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Neue Spuren in einem ganz alten Fall

War ein kleiner Junge das erste Mordopfer der späteren NSU? Vor über 20 Jahren wurde die Leiche eines neun Jahre alten Jungen in Jena gefunden.

© dapd

Von Christoph Lemmer, Gera

Am 6. Juli 1993 verschwand der neun Jahre alte Schüler Bernd Beckmann aus Jena. Zwölf Tage später wurde seine Leiche in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden. Bis heute ist ungeklärt, wer das Kind ermordet hat. Aber seit wenigen Monaten wird in dem Fall wieder ermittelt. Die Staatsanwaltschaft verfolgt eine alte Spur neu. Sie führt zu dem mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Böhnhardt und zu dem mutmaßlichen Helfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, Enrico T..

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Anlass des neuen Verfahrens seien „verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten“, sagt Staatsanwalt Jens Wörmann. Was er damit im Detail meint, will er nicht verraten. Als Geheimnis hüten die Ermittler auch die Umstände des Todes von Bernd Beckmann, ebenso die Frage, ob der Junge sexuell missbraucht worden war. Diese Details zählten zum „Täterwissen“ und könnten für die Fahnder noch wertvoll sein.

Ins Rollen brachten die neuen Ermittlungen aber nicht nur verbesserte Auswertungsmethoden, sondern auch die zahlreichen Vernehmungen. Wenige Monate nach dem Auffliegen des NSU-Trios und des Todes von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten die Fahnder einen Aussteiger aus der Jenaer Szene ausfindig gemacht. Dieser Mann behauptete, Enrico T. „steht auf kleine Kinder“. T. war schon kurz nach dem Auffinden der Kinderleiche unter Verdacht geraten. Nur wenige Meter von dem Toten entfernt lag ein weißer Außenbordmotor, der T. gehörte.

T. bestritt in einer Polizeivernehmung im Jahr 2012 aber vehement, mit dem Kindermord etwas zu tun zu haben. Sein Boot mitsamt Außenbordmotor sei ihm gestohlen worden. Der einzige, der gewusst habe, wo es lag, sei Böhnhardt gewesen. Beide seien häufig zusammen auf der Saale herumgefahren. Dann sei die Freundschaft zu ihm aber zerbrochen. Als er von den Morden des NSU-Trios gelesen habe, habe er vermutet, Böhnhardt könne Bernd Beckmann ermordet und versucht haben, ihm die Tat „in die Schuhe zu schieben“.

Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 90er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. T. spielt auch bei den NSU-Ermittlungen eine Rolle. Er könnte geholfen haben, die Tatwaffe vom Typ „Ceska“ zu beschaffen. Mit dieser Waffe begingen Böhnhardt und Mundlos neun der zehn Morde, die ihnen bislang zugeschrieben werden. (dpa)