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Neue Schule in den Startlöchern

Ab 19. August sollen in Großnaundorf wieder Kinder zur Schule gehen können. Bis dahin war es ein schwieriger Weg.

In der Großnaundorfer Grundschule wird noch gebaut: Mario Schmidt von der Firma Gretschel montiert Deckenplatten. Sandra Kästner und Cornelia Ruß-Hempel (r.) helfen.
In der Großnaundorfer Grundschule wird noch gebaut: Mario Schmidt von der Firma Gretschel montiert Deckenplatten. Sandra Kästner und Cornelia Ruß-Hempel (r.) helfen. © Frank Sühnel

Großnaundorf. Im ganzen Haus arbeiten die Handwerker, es wird gesägt, gebohrt, geschraubt, es ist alles eine einzige große Baustelle. Mittendrin stehen Cornelia Ruß-Hempel vom Trägerwerk Soziale Dienste in Sachsen GmbH (TWSD), das Träger der Schule ist, und Sandra Kästner, die Vorsitzende des Fördervereins Freie Keulenbergschule. Beide schauen trotz des Baustellenchaos sehr fröhlich drein, denn die Genehmigung vom Sächsischen Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) zum Betrieb der Schule wurde gerade schriftlich mitgeteilt. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, nun sind wir beruhigt und glücklich“, so sagen beide unisono.

Der Genehmigung vorausging ein langer anstrengender Weg, der auch von Rückschlägen geprägt war. Geplant war, dass die Schule am Fuße des Keulenberges schon 2018 starten sollte. Doch aus dem Lasub kam, „nachdem es mündlich immer hieß, alles in Ordnung, wir sehen keine Probleme“, wie sich Ruß-Hempel, Referentin für Bildung und Erziehung sowie Soziale Teilhabe beim TWSD, bitter erinnert, plötzlich die Mitteilung, die Schule sei nicht genehmigungsfähig. TWSD-Geschäftsführer Falk Stirner und weitere Mitarbeiter, durchdachten alle rechtlichen Möglichkeiten und wählten den neuen gemeinsamen Weg mit einem starken Partner, der Kirchgemeinde Großnaundorf (SZ berichtete). Einer evangelischen Grundschule am Fuße des Keulenberges und der gleichzeitigen Erfüllung aller notwendigen und sicher oft übertriebenen Forderungen an eine Schulgründungsinitiative konnte das Lasub Dresden die Genehmigung nicht mehr verwehren.

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Viele helfen mit

„Wobei es ja gerade das Problem ist, dass es außer der vielen unfassbaren baulichen Vorgaben, keine wirklich transparenten im Vorfeld festgelegten Kriterien oder verbindlich fachliche Erfordernisse für den Betrieb der freien Schulen gibt. Das Amt entscheidet sozusagen aus sich heraus ohne, dass man als Antragstellerin weiß, welche Prioritäten aktuell gesetzt sind.“, sagt Cornelia Ruß-Hempel.

„Fast überall ist die Kapazitätsgrenze erreicht, es werden dringend Schulen gebraucht, aber wir mussten zappeln, das verstehe ich nicht“, sagt Sandra Kästner. Deshalb haben der Kirchenvorstand, das Orga-Team des Trägers und alle Unterstützer – denn es ist ein großes Gemeinschaftswerk – auch erst wirklich die Sektkorken knallen lassen, als der schriftliche Bescheid da war. Nun gilt es weiter ranzuklotzen, die Bauarbeiten müssen bis zum Schulbeginn am 19. August abgeschlossen sein. Aber beide sind sehr zuversichtlich, dass das wird. Die Kostenvorstellung von 700 000 Euro, das weiß Cornelia Ruß-Hempel, ist bereits gesprengt. Es wird mehr werden als geplant. „Aber wir werden das stemmen, da gab es im Trägerwerk keine Diskussion“, sagt sie. Auch hier sind die vielen Vorgaben der unterschiedlichsten Behörden mit für den Preisanstieg verantwortlich. „Wir müssen im Altbau Brandschutzanforderungen wie für einen Neubau erfüllen“, nennt Ruß-Hempel ein Beispiel. Es musste eine zweite Treppe im Gebäude installiert werden und ein zweiter Ausgang entstehen. „Zum Glück haben wir im TWSD ein großes Netzwerk, ein Architekt hat die Bauvorgänge koordiniert, trägerinterne Kräfte haben zusammen mit UnterstützerInnen aus dem Dorf bei allen Arbeiten geholfen“, berichtet die Projektleiterin.

