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Neue Studie über Luftbelastungen

Mehr Messpunkte und genaue Untersuchungen sind im Erzgebirge vorgesehen. Die EU-Untersuchung wird teuer.

Von Torsten Schilling

Der Petitionsausschuss des Europäischen Parlamentes will die Ursachen der Luftbelastungen aus dem nordböhmischen Industriebecken weiter erforschen. Das hat EU-Abgeordneter Peter Jahr (CDU) nach einer Sitzung des Gremiums in Brüssel mitgeteilt.

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Diese Fackel (rechts im Bild) im Industriegebiet Litvinov ist meist Grund für Lichterscheinungen am Nachthimmel über dem Erzgebirge. Foto: K. Hahn/Archiv
Diese Fackel (rechts im Bild) im Industriegebiet Litvinov ist meist Grund für Lichterscheinungen am Nachthimmel über dem Erzgebirge. Foto: K. Hahn/Archiv

„Die EU-Kommission hat zwar keine neuen Erkenntnisse. Aber sie hat auch bestätigt, dass weiterhin gewisse Grenzwerte überschritten werden“, sagt Peter Jahr. Nach seiner Meinung müssten die örtlichen Quellen der Emissionen noch exakter ermittelt werden. Dazu seien noch mehr Messstellen auf dem Erzgebirgskamm zu errichten. „Und auch was bei gewissen Wetterlagen an chemischen Reaktionen in der Luft abläuft, die den Katzendreckgestank verursachen, muss geklärt werden“, fordert der Europaabgeordnete.

Für die voraussichtlich Hunderttausende Euro teure Studie komme eine Förderung über das „Life Programm“ der EU infrage. „Sachsen muss einen Antrag stellen. Mein Ziel ist es, Sachsen bis Mai so weit zu bringen, dass es Unterlagen einreicht, die die Co-Finanzierung sichert.“ Der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Für saubere Luft im Erzgebirge“ (BI), Hartmut Tanneberger, begrüßt das Engagement des Petitionsausschusses. „Dass die Petition nicht zu den Akten gelegt wird, ist zufriedenstellend“, sagte Tanneberger in Olbernhau. „Die Aufnahme in das ,Life Programm‘ ist ein Fortschritt. Wir als Bürgerinitiative gehen davon aus, dass Sachsen das Förderprogramm wahrnimmt.“ Was nicht untersucht wird, ist die Frage, die sich viele betroffene Menschen in der Erzgebirgsregion zwischen Seiffen, Oberwiesenthal und dem Vogtland seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten stellen: Macht der „böhmische Nebel“ krank?

Die Bürgerinitiative sei weiter in Verhandlungen mit dem Sächsischen Sozialministerium, um in einer Studie genau diesen Nachweis zu erbringen.

„Die Finanzmittel für diese wissenschaftliche Untersuchung müssen im nächsten Doppelhaushalt des Landes bereitgestellt werden“, fordert Hartmut Tanneberger.

Das Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung hatte über zwei Jahre hinweg Geruchswolken aus dem nordböhmischen Industriegebiet analysiert. Es konnte nur zum Teil geklärt werden, woher die Wolken stammen. Bei mehr als zwei Dritteln der Geruchsbelästigungen im Osterzgebirge kam die Luft aus dem Raum Litvinov, wo petrochemische Fabriken stehen.

In den meisten Fällen wissen die Wissenschaftler noch nicht, wie die Geruchswolken entstehen. Sie vermuten, dass Schwefelverbindungen von Rohöldämpfen auf Rauchgase treffen. Diese komplexen chemischen Verbindungen sind bislang kaum erforscht. (FP)