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Neue Pläne für die Oberland-Kaufhallen

Im Wohngebiet gibt es keinen Einkaufsmarkt mehr. Das will die Stadt ändern. Dazu braucht sie aber Mitstreiter.

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Von Romy Kühr

Den schnellen Einkauf im Oberland zu erledigen, das ist zurzeit schwierig. Beide Supermärkte direkt im Wohngebiet – der am Hofeweg und der an der Friedrich-Ebert-Straße – sind geschlossen. Zwar gibt es einen Netto an der Kreuzung Spreedorfer/Rumburger Straße. Doch der Weg dorthin ist gerade vielen älteren Oberlandbewohnern zu beschwerlich, zumal sie dazu die viel befahrene Spreedorfer Straße überqueren müssten. Das kann zuweilen eine gefährliche Angelegenheit sein für Leute, die nicht mehr gut zu Fuß sind.

Deshalb hat die Stadt jetzt eine Idee entwickelt, wie sie den Einkauf im Wohngebiet wieder ermöglichen kann. Sie möchte einen sogenannten Begegnungsmarkt einrichten. Die Idee ist, in einer ehemaligen Kaufhalle Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs zu verkaufen. Gleichzeitig soll es aber auch Kulturveranstaltungen geben, ein sozialer Treff eingerichtet werden, Gastronomie Platz finden, erklärt Ebersbach-Neugersdorfs Bauamtsleiter Matthias Lachmann den Plan. „Es geht darum, einen Treffpunkt, eben ein Begegnungsmarkt im Quartier zu haben und keine reine Verkaufsstelle“, sagt er. Denn viele Leute seien nicht nur zum Einkaufen in die Kaufhallen gekommen. Sie hätten vorrangig als Treffpunkt, als Ort zum Austausch, fungiert. Das fehlt vielen Bewohnern jetzt im Oberland.

Um das Vorhaben in Gang zu bringen, will die Stadt viele mit einbeziehen: Einzelhändler oder Pflegedienste zum Beispiel. „Es gibt ja durchaus Unternehmen im Umfeld, die bereits im sozialen Bereich arbeiten“, so Lachmann. Sie kennen den Bedarf der Bewohner vor Ort. „Wir wollen kein neues Unternehmen gründen, sondern das, was vorhanden ist, bündeln.“ So könnte zum Beispiel ein Händler den Lebensmittelverkauf mit übernehmen, ein Pflegedienst einen Infopunkt im Markt einrichten. Wenn das alles klappt, dann hätte die Stadt gleich mehrere Probleme auf einmal gelöst: es gebe ein leer stehendes Gebäude weniger, das nach und nach zu einem Schandfleck wird. Das Wohngebiet Oberland würde zudem wieder attraktiver mit einem solchen Begegnungsmarkt.

Welche ehemalige Kaufhalle so ein Markt werden könnte, soll eine Studie ermitteln. Damit will die Stadt ein Unternehmen aus Berlin beauftragen. Es soll herausfinden, welche der beiden leer stehenden Kaufhallen im Oberland sich besser eignet. Möglich wäre das Vorhaben aus rechtlicher Sicht in beiden Gebäuden. Denn von beiden sind die Stadtwerke Oberland Eigentümer, das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Stadt. Zuletzt hatten die Stadtwerke erst vor Kurzem den ehemaligen Netto-Markt an der Friedrich-Ebert-Straße gekauft. Er stand leer seit Netto zum Beginn des vorigen Jahres ausgezogen war. Es hatte seitdem zum Verkauf gestanden.

Während sich kein anderer Käufer fand, reifte in der Stadtverwaltung die Idee, selbst etwas aus der alten Kaufhalle zu machen – und damit etwas für die Oberlandbewohner zu schaffen, erzählt Matthias Lachmann vom Bauamt. Dabei kam der Stadt das Förderprogramm „Biwaq“ entgegen. „Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier“ heißt das ausgeschrieben. Damit fördert die EU benachteiligte Stadtgebiete. Ebersbach-Neugersdorf kann sich mit seinem Projekt „Begegnungsmarkt“ um Gelder bewerben, weil das Plattenbaugebiet Oberland ein solches anerkanntes Quartier ist. Die Stadt hat jetzt einen Fördermittelantrag eingereicht. In den nächsten sechs Wochen rechnet Lachmann mit einem Bescheid, ob die Stadt die finanzielle Unterstützung bekommt. Wenn das feststeht, kann das Berliner Unternehmen mit der Analyse beginnen. Dazu wird es auch Bewohner befragen.

Jetzt habe es bereits eine Expertenrunde gegeben, die das Projekt bewertet hat. „Demnach ist es als förderfähig eingestuft worden“, erklärt der Bauamtsleiter. Er ist deshalb guter Dinge, dass der Begegnungsmarkt entstehen kann. Ziel ist, dass er sich nach Ablauf der Förderfrist selbst trägt. Bis 2018 bekäme die Stadt Geld aus dem Fördertopf – wenn das Vorhaben bewilligt wird. Danach müssen die Partner gefunden sein, die den Markt dauerhaft weiter betreiben. Ziel sei es auch, so Lachmann, Arbeitsplätze zu schaffen. „Wir wollen vorrangig Langzeitarbeitslose aus dem Wohngebiet ansprechen, die dort tätig werden könnten“, so Lachmann.