an, ein großer Flachbildschirm gehört zur Ausstattung. Angehörige können unter Umständen sogar mit im Zimmer schlafen oder in einem extra Gästeraum. Im großen Bad gibt es zitronengelbe Jalousien, farbige Handtücher, Grünpflanzen und ein kleines Wellnessregal. In einem Gemeinschaftsraum lockt eine Küche. „Hier kann die Familie auch gern mal das Lieblingsessen der Patienten kochen“, so Schwester Karin Lauke. Und von einem kleinen Balkon hat man einen wunderschönen Blick auf die Hennersdorfer Berge. Wer auch am Lebensende nicht auf seine geliebte Zigarette verzichten will, der darf diese hier sogar rauchen .

Die Eröffnung der Station folgt einer langen Tradition der Malteser in der Palliativmedizin. Sie waren die Ersten und sind bundesweit einer der größten Anbieter von ambulanten und stationären Palliativ- und Hospiz-Einrichtungen. Daher war es nur konsequent, das Wissen auch in Kamenz zu nutzen.“ Unterstützung findet man dabei im Malteser Krankenhaus Görlitz, dessen Palliativstation kürzlich das zehnjährige Jubiläum feierte.Auf ein Wort