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Neue Straßennamen für Dörfer am Raschütz

Die Gemeinde Lampertswalde will künftig Irrtümer bei Postzustellung und Rettungsdienst ausschließen – doch es gibt auch Gegenwind.

Von Manfred Müller

Zu Jahresbeginn 2012 wurden die Dörfer Weißig, Blochwitz, Brößnitz, Oelsnitz und Niegeroda nach Lampertswalde eingemeindet. Seitdem gibt es rund um den Raschützwald jede Menge Haupt- und Dorfstraßen. Und alle haben mit 01561 die gleiche Postleitzahl. Die Folge: Pakete kommen an die falsche Adresse, Besucher werden vom Navi in die Irre geleitet, die Schule wird in Dörfern gesucht, wo es längst keine mehr gibt. „Man muss sich bei Google Maps das Durcheinander nur einmal anschauen“, sagt Bauamtsleiterin Catrin Niemz. „Da findet man eine Weißiger Stahlbaufirma im Ort Lampertswalde, auch ein Landwirtschaftsbetrieb liegt plötzlich im Nachbardorf.“ Im Sommer 2014 wurde es sogar lebensgefährlich: Ein nach Weißig gerufener Notarzt fand wegen der Namensdopplungen die Adresse des betroffenen Patienten nicht. Daraufhin regte der Weißiger Ortschaftsrat an, die überfälligen Namensänderungen endlich auf die Tagesordnung zu setzen.

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Um doppelt und dreifach vorkommende Namen zu vermeiden, müssen in Lampertswaldes Ortsteilen insgesamt elf Straßen umbenannt werden, darunter die Dorfstraßen in Adelsdorf, Brößnitz, Niegeroda und Weißig. Das will die Gemeinde nicht über die Köpfe der betroffenen Einwohner hinweg entscheiden. Deshalb wurden die Ortschaftsräte der einzelnen Dörfer gebeten, Vorschläge zur Umbenennung einzureichen. Das ist auch geschehen – am Dienstagabend wurden die Änderungswünsche erstmals im Gemeinderat diskutiert. „Besonders gut gefällt mir ein Vorschlag aus Weißig“, sagt Catrin Niemz. „Dort soll die Großenhainer Straße in ‚Dreiberg‘ umbenannt werden.“ Bei Straßen hingegen, wo einfach der Ortsteil-Name an die alte Straßenbezeichnung gefügt wird, hat die Bauamts-Chefin so ihre Zweifel. Einige Namen würden dann ziemlich lang oder seien wenig originell oder gäben wiederum zu Verwechslungen Anlass. Das alles will die Verwaltung in den nächsten Tagen noch einmal mit den Ortsvertretungen diskutieren.

Ein echtes Problem gibt es noch mit der Weißiger Dorfstraße. Hier lehnt eine Mehrheit der Bewohner die Umbenennung ab. Warum könne nicht alles beim Alten bleiben und dafür die Dorfstraße im Ortsteil Schönborn umbenannt werden? „Wir haben hier die Zahl der betroffenen Anwohner zugrunde gelegt“, erklärt Catrin Niemz. „In Weißig wären das 64, in Schönborn 149.“ Die Gemeinde wolle die mit der Adressänderung verbundenen Formalitäten auf möglichst wenige Einwohner beschränken.

Dass sich die Bewohner der Weißiger Dorfstraße sperren, hat sicher auch mit dem Wirken von Helmut Poppe zu tun. Der heimatverbundene Pensionär kämpft vehement gegen jegliche Änderung der Straßennamen in den Dörfern am Raschütz. „Das ist schlichtweg Unsinn“, sagt er, „eine Verschwendung von Steuergeldern.“ Wenn der Ortsteil eindeutig auf einem Brief stehe, werde der auch nicht falsch zugestellt. Poppe befürchtet, dass die kleinen Orte zur Fußnote größerer Gemeinden degradiert werden. Wenn Dorf-, Haupt-, Park- und Schulstraßen umbenannt würden, nur weil es keine klare Adressenschreibung gibt, dann würden jahrhundertealte Namen einfach ausradiert. „Und was passiert, wenn die nächste Gemeindefusion ansteht“, fragt der Weißiger. „Fängt dann das ganze Spiel dann wieder von vorn an?“ Unterstützung erhielt Poppe am Dienstag auch im Gemeinderat. Er sehe das ganz genauso wie Helmut Poppe, erklärte beispielsweise Jens Griesche (CDU). Dennoch wird sich wohl eine Mehrheit für die Umbenennung finden, wenn der Rat im Februar darüber beschließt. Die Auffassung, dass Allerweltsnamen wie Haupt- und Dorfstraße von historischem Wert sind, dürfte sich kaum durchsetzen.