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Neue Radwege am Schillerplatz?

Für Pedalritter ist kein Platz in der Hüblerstraße. Das Rathaus hat bislang nicht reagiert. Doch nun scheint sich etwas zu tun

Von Tobias Wolf

Für Hartmut Dreßel ist die Hüblerstraße ein Graus. Der 71-jährige Radler nutzt die Verbindung zwischen Berggartenstraße und Schillerplatz oft, wenn er von Blasewitz auf die andere Elbseite ins heimische Wachwitz will. Allerdings meist nur schiebend auf dem Fußweg, denn Radfahrer dürfen die Hüblerstraße nicht in Richtung Schillerplatz passieren. „Das ist ein unmöglicher Zustand, weil viele dann illegal entgegen der Einbahnstraße fahren“, sagt er. „Und wer auf dem Fußweg schiebt, stört die Fußgänger.“ Familien mit Kinderwagen, Rentner mit Rollatoren oder Kunden, die in der Seitenstraße einkaufen wollen, schieben sich zu Stoßzeiten im Pulk über die viel zu engen Fußwege. Vor allem an der Fußgängerampel in Richtung Blaues Wunder gibt es fast schon ein Gerangel, wenn alle auf Grün warten, beklagt Dreßel.

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Das Rathaus scheint inzwischen aufgewacht. Auch die Mitglieder des Blasewitzer Ortsbeirats waren sich auf ihrer jüngsten Sitzung über Parteigrenzen hinweg weitgehend einig, dass sich an diesem Zustand etwas ändern muss. Nur über den richtigen Weg gibt es Streit. Einige werben dafür, die Einbahnstraße einfach in die Gegenrichtung für Radler zu öffnen. Doch das bringt neue Probleme, denn vor allem morgens und nachmittags herrscht dichter Autoverkehr in der Hüblerstraße, während links und rechts Autos parken. Die Grünen haben deshalb den Antrag im Stadtrat gestellt, einen der bisherigen Parkstreifen abzuschaffen, um mehr Platz für Radler zu bekommen. Ob als eingezeichneter Radweg oder nur als angedeuteter Schutzstreifen sei egal, sagt Margit Haase, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Wichtig sei, dass endlich etwas passiere. Ihr zufolge queren rund 2 500 Radfahrer pro Tag das Blaue Wunder. Ein großer Teil davon fahre in die Hüblerstraße weiter oder komme aus dieser in die Gegenrichtung. Dazu rollen täglich 5 000 Autos in die Verbindung zur Berggartenstraße. Alternativen zur Hüblerstraße gibt es für die Zweiradfahrer auch nicht, denn Naumannstraße und Tolkewitzer Straße sind dicht befahrene Hauptstraßen – ebenfalls ohne Radwege.

Zumutungen nur für Radler?

Die Empfehlung der Stadt an die Radler, den erlaubten Weg durch die Zentralhaltestelle an der Loschwitzer Straße zu nehmen, bezeichnet Haase als nicht glücklich. „Wer mit Kindern radelt und dort durch muss, muss nicht nur mit einer erhöhten Sturzgefahr wegen der Schienen rechnen“, sagt sie. „Sobald dort mehrere Bahnen und Busse durchfahren, wird es sehr eng.“ Ein Umstand, den Anwohner schon lange beklagen, wie die Sächsische Zeitung bereits vor zweieinhalb Jahren berichtete. Gebessert hat sich an der Situation nichts.

Für den Hinweis mit der Umfahrung über die Haltestelle oder andere Nebenstraßen hat Ortsbeirätin Kerstin Wagner von der Linksfraktion deshalb kein Verständnis: „Warum soll es Radfahrern zuzumuten sein, große Wege in Kauf zu nehmen, wenn umgekehrt ein Elbeparkplatz am Schillergarten sein muss, weil Autofahrer die paar Meter bis zur Tiefgarage in der Schillergalerie nicht laufen können.“

Für CDU-Ortsbeirat Michael Heidrich habe der Grünen-Antrag nur Schaufenstercharakter, weil seine Partei bereits ein Gesamtkonzept zur Aufwertung von Schillerplatz vorgeschlagen hat, dass der Stadtrat Anfang 2010 beschlossen hat. Darin ist zwar von einer Verbesserung der Radverkehrssicherheit am Blauen Wunder die Rede. Ein entsprechendes Konzept der Stadt liegt jedoch immer noch nicht vor. Bedenken grundsätzlicher Natur hat Schillergalerie-Chefin Jana Betscher, die um potenzielle Kunden für die Geschäfte entlang der Hüblerstraße fürchtet. „Autofahrer, die den Kurzzeit-Parkstreifen nutzen, kommen vielleicht nicht mehr, wenn der abgeschafft wird“, sagt sie. Dennoch herrscht zumindest in diesem Gremium Einigkeit darüber, dass die für Fußgänger und Radfahrer gefährliche Hüblerstraße entschärft werden müsse. Den Antrag der Grünen, eine schnelle Lösung für die Hüblerstraße zu fnden, ließen die Ortsbeiräte dennoch durchfallen.

Der städtische Bauausschuss hingegen bestätigte eben diesen Antrag am Mittwochabend, wie Stadträtin Haase gestern mitteilte, aber mit einer Änderung: Der 2010 beschlossene CDU-Antrag soll umgesetzt werden, der das Radlerproblem ebenfalls aufgreife. Ein Vertreter des Straßenbauamts versicherte im Ausschuss, dass es Pläne für die Verbesserung des Radverkehrs auf der Naumannstraße, der Tolkewitzer Straße, Schiller- und Körnerplatz sowie der Hüblerstraße gebe. Anfang 2014 soll der Stadtrat darüber befinden, bis Ende des Jahres die Pläne umgesetzt werden. Das wäre fünf Jahre nach der ersten Initiative.