merken
PLUS

Neue Stiefel für Bautzens Tänzer

Erstmals lässt das Sorbische National-Ensemble Bautzen Schuhwerk für die Bühne in einer ortsansässigen Werkstatt fertigen. Das ist für beide Seiten von Nutzen.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Anzeige
Zeit, dem Weihnachtsstress zu entfliehen!   

Über Thüringen liegt der Adventszauber und lädt ein, die Vorweihnachtszeit ohne Hektik im Herzen Deutschlands zu genießen.

Bautzen. Passt, wackelt und hat Luft. Zufrieden schaut sich Alexander Bolk seine neuen Tanzstiefel an. Gefertigt hat sie Orthopädie-Schuhmachermeister Heiko Lehmann, Mitarbeiter von „Fuss & Schuh“.

Insgesamt sollen zunächst zehn Paar neue Stiefel für die Tänzer, aber auch für Chormitglieder des Sorbischen National-Ensembles (SNE) in der Bautzener Schuhwerkstatt angefertigt und bis zum Ende des ersten Halbjahres ausgeliefert werden. Die ersten beiden Paare wurden jetzt offiziell von Jan Kubasch, dem Geschäftsführer von „Fuss & Schuh“, an SNE-Geschäftsführerin Diana Wagner übergeben. Im vergangenen Sommer hatte das SNE den Bedarf an Tanzstiefeln ausgeschrieben und dem einheimischen Unternehmen den Zuschlag erteilt, weil es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis geboten hatte.

Schuhmachermeister Heiko Lehmann freute sich über die neue Aufgabe, die allerdings keine besonders große Herausforderung an ihn stellte. Denn orthopädische Schuhe seien wesentlich komplizierter herzustellen, wie er sagt. Bei den Tanzstiefeln ist der Schnitt eigentlich recht simpel. Aber jeder einzelne Stiefel musste individuell auf seinen Träger abgestimmt werden. Deshalb gab es in den zurückliegenden Wochen etliche Anproben. Was bei den Tanzstiefeln besonders zu beachten ist, ist die Auswahl des Materials. Für den Schaft kommt besonders geschmeidig gegerbtes Rindsleder zum Einsatz. Das Allerwichtigste ist jedoch die Sohle. Diese muss nämlich zum einen gewährleisten, dass der Tänzer sich gut drehen kann, zum anderen muss die Sohle aber auch eine gute Bodenhaftung bieten. Deshalb wird für die Sohle das sogenannte Chromleder, eine Art Wildleder, verwendet. Wenn es abgerieben ist, kann es mit einer Drahtbürste wieder aufgeraut werden.

Nur für Auftritte in Innenräumen

Tänzer Alexander Bolk sagt, das Tragegefühl sei sehr gut und er habe auch ein sehr gutes Empfinden für den Boden. Die neuen Stiefel sollen nur für Auftritte in Innenräumen verwendet werden. SNE-Geschäftsführerin Diana Wagner kann sich gut vorstellen, auch weitere Aufträge an „Fuss & Schuh“ zu vergeben. Denn gerade bei den Tänzern sei die Fluktuation ziemlich hoch. Da würden immer wieder neue Stiefel gebraucht. Und auch für die Tänzerinnen muss gelegentlich neues Schuhwerk her. Beide Seiten sind sich einig, dass es von Vorteil ist, mit einem Partner vor Ort zusammenzuarbeiten. Denn nur so könne man flexibel auf Veränderungen reagieren. So seien beispielsweise schon während der Planungsphase Tänzer weggegangen und neue hinzugekommen.

Außerdem sei es wichtig, dass es bei den Unternehmen in der Stadt kein Gegeneinander, sondern ein gutes Miteinander gibt. „Wir arbeiten Hand in Hand und unterstützen einander“, sagt Jan Kubasch, der auch Vorsitzender des Innenstadtvereins ist. Schließlich würden ja auch sein Verein und der Tourismusverein zusammenarbeiten, bei dem wiederum das SNE Mitglied ist. Die Übergabe der neuen Tanzstiefel solle erst der Anfang für eine längerfristige Zusammenarbeit sein, betonten Diana Wagner und Jan Kubasch. Schließlich seien beide Unternehmen fest in der Stadt und in der Region verwurzelt. Ihre erste Bewährungsprobe bestehen die neuen Stiefel übrigens bei den derzeit laufenden Vogelhochzeitsveranstaltungen für Kinder und für Erwachsene.