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Neue Pumpen halten Coswig trocken

Das Kötitzer Entwässerungswerk wird flutsicher umgebaut. Die Pumpen schaffen pro Sekunde zehn Badewannen voll Wasser.

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© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

An den ersten Mittwoch im Juni erinnert sich Jörg Morgenstern genau. Es regnete unentwegt. Wie schon in den Tagen zuvor. Der Pegel der Elbe stieg. Innerhalb kürzester Zeit drohte im Abwasser-Pumpwerk in Kötitz die Situation zu kippen. Das Juni-Hochwasser überraschte den Geschäftsführer des Coswiger Wasser- und Abwasserbetriebes (WAB). Das hatte der Experte nicht erwartet.

Die Flut und der Starkregen brachten die Anlage an ihre Leitungsgrenze. Wasser drang gleich an mehreren Stellen in das Bauwerk ein, das zehn Meter tief in den Erdboden reicht. Das Wasser zwängte sich durch feine Ritzen neben den dicken Rohren, die durch die Betonwände nach außen führen. Nur durch die Hilfe der Feuerwehren aus Coswig und der Partnerstadt Ravensburg sowie des Technischen Hilfswerks (THW) wurden die Pumpen in Kötitz trockengehalten und das Kanalnetz entlastet. Trotzdem gingen zwei Pumpen kaputt. „So eine Situation will ich nicht noch einmal erleben“, sagt der WAB-Chef. Er will das Pumpwerk jetzt nicht nur reparieren, sondern flutsicher umbauen.

Denn ohne die Anlage säuft Coswig ab. So wie bei der Jahrhundertflut 2002. Von Kötitz bis hin zur Börse, vom Wohngebiet an der Dresdner Straße bis zu den Gärten an der Jaspisstraße: Alles stand unter Wasser. Wie Fontänen schoss die braune Brühe aus den Gullideckeln. Häuser, Geschäfte, Plätze, einfach alles, in das Rathaus, Unternehmer und Bürger in den Jahren zuvor viel Geld gesteckt hatten, wurde vom Elbewasser verschluckt. Mehr als zwei Drittel der rund 20 700 Einwohner waren vom Pumpen-Ausfall betroffen. Eine Katastrophe mit Millionenschäden.

Die erneute Überflutung der Stadt verhinderten im Juni Einsatzkräfte und freiwillige Helfer. Feuerwehren und THW saugten ununterbrochen Wasser aus dem Pumpwerk ab, so dass die Station nicht vollends den Geist aufgab. Mit Sandsäcken und Kies gewannen die Helfer genug Zeit. Zwei riesige THW-Pumpen sorgten schließlich für Entspannung. Die Ersatzgeräte hielten die Kötitzer Anlage so weit trocken, dass die Pumpen der WAB weiter arbeiten konnten. „So sind uns mindesten zehn Millionen Euro Schaden erspart geblieben.“ So hoch war die Schadensbilanz vor elf Jahren allein in der überfluteten Innenstadt.

Die 1,4 Millionen Euro, die der Umbau des Pumpwerks kosten soll, ist für Morgenstern deshalb sinnvoll investiertes Geld. Die Pläne, um das Pumpwerk flutsicher zu machen, gibt es schon lange. Kurz vor der Umsetzung kam die Juni-Flut. „Wir haben dabei wieder neue Erkenntnis gewonnen.“ Die hat das Planungsteam um Jörg Morgenstern in das Umbaukonzept eingearbeitet. Jetzt kommen zuerst die sechs alten Elektropumpen dran. Nach 30 Jahren im Dienst leisten die nur noch die Hälfte der einstigen Pumpkraft – rund 1,5 Kubikmeter pro Sekunde. Ersatzteile, um die Maschinen wieder flott zu machen, gibt es keine mehr. Sie werden deshalb gegen sechs Tauchmotorpumpen ausgetauscht. Drei Kubikmeter pro Sekunde saugen die Maschinen weg – das macht zehn volle Badewannen. Und die Geräte funktionieren auch noch, wenn das Pumpwerk von der Elbe geflutet wird.

Das allein reicht aber nicht. Auch der Dieselgenerator, der den Strom für die Pumpen erzeugt, wird höher gelegt. Bis zu einem Pegel von 9,70 Metern bleibt das Aggregat trocken. Genügend Kraftstoff wird schon vor Ort gelagert. 40 000 Liter fassen die Tanks. Das reicht für drei Tage, wenn alle Pumpen auf Volllast laufen. Um im Ernstfall die Tanks zu füllen, wird zusätzlich eine hochwassertaugliche Zufahrt von der Naundorfer Straße her angelegt. „Alles das, was hier den reibungslosen Betrieb der Anlage betrifft, wird höher verlegt“, sagt Morgenstern. So werden bisher nur die Pumpwerke in Dresden vor der Elbe geschützt.

Schon in wenigen Wochen soll es losgehen. Zuerst werden die zwei defekten Pumpen samt Rohren ersetzt. Im Januar kommen die restlichen vier dran. Immer im Wechsel. Während die neuen Maschinen aufgebaut werden, laufen die Alten weiter. Gefahr, dass das Netz während des Umbaus bei Starkregen ausfällt, bestehe so nicht. Im Mai 2014 soll alles fertig und damit die Angst vor der erneuten Überflutung Geschichte sein.