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Neue Pläne für den Hochwasserschutz

Bei Waldbärenburg soll eine Staumauer 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser aufhalten. Das schützt das Weißeritztal bis nach Freital und Dresden.

Jetzt in Trockenzeiten ist die Weißeritz in Waldbärenburg ein sanftes Bächlein. Sie kann aber auch ganz anders. Daher ist an ihrem Oberlauf ein weiteres Hochwasserrückhaltebecken geplant.
Jetzt in Trockenzeiten ist die Weißeritz in Waldbärenburg ein sanftes Bächlein. Sie kann aber auch ganz anders. Daher ist an ihrem Oberlauf ein weiteres Hochwasserrückhaltebecken geplant. © Karl-Ludwig Oberthuer

Derzeit liegen im Rathaus Altenberg die aktuellen Pläne für den Hochwasserschutzdamm an der Roten Weißeritz in Waldbärenburg aus. Jedermann kann sich durch die Ordner blättern. Wer will hat auch auf der Internetseite der Landesdirektion Sachsen die Möglichkeit dazu. Von Ordner eins bis Ordner neun erstrecken sich die Papiere. Sächsische.de hat sich die Unterlagen angesehen und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum soll bei Waldbärenburg ein neuer Schutzdamm gebaut werden?

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Nach dem Augusthochwasser 2002 hat allein die Gemeinde Schmiedeberg über elf Millionen Euro Schäden an Gebäuden gehabt, die Stadt Dippoldiswalde 17 Millionen. Elf Häuser sind vom Hochwasser total zerstört worden. Die Planer schätzen, dass ein Hochwasser, wie es im Schnitt alle 100 Jahre einmal vorkommt, in diesem Gebiet mindestens 40 Millionen Euro Schaden anrichten würde. Daher fiel die Entscheidung, entlang der Roten Weißeritz neue Rückhaltemöglichkeiten zu schaffen. Im Gebirge, wo der Boden wenig Wasser aufnehmen kann, bleibt dafür hauptsächlich nur eine Möglichkeit: Rückhaltebecken. Eines davon ist soeben fertig geworden, das in Niederpöbel. Zum Schutz von Waldbärenburg und Kipsdorf ist aber noch eines vorgesehen an der Roten Weißeritz zwischen Waldbärenburg und Schellerhau. Die Schutzwirkung davon reicht aber weiter. Die Talsperre Malter wird entlastet, davon haben auch Freital und Dresden Vorteile.

Wo ist das Rückhaltebecken vorgesehen?

Der Lauf der Roten Weißeritz zwischen Schellerhau und Waldbärenburg führt durch Wiesen und Wald. Hier soll die Staumauer gebaut werden. Von dem geplanten Bau sind also keine Siedlungen betroffen und keine belebten Straßen. Allein der sogenannte Buschmühlenweg, der von der B 170 an der Weißeritz entlang durch das Tal nach Schellerhau führt, wird durch den geplanten Dammbau unterbrochen. Während der Bauzeit wird er die wichtigste Verbindung zur Baustelle sein.

Welche Auswirkungen hat der Bau auf seine Umgebung?

Wo die Auswirkungen auf den Menschen gering sind, ist die Natur stärker betroffen. An dem Standort leben viele Tiere, die später vielleicht ohne Probleme mit der Staumauer zurechtkommen. Aber sie müssen während der Bauzeit besonders geschützt werden. Dafür müssen vor Baubeginn Ersatzquartiere beispielsweise für Fledermäuse geschaffen werden.

Seit wann laufen die Vorbereitungen für das Projekt?

Die erste Vorplanung ist im Januar 2008 entstanden. Seitdem wird die Natur an dem geplanten Standort beobachtet und untersucht. 2011 wurden sieben Grundwassermessstellen eingerichtet, die seither Daten sammeln. Die Planung, die jetzt ausliegt, ist bereits eine sogenannte Tektur, also eine überarbeitete Variante.

Wie ist der Untergrund beschaffen?

Unter einer dünnen Schicht aus Humus und lockerem Gestein liegen Granit und Gneis. Diese sind allerdings nicht homogen. Die Planer erwarten also komplizierte Baugrundverhältnisse. Das heißt, sie müssen auch unterirdisch Dichtmaterial einbringen, damit später bei einem Aufstau das Wasser sich nicht unter dem Damm hindurch einen Weg sucht. In der Nähe des Standorts liegen das alte Grubenfeld „Treue Freundschaft“ und der „Wilhelmine-Stollen“. Diese befinden sich aber oberhalb der künftigen Mauerkrone. Selbst bei einem Vollstau wird wohl kein Wasser in diese Hohlräume eindringen.

Was soll gebaut werden?

In Waldbärenburg ist anders als im Pöbeltal kein Staudamm geplant, sondern eine Staumauer. Diese wird mit einem speziellen Verfahren, dem sogenannten Wälzbeton hergestellt. Eine Mauer braucht weniger Grundfläche als ein angeschütteter Damm. Und das Wälzbetonverfahren ist schneller zu bauen als andere Technologien. Dabei muss zwar in einem Gang durchgearbeitet werden ohne Unterbrechung. Der eigentliche Mauerbau soll damit in drei Monaten über die Bühne gehen. Dadurch verkürzt sich aber die Gesamtbauzeit um bis zu zwei Jahre. 

Welche Ausmaße bekommt das Bauwerk?

Oben soll die Mauerkrone 264 Meter lang werden und die Mauer an ihrer höchsten Stelle 39 Meter hoch sein. Sie erhält ebenso wie der Damm im Pöbeltal einen Ökodurchlass. Dort fließt die Weißeritz durch. Daneben bleibt aber auch ein Landstreifen, auf dem beispielsweise Fischotter die Mauer durchqueren können. Insgesamt sollen in Waldbärenburg 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden. Das ist mehr als in Niederpöbel, wo 1,1 Millionen Kubikmeter aufgestaut werden können.

Wie soll der Bau ablaufen?

Er soll in sechs Abschnitten erfolgen, beginnend mit der Baumfällung am Standort der Staumauer, der Bauvorbereitung und dem Errichten des Durchlasses und des Pegels. Dann folgt die intensivste Phase, das Errichten der Mauer. Daran schließen sich weitere klassische Betonarbeiten für das Tosbecken und der Einbau der Absperreinrichtungen an. Insgesamt kalkulieren die Planer mit einer Bauzeit von sechs Jahren.

Welche Einflussmöglichkeiten haben die Bürger jetzt noch?

Bis 9. September kann sich jedermann die umfangreichen Unterlagen im Internet, im Rathaus Altenberg oder in der Landesdirektion ansehen. Danach können Betroffene bis 9. Oktober Einwendungen machen. Diese werden dann bei der weiteren Bearbeitung von der Landesdirektion berücksichtigt. 

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