Anderes ist noch aus dem ersten Leben der Schule vorhanden und wird wieder eingesetzt. „Wir haben hier noch ganz prima Werkbänke, die für den Unterricht genutzt werden und manche Modelle und Schautafeln, die in sehr gutem Zustand sind. Auch hat die Gemeinde in der Zeit, in der die Schule zu war, dafür gesorgt, dass alles in Schuss bleibt“, berichtet Sandra Kästner. Es wird eine sehr moderne Schule, nicht nur vom pädagogischen Ansatz her, auch technisch. „Es sind bereits 40 IPods angeschafft, da wir hier überall W-Lan haben und so die Verbindung von digitaler Schule mit dem Alltag“, so Ruß-Hempel. Und auch von Glücksfällen berichtet sie: „Ein echtes Problem war, dass wir einen ausgebildeten Sportlehrer benötigen. Doch woher soll der kommen, es herrscht überall Lehrermangel? Da hat sich ein junger Mann, gerade fertig ausgebildet, gemeldet. Er ist aus der Region, spielt in Großnaundorf Fußball, ist Rettungsschwimmer und sagte, das Konzept ist super, er macht es. Was für ein Glückstreffer!“

Endlich Sicherheit

Mit der Genehmigung der Schule ist nun auch endlich Planungssicherheit da, was die Schulkinder betrifft. „Wir hingen ja alle in der Luft, besonders die Schule in Laußnitz, welche für uns die offiziell öffentliche Schule ist. Kommen nun die Kinder oder nicht?“ zeigt Sandra Kästner auf. Warum die Bearbeitung eines Antrages acht Monate dauert – das verstehe, wer will. In der Keulenbergschule werden pro Klassenstufe maximal 20 Kinder aufgenommen, wobei das pädagogische Konzept sowohl fächer- als auch klassenübergreifend angelegt ist. Andachten und Kindergottesdienste werden in den Schulalltag integriert. In diesem Jahr werden nicht alle Kinder aus Großnaundorf in die Keulenbergschule gehen, einzelne wollen weiter nach Laußnitz fahren. „Und das ist absolut in Ordnung, Eltern haben endlich auch im ländlichen Bereich die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden, welche Form der Beschulung sie sich für ihr Kind wünschen,“ meint Cornelia Russ-Hempel. „Aber wir haben kein Problem, die Klassen zu füllen, es gibt jetzt schon mehr Anfragen aus der Region als Möglichkeiten“, so Kästner. Und genau „das ist ja auch das Großartige an der Sache, wir Eltern können nun endlich entscheiden, wo unsere Kinder zur Schule gehen. Und meine Kinder und Enkelkinder sollen im Dorf zur Schule gehen, wo sie zu Hause sind.“

Am 17. August findet übrigens in der Kirche ein feierlicher Gottesdienst unter Leitung des Pfarrers Raik Fourestier und der Gemeindepädagogin Birgit Rentsch statt, danach erfolgt die Zuckertütenübergabe in der Schule und hier werden die Pädagoginnen der Freien Keulenbergschule – evangelische Grundschule Großnaundorf intensiv vom Schulförderverein unterstützt. Damit gehen nach 18 Jahren Dornröschenschlaf die Kinder in Großnaundorf wieder zu Fuß zu Schule.

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