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Neue Röhren für die Dresdner Unterwelt

Die Arbeiten an der Kötzschenbroder Straße haben sich verzögert. Im Frühjahr soll die Zeit der Sperrungen vorbei sein.

Bauleiter Philipp Kühne ist froh, dass die Kunststoffrohre bald in den Neustädter Hauptkanal eingebaut werden können.
Bauleiter Philipp Kühne ist froh, dass die Kunststoffrohre bald in den Neustädter Hauptkanal eingebaut werden können. © René Meinig

Auf der Kötzschenbroder Straße in Pieschen geht es jetzt endlich in die Tiefe. Dort soll der rund einen Kilometer lange Abschnitt des Neustädter Abfangkanals vom Ballhaus Watzke bis zum Ende der Flutrinne saniert werden. Das ist das vorletzte unsanierte Stück der 109 Jahre alten rechtselbischen Abwasser-Hauptschlagader, die sich von der Prießnitzstraße bis zum Klärwerk Kaditz erstreckt.

Die Arbeiten hatten im Dezember vergangenen Jahres begonnen. Deshalb ist dort die Kötzschenbroder Straße außer für Anlieger gesperrt. Zum Auftakt wurde auf dem Geh- und Radweg entlang der Elbe ein meterlanges starkes Stahlrohr montiert, durch das das Abwasser, angesaugt von Vakuumanlagen, während der Sanierung fließt. Doch der Bau hatte sich verzögert. Beim Aushub der bis zu acht Meter tiefen Schächte für den Anschluss des Abfangkanals und von drei Seitenkanälen gab es erhebliche Schwierigkeiten, erläutert Projektleiter Heiko Nytsch von der Stadtentwässerung. Denn das Team unter Bauleiter Philipp Kühne von der Firma Echterhoff stieß dabei auf festes Gestein und alte Fundamente im Untergrund. Es dauerte wochenlang, diese Hindernisse zu beseitigen. Doch das ist jetzt geschafft. Seit dem 24. Juli ist die Ersatzleitung in Betrieb, erläutert Nytsch.

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Durch die zwischen 2,1 und 2,5 Meter hohe Röhre fließt nun kein Abwasser mehr. Mit dem Hochdruckreiniger wurde sie durch Spezialisten der Stadtentwässerung grob gereinigt. In einer zweiten Runde wird der letzte Dreck beseitigt. So können letztlich Risse mit Spezialmörtel verpresst werden.

Währenddessen bereiten die Betonsäger Andreas Schmidt und Jens Timmler von einer Dippoldiswalder Spezialfirma bereits die Hauptaktion in einer sechs Meter tiefen Grube unweit der Gaststätte Landstreicher vor. Zuerst schneiden sie mit einem 80 Zentimeter messenden Betonsägeblatt das eine Ende des Rohrs auf und durchtrennen es danach mit einem 1,2 Meter großen Scheibe. Dann kommt das andere Ende des über vier Meter langen Kanalstücks an die Reihe. Die Säge muss immerhin eine 40 Zentimeter starke Wand durchtrennen, erläutert Betonsäger Timmler. Fünf bis sechs Schnitte an jeder Seite sind nötig, bevor der Rohrabschnitt am Baggerarm aus der Grube geholt werden kann. Die Lücke ist erforderlich, damit die neue Innenhülle eingebaut werden kann. Möglich ist das, da der Kanal noch stabil ist.


In die Röhre kommen Segmente aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die je nach Neigung des Kanals zwischen zwei und vier Metern lang sind. Zuerst hebt ein Bagger einen motorbetriebenen, knapp drei Meter langen Wagen ein, nennt Bauleiter Kühne den ersten Schritt. Auf den kommt dann das Kunststoff-Segment. Das Längste davon bringt etwa drei Tonnen auf die Waage. Von insgesamt sechs Baugruben aus werden die Teile in den Kanal geschoben und zusammengefügt.

Die längste Strecke muss der Wagen von der Grube vor den Baucontainern neben dem Landstreicher bis zum Ballhaus Watzke mit 240 Metern zurücklegen, erläutert der Bauleiter. Seine Leute sollen jeweils von zwei Baugruben aus parallel arbeiten. Spätestens Ende August soll damit begonnen werden. Insgesamt werden rund 300 Segemente eingeschoben. „Wir hoffen, dass der Rohreinschub reibungslos funktioniert“, sagt Kühne. Da sich die Arbeiten verzögert haben, wird der einst geplante Abschluss Ende dieses Jahres nicht zu schaffen sein, kündigt Projektleiter Nytsch an. Wahrscheinlich dauert der Bau etwas länger. „Wir hoffen aber, dass die Kötzschenbroder Straße spätestens im Frühjahr 2020 wieder frei ist“, sagt er.

Das spezielle Verfahren kann eingesetzt werden, da der Neustädter Abfangkanal hier groß genug ist und genügend Reserven hat, sodass die Rohre eingeschoben werden können. Dadurch muss nicht die gesamte Straße aufgegraben werden, um neue Betonröhren zu verlegen. Außerdem spart die Stadtentwässerung Millionen. Die Bauarbeiten sollen rund 7,4 Millionen Euro kosten. Danach kommt ab Sommer 2020 das letzte, 1,5 Kilometer lange Abschnitt des Neustädter Abfangkanals von der Flutrinne bis zum Klärwerk an die Reihe.


Jens Timmler (l.) und Andreas Schmidt durchschneiden mit ihrer Säge den Kanal, in den neue Stücke kommen.
Jens Timmler (l.) und Andreas Schmidt durchschneiden mit ihrer Säge den Kanal, in den neue Stücke kommen. © René Meinig
Durch dieses Rohr fließt das Abwasser während der Kanal unter der Kötzschenbroder Straße saniert wird.
Durch dieses Rohr fließt das Abwasser während der Kanal unter der Kötzschenbroder Straße saniert wird. © René Meinig
In sechs dieser Baugruben werden die Kunststoffsegmente eingehoben und in den Kanal geschoben.
In sechs dieser Baugruben werden die Kunststoffsegmente eingehoben und in den Kanal geschoben. © René Meinig

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